Wie sieht der ideale Student aus?

Professoren beschreiben ihren Traumstudenten

Wäsche waschen, Kaffee kochen oder doch eher strebsam und sprachbegabt: Was sind die Eigenschaften eines idealen Heidelberger Studenten? Sechs Gelehrte entwarfen für euch ihren Traumstudenten. Vom Generalisten mit Putzerfahrung bis Boxer mit außergewöhnlicher Sprachbegabung, lassen die Vorstellungen unserer Elitelehrer keine Wünsche offen. Auch wer keine der folgenden Eigenschaften inne wohnen hat muss nicht gleich verzagen. Schließlich kann man ja noch Kinder bekommen oder „irgendwas mit Medien“.


Prof. em. Dr. Jörg Hüfner, Theoretische Physik

Physik, besonders an der Universität, gilt allgemein als ein schwieriges Fach und nur für besonders Begabte geeignet. Welche Begabung? Interesse an den Phänomenen der Natur, Geduld beim Knobeln und Geschick beim Basteln. Was ist beim Studium wichtig? Die Grundlagen müssen sitzen, deshalb sind anfangs Fleiß und Ausdauer gefragt. Später wird es leichter, weil die Wissenschaft fesselt. Physiker gelten als Generalisten. Wie werden sie das? Interesse an Vorlesungen aus anderen Gebieten (auch wenn der Stundenplan schon voll ist), und ein Studium im Ausland. Das Allerwichtigste: Fragen und Nachdenken, über die Natur und die Menschen und besonders über sich selbst. Dafür sollte man sich die nötige Zeit nehmen.


Carolyn Burmedi M.A., Lektorin Anglistik

Students in Heidelberg are by far the most respectful students I have ever taught in my entire career. But I do not want students to carry my gym bag. I want students to climb into the ring with me and become my intellectual sparring partners. To do that, they would not only need near-native knowledge of English and German, but also experience of other cultures and different academic approaches. Perhaps they would need a bit more courage as well. I do not expect them to win every fight – but ideal students would know when to pick themselves up. And they would also know when it is time to revise their strategies and prepare for the next round.


Prof. Dr. Dr. Gerrick Frhr. von Hoyningen-Huene, Jura

Der „ideale Student“ sollte durch die Universität selbst ausgesucht werden können. Dazu genügt es nicht, nur bestimmte Abiturnoten zum Maßstab zu machen. Der „ideale Student“ sollte überdurchschnittlich lerntüchtig und intelligent genug sein, um selbstständig abstrakte Fragen lösen zu können. Geübtes logisches Denken und Schlussfolgern sind dabei wichtig. Er muss sein Studium aktiv gestalten können.
Dazu muss er monotone Beanspruchungen ertragen, erfolgs- und leistungsorientiert planen und Enttäuschungen wegstecken können und bereit sein, Schwierigkeiten und Hindernisse zu überwinden. Das ließe sich durch persönliche Gespräche feststellen. Bei Hunderten von Bewerbern ist das unmöglich. Daher ist ein wissenschaftlich kontrolliertes Messverfahren vorzuziehen.


Dr. Dieter Hermann, Kriminologie

Studierende an einer Eliteuniversität sollen einmal zur Elite der Gesellschaft gehören. Deshalb sollten sie über ausreichende soziale Kompetenz verfügen. Empathie, Altruismus, die Fähigkeit zuzuhören sowie Offenheit gegenüber Kritik sind mit die wichtigsten Eigenschaften für Personen in gesellschaftlicher Verantwortung.
In der universitären Lehre steht zwar weitgehend die Vermittlung kognitiver Kompetenz im Vordergrund, aber jede einzelne besuchte Veranstaltung wird auch die individuelle soziale Kompetenz des einzelnen Studenten verändern. Wenn diese inneruniversitär vermittelt werden soll, ist die Frage nach einer „Ethik der Lehre“ angebracht, eine Ethik, die noch weitgehend formuliert werden muss.


Prof. Dr. Barbara Mittler, Sinologie

(M)ein idealer Student (Mann oder Frau) stellt unbequeme Fragen und lernt sie selbst zu beantworten. Wäscht seine Wäsche und kocht selbst (meistert schwierige und leichte Probleme in kreativer Weise). Missversteht die Uni nicht als Supermarkt. Lernt nicht für die Klausur allein. Freut sich auf Semesterferien. Bereitet sich vor – denkt sich was dabei. Ist kein Nein-, erst recht kein Ja-Sager, nur sesshaft, wenn es nicht anders geht. Liest ab und an ein gutes Buch. Liebt sich und seinen Nächsten wie sich selbst (verwehrt anderen nicht das Lesen bestimmter Texte). Weiß das Internet zu schätzen und zu fürchten. Will wissen, nicht sich verkaufen und hat Spaß daran. Weiß, dass man sich manchmal zur Arbeit zwingen muss, manchmal besser spazierengeht als zu arbeiten. Glaubt seinem Verstand, nicht den Rankings von Magazinen.


Prof. Dr. Michael Wink, Dekan Molekulare Biotechnologie

Auch ein sehr guter Student wird immer nur eine Teilmenge der Eigenschaften aufweisen, die in meiner Wunschliste zu finden sind. So zeichnen ihn nicht nur hohe Intelligenz, Neugier, brennendes Interesse am Studienfach und Leistungsbereitschaft aus, sondern auch Zielstrebigkeit und Ausdauer. Kommunikationsfähigkeit und Sprachkompetenz sind ebenso wichtig wie eine gute Allgemeinbildung und Verantwortungsbewusstsein. Sein souveränes Auftreten paart sich mit Weltoffenheit und Kollegialität. Dazu kommt soziales, kulturelles oder politisches Engagement. Dass es dieses perfekte Wunderwesen nicht gibt, ist auch gut, denn nur so erhalten wir an der Universität die notwendige intellektuelle Diversität, ohne die Innovation und Grenzüberschreitung nicht möglich sind.

(red)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 94