Schön. Scharf. Schwanger.

Die Heidelberger Nightline feiert 10-jähriges Jubiläum

Eine Universitätsstadt, Studenten ohne familiäre Unterstützung vor Ort, Lebensplanungsprobleme, Geldsorgen, Frust und Nöte – jedes Problem ist für die betroffene Person groß und muss dementsprechend ernst genommen werden. Nicht immer steht ein Freund zur Seite, nicht immer versteht die Umwelt die Sorgen des Einzelnen. Bei abendlicher Dunkelheit können kleine Probleme zu scheinbar unüberwindbaren Bergen wachsen, doch es gibt Hilfe: Eine „Nummer gegen Kummer“ von Studenten für Studenten bietet die Nightline unter 06221 / 18 47 08, Montags bis Freitags von 21 bis 2 Uhr nachts – auch an Feiertagen.

Schon vor über zehn Jahren lernte eine Heidelberger Studentin während ihres Auslandssemesters in Oxford das Konzept der Nightline kennen, das teilweise bereits seit 35 Jahren an englischen Universitäten existiert. Dieses ist nun über 10 Jahre her und seit der darauf folgenden Gründung der Nightline an der Universität Heidelberg sind die Anruferzahlen steigend. Derzeit sind mehr als 30 Mitarbeiter ehrenamtlich im Einsatz. Die rein studentische Initiative ist unabhängig und konfessionell ungebunden. Oberste Priorität hat der Grundsatz der Anonymität. Weder der Name muss bei Anruf genannt werden, noch ist für die Mitarbeiter die Telefonnummer des Anrufenden sichtbar.

Die Mitarbeiter der Nightline werden von einem Diplom-Psychologen geschult und auf ihre telefonische Tätigkeit vorbereitet. Gleichfalls steht ihnen jederzeit ein Psychologe zur Besprechung von Anrufen zur Verfügung. Keinesfalls handelt es sich nur um Psychologiestudenten, die Mitarbeiter kommen aus allen Fachrichtungen.

Und gerade weil sie Studenten sind und mit dem Anrufer auf einer Augenhöhe stehen, können sie die studentischen Sorgen und Probleme verstehen. Die „Nightliner“ selbst verstehen sich nicht als „Dienstleister im Bereich Lebensberatung“, sondern versuchen zusammen mit dem Anrufenden Strukturen in Gedanken und Komplexe zu bringen, die vorher ausweglos und unlösbar schienen.

Sie bieten ein offenes und neutrales Ohr für Probleme und machen das, was in der heutigen schnelllebigen Welt so oft fehlt – sie hören zu. Die Gründe für Anrufe sind so unterschiedlich wie die Menschen die anrufen. Kein Problem ist zu klein, keine Sorge zu banal. Jedes Problem hat die Größe, die der Anrufer ihm beimisst.

Neben der Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen bietet die Nightline aber auch rein informative Hilfestellung, berichtet Holger (Name von der Redaktion geändert), 24. In diesen Fällen verweisen die Mitarbeiter an die zuständigen Stellen der Universität, oder vermitteln andere benötigte Kontaktadressen – sie haben eben für alles ein offenes Ohr. Holger selbst arbeitet seit zwei Jahren bei der Nightline. Wie anonym die Telefonseelsorge ist wird deutlich, als er sagt, dass nicht einmal seine Freunde von seiner Mitarbeit wissen.

Weitere Informationen stehen auf www.nightline.uni-hd.de zur Verfügung. Bewerbungen bei Interesse zur Mitarbeit können unter nightline@urz.uni-heidelberg.de eingesandt, oder außerhalb der Dienstzeit auf den Anrufbeantworter gesprochen werden. Sie sollten eine kurze Vorstellung der eigenen Person und die Motivation beinhalten.

(jko)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 98