Jobben, Betteln, Organspende?

ruprecht hat nachgefragt: Wie bezahlt ihr eure Studiengebühren?

Woher nimmt man 500 Euro? Bevor man Flatrate und Fitnessstudio kündigt oder gar umzieht, sieht man sich nach anderen Mitteln um. Der ruprecht fand heraus: von 24 Befragten werden elf von ihren Eltern unterstützt, sieben gehen arbeiten, zwei sind von den Gebühren befreit. Nur einer nimmt einen Kredit auf.


Alissandra, 28, Religionswissenschaft, Ethnologie: „Ich habe immer gearbeitet. Ich hatte keine andere Möglichkeit. Müsste ich jetzt noch mal anfangen zu studieren, würde ich mich dagegen entscheiden. Ich will nicht mit einem Kredit über 50 000 Euro rauskommen!“

Philipp, 31, Übersetzen: „Ich muss für die Studiengebühren arbeiten. Manchmal arbeite ich am Wochenende im Lager als Aushilfe. Aber das ist nicht einfach. Ich habe für mein Studium weniger Zeit. Das tut mir weh.“

Susanne, 21, Politik: „Ich möchte im ersten Semester erst mal am Boykott teilnehmen. Ich will an die Richtigen zahlen, nicht an die Uni! Und ansonsten werden meine Eltern bezahlen.“

Annie, 23, Übersetzen und Dolmetschen: „Das Geld habe ich mir angespart in der Zeit, als ich noch gearbeitet habe. Ich überweise es auf das Boykott-Konto.“

Nikolas Schall, 21, Geschichte und Englisch: „Ich bezahle die Studiengebühren von meinem restlichen Zivigeld, zumindest vorläufig. Ich weiß noch nicht, ob ich auf das Boykottkonto zahle.“

Steffen, 22, Sinologie: „Meine Eltern bezahlen für mich die Studiengebühren und ich möchte sie ihnen wenn ich einen Beruf gefunden habe, gebührend zurückzahlen.“

Stefanie, 24, Anglistik, Psychologie und Jüdische Studien: „Ich jobbe nebenher; ich verkaufe Zeitschriften. Ende Januar bin ich fertig.“

Susanne, 23, Jüdische Studien: „Ich gehe arbeiten, dann muss ich sparen, mehr oder weniger. Ich arbeite in der Bibliothek und als Hiwi.“

Frederike, 25, Sport und Englisch: „Die Studiengebühren übernehmen Mami und Papi. Ich glaube, dass ich nicht auf das Treuhandkonto zahle, weil es mein letztes Semester ist, und ich da keinen Bock drauf habe.“

Philipp, 23. Psychologie: „Meine Eltern bezahlen glücklicherweise meine Studiengebühren. Ich zahle nicht auf das Treuhandkonto, weil es riskant ist.“

Dominik, 26: „Ich bin kein Student mehr. Mit Studiengebühren habe ich volle Erfahrung, weil ich in Amerika studiert habe. Weil ich da über zwei Semester 15 000 Euro bezahlt habe, finde ich es hier fast lächerlich, sich über 500 Euro zu beschweren.“

Ulbolsyn, 27, Erziehungswissenschaft, Deutsch als Fremdsprache: „Vor kurzem habe ich erfahren, dass ich nicht bezahlen muss. Ich bin ausländische Studentin und habe mich bis 2005 eingeschrieben, und deshalb bin ich befreit. Gott sei Dank!“

René, 23, Politikwissenschaft Südasien: „Ich bezahle die Gebühren mit einem Studienkredit von der Dresdner Bank, 600 Euro im Semester.“

Miriam, 23, Theologie: „Ich wechsle die Uni nach Marburg, da muss ich nicht zahlen. Aber im Sommer gibt es dort auch Studiengebühren. Ich bin noch am Überlegen, wie ich die finanziere. Ich würde keinen Kredit aufnehmen.“

Silvia, 26, Germanistik, Romanistik: „Ich bekomme jetzt noch ein Stipendium und muss die Studiengebühren wohl davon bezahlen. Ich habe nicht vor, auf das Treuhandkonto zu zahlen.“

Katarina, 22, Geographie: „Ich gebe meinem Vater die Rechnung und er wird sie bezahlen. Glücklicherweise bin ich Kind reicher Eltern. Ich glaube, mein Vater würde den Boykott nicht riskieren wollen. Von da her zahle ich nicht aufs Treuhandkonto, aber mal sehen.“


Die Fragen stellte Cosima Stawenow

(cos)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 106