Neue Schilder, alter Qualm

Rauchregelungen in Mensen fragwürdig

Mit einer neuen Nichtraucherregelung, die in diesem Wintersemester in Kraft trat, versucht das Studentenwerk das Raucherptoblem in den Griff zu bekommen. Doch die Neuerungen bieten Anlass zu Diskussionen. In Folge der Regelung werden Marstall- und Zentralmensa komplett rauchfrei gehalten sowie Teile des Triplex-Gebäudes und des Café Botanik zur Nichtraucherzone erklärt.

Nach Auskunft des Studentenwerks wurden zu Zeiten der alten Regelung, die den Rauchern keine Einschränkungen auferlegte, kaum Beschwerden laut. Im Moment hat es den Eindruck, dass die Zugeständnisse den Gegnern des blauen Dunstes geradezu Rückenwind für vermehrte Forderungen verleihen.

So bezeichnet Anna Christmann von der Grünen Hochschulgruppe die Nichtraucherbereiche in den Mensa-Cafés als „lächerlich“ und fordert ein vollständiges Rauchverbot in allen Aufenthalts- und Essbereichen. In die gleiche Richtung drängt Matthias Kutsch vom Ring Christlich-Demokratischer Studenten. Das Studentenwerk sieht in diesem Bereich allerdings keinen Handlungsbedarf mehr und verweist auf sein Profil als Dienstleister, weshalb man sich auch nicht die Rolle einer moralischen Instanz auferlegen möchte: „Unser Ziel war eine klare Trennung von Raucher- und Nichtraucherbereichen. Das ist uns in Marstall-Mensa und Zeughaus-Café auch gelungen“, so Pressesprecherin Wüst.

Im Erdgeschoss der Triplex-Mensa sowie dem Café Botanik, wo die Trennung nur durch neu aufgestellte Schilder erfolgt ist, kann davon allerdings keine Rede sein. Entsprechende Berichte, nach denen Tische durch dezentes Verrücken in Raucher- beziehungsweise Nichtrauchertische verwandelt werden, sind bekannt, jedoch fehlt zu einer klaren baulichen Trennung, wie so oft, das Geld. Zumindest soll eine Verbesserung des Lüftungssystems, wie im Marstall-Café bereits geschehen, in absehbarer Zeit durchgeführt werden. Vehementen Verfechtern eines absoluten Rauchverbots wird dies nicht reichen.

Alle anderen werden sich mit den Bedingungen zufrieden geben müssen, denen sie im Alltag jenseits des Campus regelmäßig begegnen. Denn die komplette Verbannung des Rauchs aus der Uni scheint, wenn auch ehrenwert, doch utopisch, solange man in einem offenbar raucherfreundlichen Deutschland lebt, das europäischen Standards beim Nichtraucherschutz meilenweit hinterherhinkt.

(agr)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 106