StudiVZ-Gründer steinreich

Holtzbrinck zahlt 85 Millionen für Online-Plattform

Ein kurzer Blick auf die Monitore in der Bibliothek genügt. Mindestens auf einem erkennt man das blau-rote Design des StudiVZ. Der Erfolg der Studentenplattform hält weiter an. Allein an der Uni Heidelberg sind laut Thilo Bonow, Pressereferent des StudiVZ, 18 350 Studenten als Benutzer verzeichnet.

Zwar ging ein Raunen durch die Medienlandschaft, als das VZ Anfang des Jahres für rund 85 Millionen Euro an die Holtzbrinck GmbH verkauft wurde, Aufschreie oder Massenaustritte blieben aber aus. Laut Presseerklärung wird sich mit dem Verkauf für die Nutzer nichts ändern.

Persönliche Daten sollen weiter vertraulich behandelt werden. Der Verkauf kommt nicht überraschend: Schon bei Gründung des StudiVZ erfolgte eine finan­zielle Förderung durch Holtzbrinck. Die neuen Eigentümer waren also schon am Aufbau der Plattform beteiligt. Neu ist das Geschäft mit Online Communities für Holtzbrinck Networks ebenfalls nicht: Neben dem VZ ist die Gruppe auch an Plattformen wie e-fellows.de oder buecher.de beteiligt.

Problematischer erscheinen die Sicherheitsmängel des StudiVZ. Das jüngste Beispiel ereignete sich nach einem Interview des manager-magazins mit dem Holzbrinck-Geschäftsführer Konstantin Urban. Darin behauptete dieser, dass ein Hack-Angriff des Chaos Computer Clubs (CCC) auf das StudiVZ erfolgreich abgewehrt wurde. Nur einen Tag später legte ein Hacker prompt den Blog des StudiVZ lahm – offenbar als direkte Reaktion auf das als provozierend empfundene Interview. Der Hacker hinterließ die Botschaft, dass die neuen „offiziellen Eigentümer eurer Daten“ genau so wenig von Sicherheit verständen wie „die Simulanten, denen sowieso schon zu viele Daten anvertraut“ worden seien.

Der Sprecher des CCC Frank Rosengart bestritt auf Anfrage des Nachrichtentickers heise online direkte Verstrickungen, schloss sich aber der Kritik des Hackers an. Laut Rosengart sei der Club nicht besonders überrascht über die Sicherheitslücken des StudiVZ. Holtzbrinck Networks seien gut beraten, sich bezüglich ihrer Systemsicherheit vorsichtiger zu äußern.

Das Problem scheint noch nicht endgültig gelöst. Aktuell findet man statt des als „Salon“ betitelten Blogs des StudiVZ lediglich T-Shirts mit „Gruschel mich“-Aufdruck.

(jsb)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 106