Zwischen Flaschen und Büchern

Ein blaues Fahrrad, mit Flaschen und unzähligen Plastiktüten bepackt. Das fällt einem zuerst ins Auge, wenn man Peter auf dem Uniplatz begegnet. „Flaschenpeter“ wird er von einigen genannt, weil er augenscheinlich einen Teil seines Einkommens mit dem Sammeln von Pfandflaschen verdient. Doch hinter dem weißen Rauschebart und der abgetragenen Kleidung steckt eine gebildete Persönlichkeit, die ein ereignisreiches Leben hinter sich hat.

Peter wurde 1941 in Speyer geboren. Nach seiner Lehre zum Maschinenschlosser verspürte er den Drang, die Welt kennenzulernen. Er ging nach Südafrika, um für ein Unternehmen für Bergwerksausrüstung zu arbeiten. Zu den 200 meist dunkelhäutigen Arbeitern, die unter seiner Leitung arbeiteten, pflegte er trotz des Apartheidsregimes ein freundschaftliches Verhältnis.

Nach zwei Jahren entschloss er sich dazu, den restlichen Kontinent zu bereisen, und heuerte auf einem Containerschiff nach Sri Lanka an. Dort lebte Peter zwei Jahre in einem buddhistischen Kloster, um mit täglichen Yoga-Übungen am Strand sein inneres Gleichgewicht zu finden. Zudem konnte er in der gut ausgestatteten Klosterbibliothek seinen intellektuellen Durst löschen und viel über süd- und ostasiatische Philosophie lernen.

Sein nächstes Ziel war China. Während seiner Reise hatte Peter eine inspirierende Begegnung mit dem höchsten buddhistischen Zen-Meister, woraufhin er den Entschluss fasste, sein Wissen über die Völker Ostasiens durch ein Sinologie-Studium zu vertiefen. So kehrte er – nach einem Umweg über Hawaii und die USA – in die Kurpfalz zurück.

An der Ruprecht-Karls-Universität schloss der Weltenbummler sein Sinologiestudium ab – und eignete sich nebenbei die japanische Sprache an. Direkt nach seinem Studium, so berichtet Peter stolz, erhielt er ein DAAD-Stipendium für einen Forschungsauftrag in Japan. Später reiste er nach Indien, wo er sich innerhalb von nur eineinhalb Jahren mehrere einheimische Dialekte aneignete.

Doch immer wieder zog es Peter zurück nach Deutschland. Inzwischen war er 45 Jahre alt und trotz seiner Berufserfahrung nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln, wie ihm das Arbeitsamt mitteilte. So musste er sich „gezwungenermaßen“ intellektuell weiterbilden: Peter machte das Hebraikum und studiert bis zum heutigen Tag an der Heidelberger Universität Philosophie. Doch auch in anderen Vorlesungen kann man ihn finden – denn noch heute besitzt er den Drang, sein breitgefächertes Wissen auszubauen.

Trotzdem lehnte Peter vor vier Jahren eine Doktorandenstelle ab, weil es seiner Meinung nach in diesem Alter keinen großen Sinn mehr ergebe, eine Doktorarbeit zu verfassen.

(mba)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 106