Konsum, aber mit Verantwortung

Mit der Attac-Hochschulgruppe globalisierungskritisch durch die Stadt

„Gehen wir erst mal dreißig Sekunden hinein, riechen, und hören, was da so vor sich geht.“ Dominik Müller führt etwa zwanzig Leute in den McDonald’s am Bismarckplatz. Es ist die erste Station auf dem „Globalisierungskritischen Stadtrundgang“ von attac. Den gibt es in Deutschland seit etwa drei Jahren. Ursprünglich sei er in erster Linie an Schüler der Oberstufe gerichtet gewesen.

„Unser primäres Ziel ist politische Bildung“, sagt Stephanie Till vom Weltladen, der den Rundgang zusammen mit der attac-Hochschulgruppe organisiert. Draußen referiert Müller über die Umstände, unter denen McDonald’s sein Fleisch bezieht, dass beispielsweise für die Viehzucht in Argentinien Regenwälder gerodet werden.

Aus dem Vortrag entwickelt sich eine rege Diskussion mit den Teilnehmern, die leider ein wenig im Feierabendverkehr untergeht. Das Publikum ist besser vorbereitet und kritischer als erwartet.

Am Ende muss der 24-jährige Psychologiestudent den US-Konzern sogar verteidigen: „Er nimmt Rücksicht auf lokale kulturelle Begebenheiten.“ Worauf entgegnet wird, das mache er auch nur, um seinen Profit zu maximieren. Die Tour geht weiter durch die Hauptstraße Richtung Uniplatz. An symbolischen Orten entlang der Hauptstraße werden Auswirkungen der Globalisierung erläutert, die „in der Werbung nicht auftauchen, aber überall nachzulesen sind, wenn man nur will“, so Müller.

Die Folgen der Privatisierung des Wassers an einem kleinen Brunnen, vor einem Handygeschäft die Verlängerung des Bürgerkriegs im Kongo durch westliche Konzerne, die dort den für Handys verwendeten Rohstoff Coltan abbauen. Schließlich am Uniplatz die Privatisierung der Bildung. Wer allerdings befürchtet hat, hier Tiraden gegen böse Kapitalisten und Imperialisten um die Ohren gehauen zu bekommen, wird positiv überrascht:

„So etwas wäre vor dreißig Jahren gefallen, heute nicht mehr“, meint Ajit Thamboraj. Der Politik- und VWL-Student hat die Station mit der Wasserprivatisierung übernommen. Auch Oliver, einer der Teilnehmer, findet, alle seien „erstaunlich offen“.

Es sei nicht der Sinn des Rundgangs, zu Fundamentalopposition aufzurufen. „Wir wollen lediglich Alternativen aufzeigen, aber niemandem sagen, wo er kaufen soll und wo nicht. Ich hab ja auch ein Handy“, sagt Alexandra Bogensperger, die über den Rohstoff für die Mobiltelefone referiert hat. Entsprechend pragmatisch sind auch die meisten Lösungsvorschläge der Referenten. Oder soll man etwa Handys boykottieren? „Das ist wohl kaum zu machen“, sagt Bogensperger nüchtern.

Die letzte Station auf dem etwa zweistündigen Rundgang ist der Weltladen in der Heugasse. Während Gratis-Schokolade herumgereicht wird, erzählt Stephanie Till, worin die „Alternativen“ liegen könnten, nämlich im „Fairen Handel“, den der Weltladen zufällig praktiziert.

Ist der Rundgang etwa nur ein geschickter Marketingtrick? Till sieht es gelassen: „Ich würde mich freuen, wenn mehr Leute hier einkaufen würden.“ Es habe aber nichts mit Marketing zu tun, „sonst würden wir die Produktalternativen des Weltladens aufzeigen.“ Müller pflichtet bei: „Unsere Intention ist es nicht, ein schlechtes Gewissen auszulösen, sondern Alternativen aufzuzeigen.“

Zum Abschluss sitzen alle, Referenten und Teilnehmer, bei Kaffee und Tee im Weltladen, um endlich die Diskussion zu führen, die der Heidelberger Lärm zuvor kaputt gemacht hat.

(mbe)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 106