Bombenstimmung hier!

„Streetwars 2007“ in Heidelberg

Vermummte Gestalten mit Hut und Sonnenbrille, die lautlos über den Uniplatz schleichen; ihr Opfer fest im Blick, den Finger am Abzug. Ein Albtraum? Eher bald normaler Unialltag – wenn auch nur im Spiel.

„Streetwars“, das Räuber- und Gendarmspiel für Erwachsene, soll diesen Mai auch in Heidelberg Einzug halten. Drei Wochen lang heißt es dann für die Teilnehmer: Töte deine Mitspieler, bevor du getötet wirst. Es gilt, die zugeteilten Opfer zu observieren, ihnen aufzulauern und sie mit Wasserpistolen zu „ermorden“; am Ende siegt der letzte Überlebende.

Was für die einen wie ein großer Agenten-Spaß anmutet, weckt bei anderen weniger harmlose Assoziationen. Die „Streetwars“ verherrlichen Gewalt, so der oft erhobene Vorwurf; wer im Spiel auf Menschen schieße, schrecke bald auch im richtigen Leben vor Waffengebrauch nicht zurück.

Die Diskussion wird ähnlich verbissen geführt wie jene um die brutalisierende Wirkung von Ego-Shootern. Das für Januar angesetzte „Streetwars-Cologne“ wurde nach dem Amoklauf in Emsdetten auf öffentlichen Druck von den Veranstaltern abgesagt.

Alles Überreaktionen, findet Jan Hartmann, Besitzer von „Fun Fiction“ und Veranstalter der Heidelberger Wasserschlacht: „Dann ist auch Räuber- und Gendarm gewaltverherrlichend.“ Es gebe keine rechtliche Handhabe, um das Spiel zu verbieten; schließlich werde nur auf Teilnehmer geschossen, und auch die Spritzpistolen dürften laut Regeln nicht mit echten Waffen zu verwechseln sein. Eine normale Freizeitbeschäftigung, so Hartmann, bei der neben dem Spaß auch die Warnung vor dem Überwachungsstaat im Vordergrund stehe: „Wir zeigen, wie es ist, wenn man 24 Stunden am Tag verfolgt und überwacht wird.“ Paranoia inklusive.

(lgr)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 106