Meinung zu „Streetwars 2007“

von Lisa Grüterich

Man könnte ja meinen, die Leute hätten nichts Besseres zu tun. Auf der einen Seite die ewigen Kinder, die über Tage und Wochen hinweg mit geladenen Wasserspritzen in der Handtasche durch die Stadt stacksen und stundenlang potentielle Nassmach-Opfer ausspionieren. Nur, um ihren ollen Jugendtraum vom 007-Dasein vorübergehend reaktivieren und ausleben zu können und sich dem (durchaus fragwürdigen) Nervenkitzel des permanenten Verfolgungswahns hinzugeben.

Das alles mag auch in der Tat ganz lustig sein: Allein die Vorstellung, wie sich zum kommenden Semester die Möchtegern-Bonds gegenseitig über den Uniplatz verfolgen, Wasserbomben-Attacken aus den Fenstern der Triplex starten und sich unter Hommis Fenster einen nassen Showdown à la Wilder Westen leisten... zugegeben, ein kindischer Spaß.

Auf der anderen Seite sind da aber noch die Kritiker des ganzen H2O-Spektakels, für die die Spritzspiel-Teilnehmer die Massenmörder oder Auftragskiller von morgen sind: Counter-Strike – Streetwars – Amoklauf, so die angebliche Kausalkette.

Abgesehen davon, dass sich bei einer Teilnehmerzahl von mittlerweile mehreren hundert Spielern pro Veranstaltung wohl kaum eine rechte Korrelation zur Massaker-Rate feststellen lassen wird: Greift jeder Raucher in absehbarer Zeit zur Heroinnadel? Steigt jeder Playboy-Leser unbescholtenen Mädels auf der Straße hinterher? Und wenn es tatsächlich mal vorkommt: Kann man dann den Playboy dafür verantwortlich machen? Inwiefern Sexheftchen und Ballerspiele moralisch zu legitimieren sind, das sollte im Endeffekt jeder mit seinem eigenen Gewissen ausmachen.

Ob sie jedoch in dem Ausmaß verwerflich sind, dass man sie auch gesetzlich verbieten muss, dürfte aller Sorgen um die Gesellschaft zum Trotz fraglich sein. Vielleicht sollte man sich vielmehr fragen, wo eigentlich das allgemeine Vertrauen in den gesunden Menschenverstand geblieben ist.


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 106