Paris, je t‘aime

4 von 4 rupis - voll gelungen

Es geschieht selten, dass es einem Film gelingt, den Zuschauer so zu verzaubern und in seinem Innersten zu berühren, dass beim Hinaustreten aus dem heimeligen Dunkel des Kinosaals die Wirklichkeit wie ein kalter Eimer Wasser am Morgen wirkt. Umso wohltuender ist es daher, dass dies von „Paris je t’aime“ zu Recht behauptet werden darf.

Man nehme 21 Regisseure (unter anderem Wes Craven, Tom Tywker, Gérard Depardieu), gestehe ihnen je fünf Minuten für einen Kurzfilm zu und stelle ihnen nur zwei Bedingungen, den Schauplatz, Paris, und das Thema, die Liebe: So lautet das ebenso einfache wie geniale Rezept für diesen filmischen Leckerbissen.

Heraus kommen dabei 18 „petits romances du quartier“, kleine mal mehr, mal weniger romantische Begegnungen in den verschieden Vierteln von Paris, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Liebe in all ihren unendlichen Gestalten – ob schüchtern oder obszön, ob hoffend oder ernüchtert, ob heiter-beschwingt oder trauernd – durchzieht als zarter roter Faden die Episoden, dabei scheint die stillistische Vielfalt und Leichtigkeit unbegrenzt.

Paris begnügt sich hierbei jedoch nicht mit seiner Rolle als nett anzuschauende Kulisse, vielmehr wird es Teil der Handlung, gleichsam ein zusätzlicher Protagonist. Die Ambivalenz der Realität zwischen brennenden Vorstädten und der „Stadt der Liebe“ schwingt auch in „Paris je t’aime“ in leisen Tönen mit. Dennoch bleibt immer eine unbestimmte Hoffnung von der Kraft menschlicher Wärme zurück.

Und wenn es am Ende die Stadt selbst ist, die Liebe schenkt, so wie es die unbedarfte amerikanische Touristin erfährt: „In diesem Moment spürte ich, dass ich Paris liebte – und Paris liebte mich.“

(agr)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 106