Neues vom Schizo-Türken

Comedian Bülent Ceylan spricht über seinen Erfolg

Der 31-jährige Ceylan ist waschechter Mannheimer. In seinen Programmen macht er sich vor allem über die Eigenarten von Deutsch-Türken und Mannheimern lustig. 2002 wurde er mit dem Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet.


Wann hast Du mit Comedy angefangen?

Als Kind habe ich vor meiner Mutter den Clown gemacht, aber in der Schule war ich eher schüchtern und zurückhaltend. Erst in der elften Klasse begann ich, auf dem Schulfest Boris Becker zu imitieren. Beim Abi-Ball habe ich dann Stimmen imitiert und jeder hat zu mir gesagt: „Du musst was machen, ans Theater oder so.“


Deine Mutter ist Deutsche...

Jaja, meine Mutter hat sich durchgesetzt. Sie ist streng katholisch.


Woher kommt dein Vater?

Aus einem Dorf in der Mitteltürkei. Ich war schon mal dort, habe meine Familie besucht und es war super; sehr emotional.


Fühlst Du dich eher als Deutscher oder als Türke?

Ich fühle mich sowohl als auch. Die türkischen Zuschauer sehen in mir eher den Türken, die Deutschen aber auch, weil ich so aussehe. Ich bin froh, dass ich beiden Kulturen angehöre, dadurch kann ich auch beide Mentalitäten besser verstehen. Aber wenn jemand etwas gegen Türken sagt, dann fühle ich mich auch angegriffen. Wenn du anders bist, egal ob Ausländer, Behinderter und so weiter, wirst du anders angeschaut, und das ist das Schlimme.

Deshalb sage ich den Leuten auch, sie sollen direkt aufeinander zugehen. Was ich in meinem Programm mache ist ja das beste Beispiel, da ich beide Seiten auf den Arm nehme.


Dein Vater ist gläubiger Muslem, deine Mutter strenge Katholikin. Was bist Du?

Ich habe keine Religion. Ich glaube an Gott, aber gehöre keiner Religion an. Das haben meine Eltern mir freigestellt.


Wer hat dich besonders beeinflusst?

Meine Eltern wissen auch nicht, woher ich das habe. Ich bin halt so geboren. Ich bin, wie sagt man, der „Schizo-Türk“, und das ist meine Krankheit. Ich sage auch auf der Bühne, ich habe meine Tabletten nicht genommen (lacht).


Beobachtest Du Leute bewusst bei der Suche nach neuen Ideen?

Ja, mach ich. Ich beobachte jeden, besonders Menschen, die auf ihre Weise extrem sind. Mir bringt es nichts, wenn ich einen Professor beobachte, der ganz normal Hochdeutsch spricht. Sondern mir gefällt zum Beispiel der Mannheimer Dialekt sehr gut, weil er so witzig und blöd ist. Einfach symphatisch.


Ist der Titel deines neuen Programms „Halb getürkt“ autobiografisch?

Absolut. Da es den Begrifft „gedeutscht“ nicht gibt, heißt es eben „Halb getürkt“.


Wo genau ist eigentlich deine Grenze des guten Geschmacks?

Ich mache mich nicht über Krankheiten lustig, wobei einige schon gesagt haben, ich würde mich über die Tourette-Krankheit lustig machen. Aber das sind die Figuren die aus mir heraus springen, und die meisten sehen das auch so.

Der Bülent ist halt ein Schizo-Türk mit multipler Persönlichkeit. Ich mache Witze über Menschen, die ich kenne, will mich selbst nicht so ernst nehmen und versuche zu zeigen, dass alle gleich sind.

(mba)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 106