Mörder an der PH: Der Krimiautor Carlo Schäfer

Der Täter kommt immer an den Tatort zurück. Das ist sowas Psychologisches: Schauen, wie die Welt sich dreht, nachdem man sie mit Macht aus den Fugen geschlagen hat. Die Welt an der Pädagogischen Hochschule (PH) ist noch heil. Noch – denn der Täter hat sich längst eingeschlichen. Carlo Schäfer: zuerst provoziert er Mord und Zwietracht unter den Pädagogen, dann wird er selbst einer von ihnen.

Naja, das mit dem Mord und der Zwietracht ist natürlich nur erfunden. Schäfer, Heidelberger, bekennender Altstädter und Autor macht nicht gerade den Eindruck, als könne er außerhalb zweier Buchdeckel einer Fliege etwas zu Leide tun. Schließlich ist er auch Pädagoge. Und weil Schäfer gerne über Orte schreibt, an denen er sich auskennt, spielt seine erste Mordgeschichte dort, wo er studiert hat: an der PH. Veröffentlicht ist die Geschichte unterdessen noch nicht – „was auch nicht mehr geht“, sagt Schäfer.

Zwischenzeitlich hat der 39-jährige seinen Beruf als Hauptschullehrer aufgegeben und gegen einen Dozentenjob an eben jener Institution getauscht, der er einst einen Mord ans Bein geschrieben hatte.

Wenn auch unveröffentlicht, hat ihm dieser Pädagogen-Komplott die Tür geöffnet. Seine Romanvorlage wurde im Rowohlt-Verlag, wo 5000 Manuskripte im Jahr unverlangt eingereicht werden, „klassisch aus dem Stapel gezogen“. Schäfers Vorlage wurde zwar nicht für gut befunden. Doch sein Talent wurde erkannt, weshalb er 2000 den Auftrag für seinen ersten „richtigen“ Roman erhielt.

Seither schreibt der Heidelberger Krimis, die in Heidelberg spielen. „Im falschen Licht“ hieß der Erstling. Jetzt hat Schäfer mit „Der Keltenkreis“ nachgelegt. Und am dritten Heidelberg-Krimi bastelt er bereits. 300 Seiten sollen bis März 2004 beim Lektor liegen – „etwa 30 hab’ ich schon“, erzählt er. „Das wird knapp.“ Sehr wahrscheinlich, dass Schäfer dann, wie bei seinen ersten beiden Romanen auch, in Nachtschichten die Ermittlungen des Hauptkommissar Theuer vorantreiben muss.

Theuer ist ein grüblerischer Sonderling und Schäfers Protagonist. „Eine Mischung“, beschreibt er, „aus Simenons Maigret und Chandlers Marlow“. Ein Charakter also, der seine Qualitäten erst zeigt, wenn im Heidelberger Bahnhofsviertel ein Mann auf offener Straße erschossen, oder wenn am Aschermittwoch eine Leiche aus dem Neckar gezogen wird. Wenige Seiten braucht Schäfer, um das sonst doch eher beschauliche Heidelberg als Tatort kapitaler Verbrechen zu etablieren. Dass Schäfer die Neckarperle eigentlich langweilig findet und sich darum seinen Wohnort spannend schreibt, dem widerspricht er vehement. Statisten seines Debüts scheinen das anders zu sehen. Gerade als die Wasserleiche auf die Neckarwiese gezerrt wird, schreibt Schäfer: „Auf der Brücke standen Schaulustige, gerade dass sie nicht applaudierten, weil endlich mal was los war.“

Es sind nicht die internationalen Kriminalfälle, die Schäfer in Heidelberg spielen lässt. „Der Schauplatz beeinflusst die Handlung“, ist er überzeugt. Weshalb er beispielsweise auch Henning Mankells „Wallander-Romanen“ wenig abgewinnen kann. „Immer wenn es Herbst wird, kommt der Nebel und kommt die Mafia über die schwedische Provinz“, kritisiert er. So soll es dem Heidelberger einmal nicht gehen. Schon jetzt nerve ihn, immer nur auf den Regionalbezug seiner Romane angesprochen zu werden. Daher weiß er, dass er Theuer nach seinem fünften Fall in Ruhestand schicken wird. „Ich will schließlich nicht in der Schublade ‚Heidelberger Krimiautor’ enden.“

(wen)    


Inhaltsverzeichnis Ausgabe 86