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 Wissenschaft
30.05.2009

Streit um Open Access

Zwischen Illegalität und Notwehr

Mit seinem "Heidelberger Appell für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte" hat der Heidelberger Germanistik-Professor Roland Reuß in ein Wespennest gestochen und eine Grundsatzdebatte entfacht.

Mit seinem "Heidelberger Appell für Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte" hat der Heidelberger Germanistik-Professor Roland Reuß in ein Wespennest gestochen und eine Grundsatzdebatte entfacht.

In dem Appell spricht er sich für die Freiheit für Forschung und Lehre aus und ruft die Bundesregierung auf, das Urheberrecht zu verteidigen, das durch massives Scannen wissenschaftlicher Publikationen durch Google bedroht werde. Viele prominente Autoren und Verleger haben unterzeichnet, so etwa Daniel Kehlmann, Günter Grass und Herausgeber-ZEIT Michael Naumann.

Was harmlos klingt, empört derzeit die meisten Wissenschaftler. Denn Reuß wendet sich nicht nur gegen Google, sondern auch gegen die "Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen", der alle großen Geldgeber der Forschung, wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) angehören. Ihm zufolge zwinge die Allianz Forscher zur Publikation im Internet, indem sie Projekte angeblich nur dann finanzieren, wenn die Ergebnisse online veröffentlicht werden. In dieser Praxis sieht Reuß eine Gefahr für das herkömmliche Verlagswesen: "Wer würde noch einen Text drucken wollen, den es bereits frei im Internet gibt?", fragt sich Reuß. Zwar befürworten Wissenschaftsorganisationen tatsächlich die kostenlose Online-Publikation von Fachtexte, jedoch leiden nicht alle Forscher unter der als Open Access bekannten Praxis. Von der schnelleren und aktuelleren Kommunikation im Netz profitieren zumindest Naturwissenschaftler, deren Ergebnisse international relevant sind.

Für Reuß ist die freie Online-Publikation schlicht rechtswidrig. Er verweist auf Paragraf 12, Absatz 1 des Urhebergesetzes: "Der Urheber hat das Recht zu bestimmen, ob und wie sein Werk zu veröffentlichen ist." Im Gespräch mit dem ruprecht stellt Reuß klar, wie er sich verhalten würde: "Wenn die Forderung, online zu publizieren, an mich gestellt werden würde, würde ich einen Rechtsanwalt holen." Die Open-Access-Politik ist ihm zufolge nichts anderes als ein von Technokraten angetriebenes Programm das deutsche Verlagswesen zu zerschlagen.

Die Wissenschaftsorganisationen sehen das anders und haben im April über ihr Aktionsbündnis "Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" dazu Stellung bezogen: Open Access sei "aus der Not geboren" und richte sich in erster Linie gegen die Kostenexplosion bei den großen Verlagskonzernen, beispielsweise dem Springer-Verlag Heidelberg, erklärt Bündnissprecher Harald Müller. Sowohl die Autoren als auch die Bibliotheken mussten in den letzten Jahren immer horrendere Preise bezahlen, um Einblick in die Forschung zu bekommen. Daher tritt das Aktionsbündnis für eine Änderung des Urheberrechts ein: Künftig sollen die Nutzungsrechte, die bisher meist bei den Verlagen blieben, nach sechs Monaten an den Autor zurückfallen, schlägt Müller vor. So könnte jeder Forscher seinen Text ein zweites Mal publizieren - zum Beispiel online.

Müller räumt jedoch ein, dass die DFG und Max-Planck-Gesellschaft „einen gewissen Druck“ auf die Forscher ausüben, das digitale Publikationsmodell der gedruckten Veröffentlichung vorzuziehen. Um die Verlage tut es Müller jedenfalls nicht leid: "Wenn sich klassische Verlagsmodelle als überholt erweisen, muss man sie nicht künstlich am Leben erhalten."



Open Access bedeutet kostenfreier Online-Zugriff auf Fachtexte. Die Preise für Fachzeitschriften sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Immer mehr Bibliotheken sehen sich gezwungen, ein Abo nach dem anderen zu kündigen und begrüßen daher den freien Zugriff auf Fachtexte. So hat auch die UB Heidelberg mit dem Server HeiDOK eine eigene Open-Access-Plattform. Die deutschen Wissenschaftsorganisationen wie die DFG wollen mit Hilfe von Open Access die überzogene Preispolitik international agierender Verlagskonzerne stoppen. Auch sollen die Autoren die Rechte an ihren Texten nicht mehr an die Verlage abtreten müssen. Kritiker sehen allerdings die Autorenrechte und das Verlagswesen durch Open Access gefährdet.

von Cosima Stawenow
   

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