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 Feuilleton
09.01.2011

In Vergessenheit

„Wer sind Sie“ im Zimmertheater überzeugt

Regisseur Michel Lengliney inszeniert mit seinem Stück „Wer sind Sie“ im Heidelberger Zimmertheater eine ernste und zugleich ironisch-witzige Geschichte über Demenz, Alzheimer und Depressionen.

Regisseur Michel Lengliney inszeniert mit seinem Stück „Wer sind Sie“ im Heidelberger Zimmertheater eine ernste und zugleich ironisch-witzige Geschichte über Demenz, Alzheimer und Depressionen.

„Welchen Tag haben wir heute?“ Diese Frage stellt die Mutter, gespielt von Dinah Hinz, immer wieder ihren beiden Kindern, die ihr unermüdlich die gleiche Antwort geben: „Dienstag, Juli.“ Im ersten Moment verwirrt es, dass die Mutter mitten im Hochsommer ihren Pelzmantel anzieht, bevor sie zu ihrem Arzt-Termin aufbricht. Dann wird klar: Der Termin ist bei einem Neurologen, der prüft, ob ihre Alzheimererkrankung weiter fortschreitet.

Ein wenig zu glaubwürdig spielt Hinz die erkrankte Mutter: Sie vergisst ein oder zwei mal ihren Text, woraufhin die etwas überambitionierte Souffleuse in der ersten Reihe ihn ihr vorsagt. Nur höre ich das selbst in der vorletzten Reihe recht deutlich. Hinz überspielt diese kleinen Fehler – wenn sie denn welche sind – geschickt mit ihrer charismatisch-fesselnden Art, die ihre Kollegen im Vergleich zu ihr schwach aussehen lässt.

„Wer sind Sie?“ scheint sehr ernst und depressiv: Die demente Witwe verweigert ihrer perfektionistischen Tochter jegliche Zuneigung. Ihren Sohn hingegen erdrückt sie fast mit ihrer Liebe. Der ist jedoch ein sich vor jeder Verantwortung drückender, arbeitsloser Pianist, der beim Pokern sein letztes Hab und Gut aufs Spiel setzt.

Regisseur Michel Lengliney, der auch das Drehbuch zum Films „Voyage à Rome“ schrieb, lässt durch viel Ironie und ein Happy End die Tragik des Stücks vergessen. Am Ende verlässt man mit einem Lächeln auf den Lippen die gemütliche Atmosphäre des Zimmertheaters.

von Dilara Acik
   

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