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 Heidelberg
12.07.2011

„Ich bin ein verkappter Rockstar“

Heidelbergs Beauftragter fĂĽr Kultur- und Kreativwirtschaft ĂĽber seine Arbeit

Frank Zumbruch

Frank Zumbruch steckt in einem Dilemma. Keiner scheint genau zu wissen, was eigentlich seine Aufgabe ist. Nicht einmal der Gemeinderat selbst, der seine Stelle letztes Jahr im Oktober geschaffen hat. Sein Aufgabengebiet ist schwer zu fassen: Frank Zumbruch ist ein Vermittler, eine Schnittstelle, ein Ansprechpartner fĂĽr Kulturschaffende in Heidelberg.

Frank Zumbruch betreibt explizit keine klassische Kulturförderung, bei der Fördergelder verteilt werden, weil Kultur auch einen Bildungsauftrag erfüllt. Das wird oft verwechselt. Zumbruch selbst beschreibt sein Aufgabengebiet so: „Ich arbeite daran, dass Kulturschaffende, also produzierende Wirtschaftstreibende, genau wie andere auch, gute Arbeitsbedingungen haben. Kreativität selbst kann man nicht fördern, aber die Umstände, die dazu führen, kann man verbessern.“

Eine Stadt wie Heidelberg, die wenig Industrie vorzuweisen hat, aber mit der Kreativwirtschaft einen jährlichen Umsatz von fast 600 Millionen Euro macht, sollte an dieser Sparte Interesse haben. Das entspricht immerhin 5,2 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Umsatzes in Heidelberg. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei nur 3,1 Prozent. Der Begriff Kreativwirtschaft umfasst dabei den Architektur-, Buch-, Presse- und Kunstmarkt sowie die Musik-, Film-, Design-, Rundfunk- und Werbewirtschaft und die Software beziehungsweise Games-Industrie.
„Ich bin ein verkappter Rockstar, ein Kreativer.“ Frank Zumbruch sitzt vor der Maxbar, jener Kneipe, von der der Merian sagt, hier träfen sich nur die Einheimischen. Ein kühles Radler steht vor ihm, er atmet tief ein, saugt die abendliche Atmosphäre auf dem Marktplatz in sich auf. „Heidelberg! Meine Stadt! Hier muss es weitergehen. Hier müssen wir etwas tun. Sonst gehen die Kreativen doch alle nach Berlin. Dann kann man nichts mehr bewegen.“
Frank Zumbruch kennt sich aus in der Heidelberger kreativen Szene. Er gehörte selbst lange Zeit dazu. „Damals haben wir uns ausprobiert, immer was Neues auf die Beine gestellt. Und Unterstützung von der Stadt haben wir uns gewünscht. Einen Ansprechpartner eben.“

Vor zehn Jahren gründete er ein Netzwerk für Kommunikation in der Rhein-Neckar-Region: „komplizen.com“. Als die Plattform vom Wirtschaftsministerium ausgezeichnet wurde und Zumbruch bei einer Podiumsdiskussion in Zürich einen Vortrag über Kreativität hielt, änderte sich vieles. „Was mich damals wirklich beeindruckte war, dass die Stadt Zürich es geschafft hatte, sich den Ruf einer kreativen Metropole zu erarbeiten. Wie hatten die das gemacht? Das hat mein Interesse geweckt. Ich habe mir Literatur zum Thema besorgt und meine ehrenamtlichen Tätigkeiten in Heidelberg ausgeweitet, einfach immer mehr gemacht.“

Den Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner kannte er schon lange. Durch Zumbruchs zahlreiche ehrenamtliche Tätigkeiten hatten sie Kontakt bekommen. Auch Wahlkampf hatten sie zusammen gemacht – Zumbruch hatte Würzner beraten und unterstützt. Auf einer Oldtimerrallye „noch so ein bescheuertes Hobby von mir“ sprach der Oberbürgermeister ihn an: „Du, ich muss in dem Bereich Kreativwirtschaft jetzt unbedingt mal was tun. Kennst du jemanden, der das machen könnte?“ Zumbruch grübelte. „Ja, ein oder zwei Namen kann ich dir da schon nennen.“ Dann schauten sich beide an. „Er grinste, ich grinste, und es war klar, dass ich den Job hatte, dass er mich gemeint hatte.“

Dass der Oberbürgermeister damit einen regelrechten Eklat auslösen würde, vermutete damals keiner von beiden. Zumbruch war eingestellt worden, ohne dass er dem Gemeinderat offiziell vorgestellt wurde. Einige Gemeinderatsmitglieder erfuhren erst aus der Zeitung, dass die Stelle besetzt war. Das wurde ihm zum Verhängnis. Ein Streit wird seither auf seinem Rücken ausgetragen, den er so nicht zu verantworten hat.
Einhunderttausend Euro kostet die Stelle die Stadt Heidelberg im Jahr. Das betont besonders die SPD, die im Gemeinderat des parteilosen, aber CDU-nahen Bürgermeisters die Funktion der Opposition einnimmt, immer wieder gern. Sie würde das Geld „lieber direkt in die Kultur stecken und diese damit fördern, als es an eine Stelle zu verschwenden, die keiner braucht“.

Würzner und seine Anhänger hingegen sehen die Vernetzung der kreativen Szene untereinander als wichtigste Maßnahme, um sie voranzutreiben. Und diese Aufgabe, da ist man sich einig, kann keiner besser erfüllen als Frank Zumbruch, der nicht nur selbst aus der Szene stammt, sondern der sich im Laufe der Jahre auch ein immenses Netzwerk aufgebaut hat. Dafür arbeitet er hart. „Ich mache das aus Leidenschaft“, sagt er.

Für seine bisher realisierten Projekte und den Aufbau einer Internetplattform für Kulturschaffende in Heidelberg hat Zumbruch ausschließlich selbst akquirierte Spendengelder ausgegeben. Bislang über 63.000 Euro. Doch irgendwann einmal, das ist auch ihm bewusst, wird er die Fördermittel nicht mehr aufbringen können. Dann müssen Anträge geschrieben, Finanzpläne aufgestellt und Zielsetzungen vorgetragen werden. Und dann wird der Gemeinderat darüber entscheiden müssen, ob die Projekte realisiert werden – oder eben nicht.

von Christine Buch
   

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