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 Feuilleton
16.11.2011

Wie Essen einfacher wurde

Mannheimer Ausstellung erklÀrt Industrialisierung von Nahrungsmitteln

Fertigprodukte sind heutzutage keine Besonderheit mehr. Foto: Hans-Jörg Walter

Fertigprodukte werden in der heutigen Gesellschaft oft fĂŒr selbstverstĂ€ndlich gehalten. Doch wie kommen wir dazu, eine TĂŒtensuppe dem selbstgemachten Produkt vorzuziehen? Die neue Sonderausstellung des Technoseums in Mannheim versucht, solche Fragen zu beantworten.

FrĂŒher war alles besser, das behaupten zumindest in Erinnerungen schwelgende Großeltern gerne. Doch war es das wirklich? Es kommt natĂŒrlich darauf an, wie man „frĂŒher“ definiert. Und auch, welchen Aspekt man betrachtet. FrĂŒher, erklĂ€rt Kai Budde und meint damit vor rund 150 Jahren, habe eine Hausfrau etwa neun Stunden pro Tag damit zugebracht, das Essen fĂŒr eine Familie zuzubereiten. Heutzutage seien es meist nur noch 30 Minuten bis maximal zwei Stunden.

Egal ob Nudeln mit Pesto oder TiefkĂŒhlpizza, als Student kennt man das nur zu gut: Wann hat man zwischen Hausarbeiten, Referaten und dem feierintensiven Wochenende denn noch Zeit, sich ernsthaft mit Einkaufen, geschweige denn Kochen zu beschĂ€ftigen? Neun Stunden kann und will heute niemand aufbringen fĂŒr eine Mahlzeit, die am Ende in zehn Minuten gegessen ist.

Da kommt es einem nur zugute, dass der Vorgang in unserer heutigen Gesellschaft so weit wie möglich vereinfacht wurde. Der Kochaufwand ist enorm geschrumpft. Und mit ihm oft auch das Wissen ĂŒber das, was man ĂŒberhaupt zu sich nimmt.

Die neue Ausstellung „Unser tĂ€glich Brot. Die Industrialisierung der ErnĂ€hrung“ des Technoseums in Mannheim soll einen Einblick geben in die Entwicklung unserer Essgewohnheiten ĂŒber den Zeitraum von etwa 140 Jahren. Dieser Startpunkt orientiert sich an der Erfindung der Konservendose. Die Industrialisierung der ErnĂ€hrung brachte nĂ€mlich vor allen Dingen eines hervor: „Convenience Food“, zu Deutsch: „bequemes Essen“. Damit betitelt sich, was man heutzutage in jedem noch so kleinen Supermarkt in der westlichen Welt finden kann. Denn „bequem“ ist nicht nur das vorgekochte TiefkĂŒhlmenĂŒ, sondern auch eine abgepackte Schale Tomaten oder geschnittenes Brot.

Jeder, der heutzutage im Supermarkt einkauft, wird mit solcher Ware konfrontiert und kauft diese in den meisten FĂ€llen auch. Hierbei ist oft unwichtig, ob man als Einzelperson die zwei Kilo Karotten tatsĂ€chlich aufbrauchen kann, denn schließlich waren die „im Angebot“. SupermĂ€rkte versuchen gerne, den Konsumenten Waren als Angebote zu verkaufen – fragwĂŒrdige Angebote.

Generell sind sie außerdem so strukturiert, dass es schwer ist, nicht in die Falle zu gehen. Genau dort setzt die Ausstellung an. Ein nachgestellter Supermarkt soll Einblick „hinter die Regale“ geben, wie Kai Budde erklĂ€rt. Und manche Überraschung erwartet einen in diesem Supermarkt. Die Tatsache zum Beispiel, dass in Deutschland, dem Land Europas mit den vielfĂ€ltigsten Brotsorten, der sonst so verrufene Toast das meist gekaufte Brot ist.

Solche Fakten gibt es in der Ausstellung viele. So steht im nÀchsten Raum ein Experimentiertisch, an dem zum Beispiel der Zuckergehalt in GetrÀnken gemessen werden kann.

Besonders wichtig ist den Ausstellern, möglichst wenig wertend an das Thema heranzutreten. Eine „nĂŒchterne Darstellung“ soll dem Besucher die Möglichkeit bieten, sich selbst eine Meinung zu bilden. DafĂŒr wurden jedoch viele Dinge außen vor gelassen.

Der Fokus der Ausstellung liegt vor allem auf Firmen wie Knorr oder Maggi, welche durch Erfindungen wie Fertigsuppen die Essgewohnheiten verÀndert haben.

Es wird deutlich, wie die ErnĂ€hrungssituation in Deutschland aussieht, und wie sie vor 100 Jahren aussah. Gleich zu Beginn der Ausstellung wird ein Ausschnitt aus dem Film „We Feed The World“ von Erwin Wagenhofer gezeigt, in dem tonnenweise Brot im MĂŒll landet. Diese Verschwendung wird jedoch nicht weiter thematisiert. Hinzu kommt, dass in der Ausstellung kaum darauf eingegangen wird, wie man den Überfluss in westlichen LĂ€ndern und den Mangel in DrittweltlĂ€ndern ausgleichen könnte.

Doch was am meisten auffÀllt, ist das Fehlen der Viehzucht. Eine so wichtige Industrie in einer Ausstellung, in der es um ErnÀhrung geht, wegzulassen, ist ein bewusster Schritt. Denn man kann Massentierhaltung kaum meinungsfrei begegnen.

Somit verlĂ€uft sich die Intention der Aussteller, dem Besucher möglichst nĂŒchtern historische Ereignisse und Tatsachen zu erklĂ€ren, im Sand. Wer nicht alle Tatsachen kennt, kann sich auch keine unverfĂ€lschte Meinung bilden.

Es bleibt dem Besucher der Ausstellung daher nichts weiter, als sich im Nachhinein mehr mit dem Thema zu beschĂ€ftigen. Allerdings ist dies nicht weiter schlimm. Schließlich kann es nie schaden, sich ernsthaft Gedanken ĂŒber das zu machen, was man jeden Tag zu sich nimmt.

von Anna WĂŒst
   

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