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 Interview
15.05.2012

Interaktives Kino mit Irie Révoltés

Die Heidelberger Band veröffentlicht ihre erste Live-DVD

(von links) Mal ÉlevĂ©, Carlito und Silence posieren kurz vor ihrem Konzert in der Halle02. / Foto: Anna WĂŒst

Im Dezember vergangenen Jahres zeichneten die Irie RĂ©voltĂ©s zwei Konzerte in Mannheim fĂŒr ihre am 18. Mai erscheinende DVD auf. Wir trafen Mal ÉlevĂ©, Carlito und Silence kurz vor der Release-Party in der Halle02 zum Interview.

Irie RĂ©voltĂ©s machen ihr Ding und lassen sich da auch nicht reinreden. Wer dachte, diese Band ist nichts weiter als eine Sunshine-Reggae-Band, irrt. Denn ihre ersten Konzerte gaben sie auf Demonstrationen, und auch jetzt, nach ĂŒber zehn Jahren, setzen sie sich fĂŒr diverse soziale Projekte ein. Sie nutzen ihre Bekanntheit, um auf MissstĂ€nde in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. So gibt es bei ihren Konzerten auch immer StĂ€nde von den Vereinen Viva con Agua und Rollis fĂŒr Afrika.

Dieses Interesse, auf MissstĂ€nde hinzuweisen und etwas zu bewegen, schwingt bereits im Bandnamen mit. „Irie“ stammt aus dem jamaikanischen Patois und soll fĂŒr die positive Einstellung der Band stehen, „RĂ©voltĂ©s“ deutet auf die politische, rebellische Einstellung der Band hin.

Im April kamen die Jungs in die Halle02, um dort die DVD-Veröffentlichung zu feiern. Das angekĂŒndigte Unplugged-Konzert folgte der DVD-Vorstellung, unter der man sich zugegebenermaßen vorerst wenig vorstellen konnte. Wird da wirklich einfach eine DVD eingelegt? In der Tat. Ein bisschen unerwartet, denn wer Irie RĂ©voltĂ©s schon einmal live gesehen hat, weiß, wie viel Energie und Spaß von der BĂŒhne auf die Menge ĂŒberschwappt. Es wurde jedoch schnell klar, dass diese VorfĂŒhrung etwas anders ablĂ€uft - tatsĂ€chlich war die gesamte Halle bestuhlt. Die BrĂŒder Mal ÉlevĂ© und Carlito erzĂ€hlten ĂŒber die ausgewĂ€hlten Songs, bevor sie sie abspielten. Nach der DVD-Vorstellung verschwanden die StĂŒhle jedoch in Sekundenschnelle, um Platz zu machen fĂŒr die tanzende Menge, die sich auf das Unplugged-Konzert freute. 

Live-DVDs sind im Grunde genommen immer Ă€hnlich. Sie enthalten einen Konzertmitschnitt, und in manchen FĂ€llen noch eine Band-Dokumentation. So ist auch „Irie Revoltes LIVE“ aufgebaut. Neben dem knapp zwei Stunden langen Konzert gibt es eine etwa einstĂŒndige Banddokumentation zu sehen. Hier wird auch mehr ĂŒber die diversen Projekte erzĂ€hlt, die die Band unterstĂŒtzt. Alles in allem ist die DVD auf jeden Fall sehenswert. Der Plan, die Energie der Konzerte ins Wohnzimmer zu bringen ist Irie RĂ©voltĂ©s auch beinahe zu gut gelungen - ein bisschen wĂŒnscht man sich, das Geld in eine Konzertkarte investiert zu haben. 

 

ruprecht: Drei Alben, jetzt eine DVD - warum eine DVD, was macht die so besonders? Warum sollte ich mir die kaufen und nicht euer Album?

Carlito: Die DVD sollte man sich holen wenn man Irie-Konzerte mag, wenn man das mag, was wir mit dem Publikum an Energie erzeugen. Unsere Idee war, diese Energie nach Hause zu bringen. HĂ€tten wir gemerkt, dass uns das nicht gelungen ist, hĂ€tten wir die DVD auch nicht rausgebracht. Das war ein hartes StĂŒck Arbeit, und ist ein Riesentraum, der in ErfĂŒllung geht. FĂŒr die Irie-Hörer, meiner Meinung nach, ist es einfach geiler als nur ein Album von uns.

Silence: Letztendlich hat man ja schon gestern, als wir die DVD zum ersten Mal gezeigt haben, gemerkt, dass das Prinzip aufgeht. Das war ja eine Art Testlauf. Die Leute sind echt beim anschauen aufgestanden und haben mitgesungen und mitgetanzt. Das war ein bisschen wie interaktives Kino. Ohne, dass sie irgendwer dazu animiert hĂ€tte. Man hat schon gemerkt, die DVD einzulegen und dabei einfach ruhig im Wohnzimmer auf dem Sofa zu sitzen wird bei vielen einfach nicht funktionieren. Ich musste ein bisschen schmunzeln, als ich mir vorgestellt habe, wie die Leute bei sich zu Hause sitzen, die DVD einlegen und dann in ihrem Zimmer tanzen. Das hat mich echt gefreut.

Carlito: Das war auch die Idee - dass man es schafft, eine Live-DVD zu schaffen, bei der man nicht ruhig sitzen bleiben kann. Ich glaube auch, besonders nachdem man gestern ja schon mal die Reaktionen gesehen hat, das könnte auf jeden Fall aufgehen. 

Wie kamt ihr denn dazu, zusammen Musik zu machen?

Mal ÉlevĂ©: Wir haben 2000 gestartet - Flex und ich, Tobi und Conrad haben uns am Anfang zusammengesetzt und irgendwie versucht, Musik zu machen. Danach haben wir dann ziemlich schnell Leute dazu geholt - im Freundeskreis oder in der Familie. So ist das ganze quasi innerhalb von den ersten Monaten zusammengewachsen zu dem, was wir jetzt sind. Es waren auch mal zwei, drei Leute mehr dabei, die dann ausgestiegen sind. 2004 ist noch ein neuer Keyboarder dazugekommen, aber ansonsten ist die Konstellation seither geblieben.

Und wie kamt ihr zu der Musik, die ihr jetzt macht?

Silence: Es war ja immer so, dass wir 9 Leute mit 9 verschiedenen MusikgeschmÀckern sind. Irgendwie Àndert sich ja jeder mit der Zeit. Unser gemeinsamer Nenner hat sich mit der Zeit einfach geÀndert. Live spielen macht auch unglaublich viel aus - ein Album aufnehmen ist etwas ganz anderes als Konzerte geben. Auf Konzerten spielen wir Sachen oft einfach ein bisschen hÀrter und vielleicht ein bisschen aggressiver, lauter, zum Teil gehen wir ja auch mittlerweile fast ein bisschen in Richtung Punk, was ja am Anfang definitiv noch nicht war. Ich denke das ist einfach wie man sich so entwickelt wenn man im Proberaum zusammen sitzt.

Eure Texte waren frĂŒher hauptsĂ€chlich französisch, jetzt sind sie oft eher deutsch. Was hat sich da geĂ€ndert? 

Carlito: Wir haben frĂŒher bereits teilweise auf deutsch geschrieben, aber die Lieder nie mit aufs Album genommen. Auf französisch war fĂŒr uns einfach der Flow besser, es war einfacher zu schreiben. Im Nachhinein haben wir gemerkt, dass wir eben hauptsĂ€chlich hier und in der Schweiz und Österreich spielen, und obwohl wir die Ansagen immer auf deutsch machen, haben wir einfach beschlossen jetzt auch bisschen öfters deutsche Texte zu schreiben. Bei dem ersten Album war auch ein Booklet dabei, in dem es immer kleine Texte gab um zu erklĂ€ren um was es geht. Aber das reicht ja oft nicht, auch wenn die meisten Leute eigentlich wissen worum es geht. 

Das war also relativ pragmatisch, damit ihr mehr Leute erreichen könnt. 

Carlito: Genau, damit die Inhalte bei mehr Leuten ankommen. Der Hauptgrund ist echt die VerstĂ€ndlichkeit der Inhalte, weil die uns eben extrem wichtig sind. 

Wie seid ihr zu eurem Namen gekommen?

Mal ÉlevĂ©: Weil wir damals ziemlich stark vom Reggae beeinflusst waren, noch viel mehr als jetzt, war das „Irie“ fĂŒr uns ziemlich schnell klar - wir machen positive Musik. Und „RĂ©voltĂ©s“ war fĂŒr uns genauso wichtig. Wir nicht irgendeine „Sunshine-Reggae-Band“ sein, sondern auch was Politisches und Kritisches rĂŒberbringen. 

Bei „RĂ©voltĂ©s“ schwingt ja, wie du auch sagst, etwas Politisches mit. Ist das euer Wiederererkennungsmerkmal?

Carlito: Ich glaube nicht, dass wir besonders sind, weil wir das so machen. Eher, dass wir das mehr nach außen tragen als andere. Es gibt auch einige KĂŒnstler, die da nicht drĂŒber reden. Die finden das nicht wichtig, oder wollen die Chance nicht nutzen. Aber bei uns war das immer ein Teil unserer Bandphilosophie. Wir hatten ja auch unsere ersten Konzerte auf Demos und da gab es von Anfang an diesen politischen Hintergrund.

Welche sozialen Projekte unterstĂŒtzt ihr gerade? Und wie Ă€ußert sich das?

Mal ÉlevĂ©: Wir unterstĂŒtzen verschiedene Projekte. Grob kann man sagen, wir unterstĂŒtzen Initiativen und Aktionen, indem wir auf Demos spielen. Auf unseren Konzerten unterstĂŒtzen wir Viva Con Agua, Rollis fĂŒr Afrika, und Make Some Noise. FrĂŒher haben wir auch Respekt (Anm. d. Red.: frĂŒher "Kein Platz fĂŒr Rassismus") unterstĂŒtzt. Wir fanden das Projekt gut. Wir unterstĂŒtzen solche Projekte entweder mit Songs, oder indem wir StĂ€nde auf unseren Konzerten aufbauen. Viva con Agua macht so eine Becheraktion - die sammeln Pfandbecher fĂŒr sauberes Trinkwasser. Die laden wir auch immer gerne ein. Manchmal gibt es auf Festivals auch Becherabwerfaktionen, was dann auch den Leuten Spaß macht. Und fĂŒr Rollis fĂŒr Afrika haben wir zum Beispiel immer wieder die Aktion gemacht, dass Leute, die einen Rollstuhl spenden, umsonst auf unser Konzert kommen. Es ist uns auch wichtig, dass das nicht nur wir machen. Wir wollen das mit den Fans machen. Das ganze lebt davon, dass unsere Hörerschaft da immer dabei ist und auch mal eigene Ideen einbringt, auf Facebook zum Beispiel. 

Ihr seid ja ursprĂŒnglich aus Heidelberg - habt ihr irgendeinen Lieblingsort, den ihr jedes Mal wenn ihr hier seid unbedingt besuchen mĂŒsst?

Carlito: Naja, kommt auf‘s Wetter an. Ich muss sagen, der Zollhofgarten hat mir immer sehr gut gefallen. Da war ich im Sommer eigentlich immer gerne.

Slence: Bei mir ist das nicht unbedingt ein Ort. Was ich einfach an Heidelberg total schön finde ist, wenn ich mal hier bin und in der Stadt rumlaufe oder irgendwo hingehe, dass ich da einfach immer irgendein bekanntes Gesicht sehe. Ich weiß vielleicht auch nicht mal mehr den Namen, oder woher ich die Person kenne und manchmal sagt man sich vielleicht nicht mal hallo - aber ich wohne ja inzwischen in Berlin und da geht's mir voll oft so, dass ich durch die Stadt laufe und niemanden treffe weil alles einfach so riesig ist und sich alles so verlĂ€uft. Hier ist einfach immer noch ein StĂŒck Zuhause, auch wenn ich nicht mehr oft hier bin.

Carlito: Ein Ort, den ich sehr schön finde, wo ich es aber leider nicht oft hinschaffe, ist oben beim Ehrenfriedhof. Da kann man sich auf die Mauer setzen und hat eine wahnsinnige Aussicht. Das ist wirklich einer der schönsten Orte in Heidelberg.

Mal ÉlevĂ©: Das ist fĂŒr mich der Philosophenweg, aber da schaffe ich es leider auch nicht immer hin.

Was wollt ihr den Heidelberger Studenten fĂŒr den Sommer mitgeben?

Mal ÉlevĂ©: FĂŒr den Sommer kann ich nur mitgeben, da ist es wieder warm, da kann man es auch nicht auf's Wetter und die KĂ€lte schieben. Das heißt, geht auf die Straße wenn euch was nicht passt. Ich sage jetzt erst was negatives - es könnte wirklich mehr passieren. Ich weiß noch, damals als die StudiengebĂŒhren erhoben wurden, ist hier nicht so viel passiert. Es wird natĂŒrlich immer schwieriger, das ist ja auch das Ziel von Bachelor und Master, dass die Leute sich so auf ihr Studium konzentrieren mĂŒssen, dass sie gar keine Zeit mehr haben auch mal zu protestieren oder sich politisch zu engagieren. Aber ich denke es wĂ€re auf jeden Fall wichtig und gehört auch dazu. Und ansonsten, genießt den Sommer! 

Was sind eure PlĂ€ne fĂŒr 2012? 

Mal ÉlevĂ©: Erst einmal das Projekt DVD Release abschließen. Und dann bereiten wir uns auf den Sommer vor, da werden wir auf einigen Festivals spielen. Im Juli sind wir wieder in Heidelberg. Da freuen wir uns auch drauf. Ansonsten haben wir natĂŒrlich schon einige Sachen geplant, aber das verraten wir nicht!

Silence: Jetzt mĂŒssen wir ja wirklich erstmal das genießen mit dem Meilenstein DVD. Da haben wir viel Arbeit reingesteckt, da kann man sich schon ein bisschen drĂŒber freuen. Ich hab auch das GefĂŒhl, das ist ein ganz anderer Startschuss fĂŒr die Live-Saison. Da können wir uns jetzt auch versuchen dran zu messen.

Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch.

von Anna WĂŒst
   

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