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 Heidelberg
25.05.2012

Die NS-Zeit in Heidelberg

Heidelberger Historie

Gedenkstein der BĂĽcherverbrennung auf dem Uniplatz. / Foto: Michael Abschlag

Am 17. Mai 1933 spielt sich Gespenstisches auf dem Uniplatz ab: Auf einem riesigen Scheiterhaufen werden Bücher verbrannt. In Heidelberg verläuft die Machtübernahme 1933 reibungslos, denn die Stadt ist seit drei Jahren tiefbraun. Dabei hatte es lange Zeit gar nicht danach ausgesehen.

Gustav Adolf Scheel, Hochschulgruppenführer des Nationalsozialistischen Studentenbundes (NSDStB), hat die Verbrennung mitorganisiert und die Kontakte zwischen Studentenschaft, Partei, SA und SS geknüpft. Bald danach „säubern“ die Nationalsozialisten auch Stadt-, Universitäts- und Studentenbibliothek von missliebigen Schriften.

In den „Goldenen Zwanzigern“, als die krisengeschüttelte Weimarer Republik sich kurzzeitig erholt, erlebt auch Heidelberg eine demokratische Blüte. Der berühmteste Sohn der Stadt ist der Sozialdemokrat Friedrich Ebert, Mitbegründer der Weimarer Republik und erster Reichspräsident. Heidelberg wird eine berühmte Festspielstadt, Festredner wie Thomas Mann, Gerhart Hauptmann oder Gustav Stresemann loben sie. Von der Universität gehen dank akademischer Größen wie Max und Alfred Weber oder Carl Jaspers wichtige Impulse zu intellektuellen Debatten aus. Die meisten Professoren sehen sich als „Vernunftrepublikaner“. Am neu errichteten Gebäude der Neuen Universität prangt der Schriftzug „Dem lebendigen Geist“. Darüber thront Pallas Athene, die griechische Göttin der Vernunft.

Aber als es 1929 zur Krise der Republik kommt, schlägt auch in Heidelberg die Stimmung um. Während die Arbeiterstadt Mannheim bis 1933 fest in der Hand von Kommunisten oder Sozialdemokraten ist, haben in Heidelberg die Nazis schon 1930 die Mehrheit. Bei den Wahlen zum Allgemeinen Studierendenausschuss 1933 wird der NSDStB stärkste Kraft. Er schafft den Ausschuss ab, löst Korporationen und Verbindungen auf (oder integriert sie) und macht Jagd auf jüdische und andersdenkende Mitglieder der Universität.

Der parteilose Oberbürgermeister Carl Neinhaus bleibt nach der „Machtergreifung“ im Amt – ob aus Opportunismus oder um Schlimmeres zu verhindern, bleibt ungeklärt. Der Stadtrat wird durch ein „Ratsherrenkollegium“ ersetzt, das faktisch machtlos ist. Auch die Verfassung der Universität wird ausgehöhlt, die akademische Selbstverwaltung aufgehoben. Die Uni wird dem neuen Regime unterstellt, ihre Linientreue vom NSDStB kontrolliert.
Und auch die Athene über dem Eingang wird ersetzt – durch den Reichsadler.

von Michael Abschlag
   

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