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 Feuilleton
16.11.2012

Auswärtsspiel

30 Jahre nach ihrer Gründung kommen Campino und Freunde nach Heidelberg

Zum ersten Mal seit 28 Jahren waren Die Toten Hosen wieder in Heidelberg. / Foto: Ruediger Glatz (SWR)

Das erste Konzert der Toten Hosen in Heidelberg war wie eigentlich jedes Konzert der Band: energetisch, voller Hymnen, und natürlich laut. Die Band um Sänger Campino spielte in der Halle 02 vor 700 Gewinnern ein SWR3-Exklusivkonzert.

Unter ihnen befinden sich sowohl hartgesottene Fans als auch gemäßigtere, die das Glück hatten, eine Karte zu gewinnen. Und einige Heidelberger, die spontan von Gewinnern mit hinein genommen wurden. Auch vom Alter her ist das Publikum gemischt, es finden sich sowohl Kinder in Begleitung ihrer Eltern als auch ein paar angehende Senioren.

Um 20:30 Uhr betreten die Hosen die Bühne und legen direkt los mit zwei Liedern vom neuen Album, „Ballast der Republik“ und „Altes Fieber“. Das Konzert ist für die Band ein Auswärtsspiel, da sie seit 1984 nicht mehr in Heidelberg aufgetreten ist. Bevor sie eben jenen Song zum Besten geben, erzählt Sänger Campino, dass er hier als junger Punk nur schief angeguckt und quasi aus der Stadt getrieben wurde. Nach „Auswärtsspiel“ folgt ein weiterer Song vom aktuellen „Ballast der Republik“ mit dem Titel „Zwei Drittel Liebe“.

Campino, Kuddel und Co. spielen neben den Klassikern wie „Du lebst nur einmal“ und dem neuen Album auch einige Lieder von „Die Geister, die wir riefen“ – dem Coveralbum, das zu ihrem 30. Jubiläum aufgenommen wurde. Das von den Häftlingen im Konzentrationslager Bögermoor gesungene „Moorlied“ ist so ein Cover. Später gibt es dann Falcos „Rock Me Amadeus“ und „Schrei nach Liebe“ von den befreundeten Ärzten zu hören.

Zunächst aber kommen auch die Fans der älteren Alben auf ihren Geschmack: Erst „35 Jahre“, dann „Bonnie & Clyde“. Daraufhin noch das „Liebeslied“ von der „Hier kommt Alex“-Single und sogar „Reisefieber“ vom ersten Album. Zum 30-jährigen Bestehen stellt sich Gitarrist Kuddel für „Europa“ sogar ans Keyboard. Das aggressive „Pushed Again“ reißt das Publikum dann wieder mit und demonstriert, wie textsicher und begeistert die Fans der Toten Hosen sind. Selbst hinter der Bar wird gefeiert und getanzt.

Ähnlich wütend entlädt sich auch „Hier kommt Alex“ – so muss sich Punk anfühlen. Inzwischen befindet sich auch der Großteil des Publikums in der vorderen Hälfte und es herrscht eine Konzerten angemessene Hitze. Campino sucht ständig den Kontakt zu den Fans und verteilt Wasser und Bier im Publikum. Nach „Wünsch dir was“, dem Höhepunkt des Konzerts, zeigt er sich beeindruckt. „Es war ein Fehler, 28 Jahre lang nicht hier gewesen zu sein.“ teilt er lächelnd dem Publikum mit. „Ja, ich bereue es, aber von heute an werden wir zusehen, dass wir diesen Rhythmus beibehalten.“ Nach der Nostalgie-Hymne „Tage Wie Diese“ verschwinden die Band in den Backstage-Bereich. Ein paar „Wir woll'n die Hosen seh'n!“-Sprechchöre später kommen Campino und Kuddel zuerst allein zurück, um die Akustik-Ballade „Draußen vor der Tür“ zu spielen.

Danach geht es aber in voller Besatzung weiter. Campino, der den Großteil der Texte schreibt, erweist lyrischen Vorbildern wie Hermann Hesse und Rio Reiser Ehrerbietung. Worten folgen Taten: „Keine Macht für niemand“ wird gecovert, das wohl bekannteste Lied der Band Ton Steine Scherben mit einem Text, der aus Reisers Feder stammt. Neben aller Sozialkritik und Philanthropie – die Oxfam-Flagge, die im Publikum geschwenkt wird, ist neben den Texten von „Europa“ und „Ballast der Republik“ das eindeutigste Beispiel – sind die Toten Hosen jedoch auch eine Band großer Lobeshymnen auf Fußball und Freundschaft. Man sieht der Band deutlich an, dass sie immer noch „Freunde“ sind.

Nochmal Sprechchöre, noch eine Zugabe. „Vogelfrei“ ist das letzte Lied auf „Ballast der Republik“ und nebenbei eines von dreien an diesem Abend, deren Texte zusammen mit dem Rapper Marteria verfasst wurden. Am Ende kommt das Doppelpack „Schönen Gruß, auf Wiederseh'n!“ / „You'll never walk alone“, mit dem die Band traditionell jedes Konzert ausklingen lässt.

Nach fast zwei Stunden Deutschpunk kommt man dann zum Schluss, dass die Toten Hosen mit ihrer Musik zwar in Stadien und auf Festivalbühnen besser aufgehoben sind, Clubs wie die Halle 02 jedoch genauso gut zum Feiern bringen können. Einziger Wermutstropfen an diesem Abend: bis auf das mäßig gute „Alles was war“ gab es kein Lied vom starken letzten Album „In aller Stille“ zu hören.

von Philipp Fischer
   

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