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 Heidelberg
29.11.2012

Ein StĂŒck Mannheim

HĂ€sslichste Orte Heidelbergs (3): Friedrich-Ebert-Platz

Ein traumatischer Anblick: Der graue Alltag auf dem Friedrich-Ebert-Platz. / Foto: Seraphina Rekowski

Eine jede Stadt ist darauf bedacht, ihre Söhne und Töchter, die es zu etwas gebracht haben, in Form von Platz- und Straßennamen zu ehren. Womit Friedrich Ebert den gleichnamigen Platz in der Heidelberger Altstadt verdient hat, bleibt jedoch ein RĂ€tsel.

Im Grunde genommen ist der Friedrich-Ebert-Platz das Gegenteil von dem, was die meisten Menschen an der Stadt schön finden. Er ist ein StĂŒck Mannheim in Heidelberg. So fehl am Platz, als hĂ€tte sich ein alliierter Bomber 1945 auf dem Weg nach Mannheim verirrt und aus Versehen einen Krater in die HĂ€userreihen der Altstadt gerissen, der dann schleunigst gestopft werden musste. Und zwar auf die einzige Art, die man in Deutschland kannte: Symmetrisch, unorganisch, grau auf grau.

Die Wahrheit ist eine andere. Bis 2006 fungierte der Platz, der nach dem zweiten Weltkrieg den Namen des ehemaligen ReichsprĂ€sidenten geschenkt bekam, hauptsĂ€chlich als Parkplatz. Erst 2010 wurde der Platz in seiner heutigen trostlosen Gestalt der Öffentlichkeit prĂ€sentiert. Seitdem wird nicht mehr auf, sondern unter dem Ebert-Platz geparkt und dessen Bildnis prangt gemeinsam mit einer Info-Tafel an einem der glĂ€sernen EingĂ€nge der Tiefgarage.

Ganz unauffÀllig schmiegt sich der Platz zwischen Plöck und Friedrich-Ebert-Anlage, fast als wÀre es ihm peinlich. Architektonisch ein blinder Fleck, umringt von prÀchtigen historischen Bauten, fÀllt er den meisten nur durch seine Bushaltestelle und seine deprimierende Leere auf.

UmzĂ€unt ist er von einigen BĂ€nken, auf denen niemand sitzen will und schmalen, hochgewachsenen BĂ€umen. Die WĂŒste aus glatten, grauen Pflastersteinen wird in aller Regel nur von Studierenden der Rechtswissenschaften betreten, die auf dem Weg vom juristischen Seminar in die Neue Uni eilen, hastigen Schrittes, um ja nicht zu lange in der Ödnis zu verweilen.

Nur dienstags und donnerstags begibt sich regelmĂ€ĂŸig eine grĂ¶ĂŸere Ansammlung von Menschen auf das Areal, denn dann findet auf dem Friedrich-Ebert-Platz ein Wochenmarkt statt. Ein buntes Treiben, das in geradezu bizarrem Kontrast zum kalten, kahlen Platz steht. Ist die letzte Wurst verkauft und die StĂ€nde abgebaut, wird er wieder allein gelassen, sei es im Regen oder in der Sonne. Echte Einsamkeit kennt keine Jahreszeiten.

Doch verbringt man an einem ruhigen Tag einige Minuten allein auf einer der unbesetzten BÀnke, erkennt man, dass dem Platz eine gewisse Poesie innewohnt. Es ist die Poesie der Tragik, die zum Vorschein kommt, wenn der Markt wieder abgebaut ist und die Juristen im Hörsaal sitzen. Hört man genau hin, kann man den Friedrich-Ebert-Platz leise weinen hören.

von Björn Budik
   

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