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 Hochschule
28.01.2013

Uni auf dem PrĂźfstand

Heidelberg setzt auf Systemakkreditierung

Mit der Systemakkreditierung spart die Uni Heidelberg vor allem Geld. / Montage: Michael Graupner

Jeder Bachelor- und Masterstudiengang muss qualitativen Standards genĂźgen. Im Zuge der Bologna-Reform wurde daher in Deutschland beschlossen, dass jeder einzelne Studiengang begutachtet und ĂźberprĂźft werden muss. In Baden-WĂźrttemberg schreibt das Landeshochschulgesetz den Hochschulen eine solche Akkreditierung vor.

Dabei gilt es, zwischen der Programm- und Systemakkreditierung zu unterscheiden. Da erstere mit bis zu 15 000 Euro pro Studiengang immense Kosten verursachen kann, sind in den letzten Jahren immer mehr Unis zur Systemakkreditierung Ăźbergegangen.

In der letzten Woche fand die erste Begehung zur Systemakkreditierung der Uni Heidelberg statt. Mit ihr soll das Qualitätsmanagementsystem „heiQuality“ der Uni näher begutachtet werden. Die Uni hat hierfĂźr 2010 einen Vertrag mit der Akkreditierungsagentur ACQUIN geschlossen.  Doch gerade diese Agenturen sorgen immer wieder fĂźr Kritik, da sie rein privatwirtschaftliche Unternehmen sind. Jens Halfwassen, Direktor des Philosophischen Seminares, hält außerdem das gesamte Akkreditierungsverfahren fĂźr „verfassungswidrig“.

„Anstatt jede Pizza einzeln zu kontrollieren, wird geschaut was man für ein Verfahren zum Pizzabacken hat“, illustriert Kirsten Pistel von der Fachschaftskonferenz den Unterschied zwischen Programm- und Systemakkreditierung. Sie ist eine von acht studentischen „Senatsbeauftragten für Qualität“, die an der Evaluation der Studiengänge mitbeteiligt sind. Die weiteren Beauftragten stammen aus dem Mittelbau und der Professorenschaft. Für Kirsten liegt der Vorteil in der Systemakkreditierung neben den Kosteneinsparungen, vor allem darin, dass die Gremien mehr Einfluss gewinnen. Dies stand in der Vergangenheit seitens der Uni nicht im Mittelpunkt. Mit anderen Senatsbeauftragten nahm sie in der letzten Woche am Gespräch mit den Gutachtern teil. „Es war eine konstruktive Runde, in der man gute Ideen bekommen hat“, so Kirsten. Jana Hechler, ebenfalls eine studentische Senatsbeauftragte ergänzt: „Es war ein ehrliches und offenes Gespräch. Die Gutachter waren alle sehr kompetent."

Gestellt werden die Gutachter, in der Regel Lehrpersonen und Studenten von anderen Hochschulen, von einer Akkreditierungsagentur. In den letzten Jahren sind eine Reihe von privatwirtschaftlichen Agenturen entstanden, welche die Überprüfung des Qualitätsmanagement der Hochschulen durchführen. Dabei steht im baden-württembergischen Landeshochschulgesetz lediglich, dass „anerkannte Einrichtungen“ die Akkreditierungen vornehmen dürfen. Die Anerkennung der Agenturen erfolgt durch den Akkreditierungsrat, der die Grundanforderungen an das Akkreditierungsverfahren bestimmt.


Agenturen bewegen sich im "rechtsfreien Raum"

Die Entstehung einer „gigantischen, privaten Akkreditierungsbürokratie“ kritisiert der Direktor des Philosophischen Seminars, Jens Halfwassen. Die Agenturen maßen sich an, den Fakultäten vorzuschreiben, wie sie ihre Studiengänge zu gestalten haben. Dabei seien diese durch keinerlei Gesetz dazu ermächtigt und bewegen sich im „rechtsfreien Raum“.

Der Akkreditierungsrat wurde nur durch ein Gesetz des Landes Nordrhein-Westfalens gegründet und habe hierzulande keine gesetzliche Bindekraft. Es sei für ihn ein „Ding der Absurdität“, dass „wir uns hier teilweise von Wissenschaftlern aus irgendwelchen Fachhochschulen begutachten lassen.“ Halfwassen hält die Akkreditierung für „verfassungswidrig“, da die im Artikel fünf des Grundgesetzes garantierte Freiheit von Forschung und Lehre gefährdet sei. Eine Auffassung, die unter anderem auch durch ein Rechtsgutachten aus der Juristischen Fakultät Heidelberg bestätigt wird. Derzeit verhandelt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe über die Verfassungsmäßigkeit der Akkreditierung.

Auch wenn Karlsruhe das Verfahren für verfassungswidrig erklären sollte, sei der bisherige Prozess schon ein kleiner Erfolg, behaupten die studentischen Senatsbeauftragten: „Durch die Systemakkreditierung kann der Stellenwert der Lehre ein anderer werden; es wird überhaupt mal über Lehre gesprochen.“ Zerfahrene Strukturen wurden aufgebrochen und zum ersten Mal werde über Probleme geredet, statt sie wegzuschieben. Im September 2014 will die Agentur das Verfahren abschließen und das Ergebnis verkünden. Sie entscheidet dann, ob die Uni Heidelberg die Akkreditierung mit oder ohne Auflagen erhält.

von Michael Graupner
   

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