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 Feuilleton
02.07.2013

Shorts on stage

Sechs kurze B├╝hnenst├╝cke pr├Ąsentiert die Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars

Elisa Fritz und Alix Christen in Isabella Freilingers "Water Wings". / Foto: Julia Klein.

Ob unheimlich komisch oder traurig und mitrei├čend, die Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars hat alles zu bieten. Das ganz Besondere an diesem Short Play Evening sind die von Studenten selbst geschriebenen St├╝cke.

"Und die Maden fressen sich durch mein Fleisch und das Blut spritzt wie Saft aus meinem K├Ârper", sagt der Schauspieler, zieht ein rotes Tuch aus dem ├ärmel und f├Ąllt umst├Ąndlich zu Boden. "Ach wie schlecht und theatralisch", h├Ârt man es aus der einen Ecke des Publikums. Der daneben sitzende, von sich viel haltende Regisseur meldet sich zu Wort und fragt emp├Ârt, ob ihnen die Tiefsinnigkeit entgangen sei. Weiter vorn im Publikum sieht man zwei vom St├╝ck ├╝berw├Ąltigte M├Ąnner. Sie schauen sich pl├Âtzlich in die Augen und glauben, sich und ihre Gef├╝hle in dem jeweils anderen wiederzuerkennen. Diesen Effekt hat der Regisseur allerdings nicht erwartet. "In the Audience" hei├čt das kurze B├╝hnenst├╝ck von Jonas Hock. Hier sitzt das Publikum sich selbst und seinen eigenen Emotionen gegen├╝ber.

Ein weiteres St├╝ck ist eine Adaptation der Kurzgeschichte "Nachts schlafen die Ratten doch" von Wolfgang Borchert aus dem Jahre 1947. Die Szene zeigt einen neunj├Ąhrigen Jungen, der zwischen kaputten H├Ąusern und Schutthaufen sitzt. Als ein Fremder vorbeikommt und ihn fragt, ob er denn nicht Hunger habe, sagt der Junge er m├╝sse seinen toten Bruder, der unter den Tr├╝mmern liegt, bewachen. Er k├Ânne nicht weggehen, denn sonst fressen ihn die Ratten. Der Fremde macht sich Sorgen um das Kind und sagt: "Ratten schlafen nachts, wusstest du das nicht?" Gerade, als er das Kind ├╝berzeugt hatte, wird er von einem Soldaten erschossen.

Die Schauspielgruppe des Anglistischen Seminars pr├Ąsentiert diese Woche sechs kurze B├╝hnenst├╝cke im Romanischen Keller. Die vier Abende sind eine Kurzversion des Short Play Festivals von vor zwei Jahren. Wie bereits damals haben auch dieses Mal Studenten die St├╝cke selbst geschrieben.

Die 22-j├Ąhrige Isabella Freilinger ist die Autorin des St├╝ckes "Water Wings". Auf der B├╝hne sieht man eine Badewanne. Kara springt in voller Montur hinein und das Wasser spritzt ├╝ber den Boden. Anne hingegen traut sich nicht und w├╝rde gern lieber ihre Schwimmfl├╝gel holen. Kara taucht mit dem Kopf unters Wasser und sagt pl├Âtzlich nichts mehr. Anne findet das nicht lustig, sie hat Angst, dass ihre Freundin ertrunken ist. Als Kara wieder auftaucht, zieht sie Anne ins Wasser und lacht.

Es ist eine sch├Âne, aber auch traurige Geschichte ├╝ber die lebenslange Freundschaft zwischen zwei M├Ądchen. Als die beiden Freundinnen ├Ąlter sind, erf├Ąhrt Anne, dass Kara eine alkohols├╝chtige Mutter hat. Anne dreht sich zum Publikum und erz├Ąhlt, dass Kara immer f├╝r sie da ist, immer einen Ausweg wei├č und immer alles zum Guten wendet. Eines Tages ist Kara nicht mehr da.

Isabella hat mit 15 Jahren ihr erstes St├╝ck geschrieben und will auch jetzt und in Zukunft nicht damit aufh├Âren. "Andere Leute fahren Fahrrad oder spielen Fu├čball, ich schreibe St├╝cke", sagt sie lachend und nimmt ihre Gl├╝ckw├╝nsche entgegen.

Noch bis Freitag, den 5. Juli kann man sich die kurzen B├╝hnenst├╝cke um jeweils 20 Uhr im Romanischen Keller in der Seminarstra├če 3 anschauen. Karten k├Ânnen mit einer E-Mail an hotshorts2013@gmail.com reserviert oder an der Abendkasse gekauft werden.

von Sandra Hadenfeldt
   

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