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 StudiLeben
17.06.2013

Studieren ohne Lebensqualität

Eine aktuelle Studie zeigt: Bachelor und Master machen zwar nicht krank, aber ungl√ľcklich

Privater Stress und eine B√ľcherlawine in der Pr√ľfungsphase l√§sst viele Studenten verzweifeln. / Foto: Frederic Weichel.

Das Bachelor-Master-System steht im Verdacht, Studenten psychisch krank zu machen. Medien und Wissenschaft sprechen von stärkerem Leistungsdruck und mehr Stress bei Studenten. Aber was hat sich mit der Umstellung wirklich geändert?

Laut einer Studie der Universit√§t Heidelberg leiden Bachelor-Studenten tats√§chlich unter mehr Stress und sind im Durchschnitt unzufriedener mit ihrem Studium. Zu diesem Ergebnis kam die Studie bei einer Befragung von 400 Bachelor- und Diplomstudenten der Psycholgie. Obwohl sie somit nicht f√ľr alle Studenten repr√§sentativ ist, werden f√ľr andere Studieng√§nge √§hnliche Ergebnisse erwartet.

Als wichtigsten Grund f√ľr gr√∂√üeren Stress gibt die Studie gestiegenen Leistungsdruck an. So flie√üen im Bachelor von Beginn an beinahe alle Veranstaltungen in die Endnote mit ein. Die gestiegene Unzufriedenheit f√ľhrt die Studie auf mangelnde Entscheidungsfreiheit zur√ľck.

Die Wissenschaftler fordern deshalb mehr unbenotete Lehrveranstaltungen und vor allem längere Regelstudienzeiten.

"Viele Studenten lernen die Faszination am Studium √ľberhaupt nicht mehr kennen", wei√ü auch Rainer Holm-Hadulla, leitender Arzt der psychosozialen Beratungsstelle des Studentenwerks Heidelberg. Denn unter zu viel Druck von au√üen und mit zu wenigen M√∂glichkeiten, eigene Interessen zu entwickeln, entsteht keine Faszination.
Holm-Hadulla weist jedoch auch darauf hin, dass die Umstellung nicht nur Schlechtes mit sich gebracht, sondern auch vielen Studenten die Orientierung erleichtert habe. "Man hatte fr√ľher in manchen Studieng√§ngen sehr hohe Abbrecherzahlen. Bei einigen h√§tten eine klarere Strukturierung des Studiums und rechtzeitige Pr√ľfungen das Scheitern verhindert."

Die Psychosoziale Beratungsstelle hilft j√§hrlich etwa 2000 Studenten. Davon 800 bei einem pers√∂nlichen Gespr√§ch vor Ort und weiteren 1200 √ľber das Internet oder Telefon. "Viele Probleme, die ich sehe, sind nicht akademischer Natur", sagt Holm-Hadulla.

Studenten suchen auch Rat wegen Beziehungsproblemen, √Ąngsten oder belastenden Lebensereignissen. Es ist oft die Mischung aus akademischem Stress und privaten Problemen, mit denen Studenten nicht zurechtkommen. "Wenn der Tod oder die Krankheit eines Angeh√∂rigen mit einer stressigen Phase im Studium zusammenf√§llt, wird das dem Studenten zu viel."

Wer aufgrund akademischer Probleme Hilfe sucht, leidet meist unter Pr√ľfungs√§ngsten. Da diese in den allermeisten F√§llen aus mangelnder Vorbereitung r√ľhren, sind sie leichter zu l√∂sen.

Das Bachelor-Studium scheint also nicht krank zu machen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die neue Art zu studieren die Lebensqualit√§t verschlechtert. Damit dieser Verdacht best√§tigt werden kann, m√ľssen nun repr√§sentativere Studien erhoben werden. Auf ihrer Basis kann das Studium ver√§ndert werden, sodass es beides verbindet: Struktur und Faszination.

von Alexandra Jurecko und Simon Probst
   

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