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 Feuilleton
30.01.2007

Das Deutschland-Puzzle

Einweg-LektĂŒre fĂŒr die „Generation Golf“

„Was hĂ€lt Deutschland zusammen“, ist der vollmundige Leitsatz von 20 ironischen Schlaglichtern, die der Journalist Klaus Werle unter dem Titel „Das Deutschland-Puzzle“ zusammengefasst hat. Dabei wĂ€re gut produzierte Popliteratur der treffendere Begriff, um die 20 Kapitel, die auch als Serie auf Spiegel Online hĂ€tten erscheinen können, zu beschreiben.

Allein der Leitsatz ist Ironie pur, denn Werle beschreibt die modernen Deutschen auf 160 Seiten als sonntagabendliche Tatort-Seher, hektische SMS-Schreiber und multikulturelle Latte-Macchiato-Trinker, deren heimliche Monarchen GĂŒnther Jauch, Thomas Gottschalk, Harald Schmidt und Franz Beckenbauer sind.

Dieses neunseitige Kapitel ist beispielhaft fĂŒr das ganze Buch: Auf zwei Seiten soll es um das Monarchie-PhĂ€nomen der „Republik“ gehen und beschrĂ€nkt sich dabei auf die Medienwirkung des Quadrumvirats – die sieben weiteren Seiten sind Zitate unserer Monarchen. Dreistere Papierschinderei kennt man bislang nur von Benjamin von Stuckrad-Barre , der in seinem Buch „Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft“ Kapitel mit GĂ€stebuch-EintrĂ€gen und KlosprĂŒchen fĂŒllte.

Werles „Deutschland-Puzzle“ ist vor allem ein Abklatsch von Florian Illies‘ „Generation Golf“ oder der „Anleitung zum Unschuldigsein“. Der kleine Unterschied besteht einzig darin, dass Werle sich mehr wie Spiegel Online liest, anstatt popliterarisch zu schwelgen. Werle schreibt wie jemand, vor dem Illies in der Generation Golf noch gewarnt hatte: ironisch und politisch uninteressiert. Hauptsache, es nervt keiner mit Hartz IV-Elend.

Beschrieb Illies am Ende seiner „Generation Golf“ dieses Desinteresse, so schreibt Werle aus Perspektive der Desinteressierten. Dass Hartz IV kein Kapitel gewidmet ist, verwundert, da der einzige „schmutzige“ Kitt der Deutschen die MĂŒlltrennung zu sein scheint.

Werle, der fĂŒr das Manager-Magazin (Spiegel-Verlag) und Frankfurter Rundschau schreibt, nĂ€hrt im Deutschland-Puzzle den Verdacht, dass wir uns alle in Wirklichkeit nur noch fĂŒr Brot und Spiele, Beckenbauer und Bohlen und DSDS und GZSZ interessieren.

von Reinhard Lask
   

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