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 Feuilleton
12.05.2007

Zwischen Fiktion und Realität

"Der Kissenmann" im Rahmen der Heidelberger Theatertage.

Einem kleinen Jungen werden in der Nacht von einem Kutscher die Zehen abgehackt, nachdem er diesem die Hälfte seines mageren Proviants angeboten hat.

Einem kleinen Jungen werden in der Nacht von einem Kutscher die Zehen abgehackt, nachdem er diesem die Hälfte seines mageren Proviants angeboten hat.

Einem kleinen Mädchen wird eine Dornenkrone aufgestülpt. Mit gebrochenen Beinen muss sie ein schweres hölzernes Kreuz tragen, um danach an eben dieses genagelt zu werden.

Dann ist da aber auch noch die Geschichte vom Kissenmann, einem lieben, mitfühlenden Wesen, das die Kinder rechtzeitig erstickt, um sie vor den Unerträglichkeiten des Lebens zu bewahren.

Die Auffassung, dass es sich bei diesen Geschichten um reine Fiktion handelt, muss der Schriftsteller Katurian K. Katurian an dem Tag aufgeben, da er sich in einem Verhörzimmer wiederfindet, mit zwei Beamten und einer Pistole zur Vollstreckung.

Katurian wird mit der Tatsache konfrontiert, dass sich unlängst Morde an Kinder ereignet haben, die in ihrem Hergang bis in Detail jenen gleichen, die er in seinen Geschichten zu Papier gebracht hat. Doch dieser ist sich keiner Schuld bewusst.

Der Kissenmann ist ein Stück, in dem die Konstruiertheit der Realität im Mittelpunkt steht. Es ist nicht mehr klar zu unterscheidem, was Fiktion, was Wahrheit, was Vergangenheitsbewältigung ist. Alles scheint verwoben zu sein – eine nicht mehr endende Reproduzierung von Leid.

Dem irischen Stückeschreiber Martin McDonagh ist ein Kriminalstück ganz besonderer Klasse gelungen. Es vereint nervenzermürbende Spannung und herzzerreißenden schwarzen Humor mit höchstem philosophischem Anspruch.

Das Bühnenbild der Inszenierung im TiKK unter Regie von Andreas Robertz ist auf die nötigsten Assecoirs beschränkt und gibt dem Zuschauer damit die Möglichkeit, sich ganz dem Reich der gedanklichen Konstruiertheit hinzugeben. Die schauspielerische Leistung der vier Akteure, welche eine unglaubliche Spannung über zwei Stunden aufrecht hielten verdient dabei höchste Anerkennung.

von Johannes Dahmen
   

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