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 Hochschule
13.11.2007

Fazit einer Evolution

Die Umstellung auf Bachelor und Master ist fast beendet

Seit diesem Semester sind an der Uni Heidelberg alle Studiengänge von Magister auf Bachelor und Master umgestellt. Die Umstellung sei reibungslos abgelaufen und das, obwohl es keine zusätzlichen Mittel vom Land gegeben habe.

Es ist geschafft: Seit diesem Semester sind an der Uni Heidelberg alle Studiengänge von Magister auf Bachelor und Master umgestellt. „Ab sofort kann man kein Magisterstudium mehr bei uns beginnen“, sagte Ingrid Reiher, Leiterin der Studienprogrammentwicklung, im ruprecht-Gespräch. Die Umstellung sei reibungslos abgelaufen und das, obwohl es keine zusätzlichen Mittel vom Land gegeben habe.

Allerdings gibt es doch einige Ausnahmen: Mathematik, Mathematik mit Ausrichtung Wissenschaftliches Rechnen und Theologie sind zurzeit noch Diplomstudiengänge. Juristen wie Mediziner halten bis aufs Erste am Staatsexamen fest. Zudem gibt es bisher kaum Masterstudiengänge an der Ruperto Carola – sie sollen in den nächsten Semestern etabliert werden.

Die Hochschulreform sollte das Studium straffen, die internationale Vergleichbarkeit erhöhen, für jüngere Absolventen sorgen et cetera. Stellt sich die Frage: Ist der Bachelor das ersehnte Erfolgsprodukt? – Es sei noch zu früh für eine Antwort, heißt es dazu aus Verwaltungskreisen der Heidelberger Uni.

Stimmen, die Bedenken und Kritik äußern, gibt es dennoch. Harro Müller-Michaels, ein Vater der Bologna-Reformen, lobte im Die Zeit-Interview zwar die Neuerungen, didaktische Ordnung und Senkung der Abbrecherquoten, entschuldigte sich aber im gleichen Atemzug für das „modularisierte Klein-Klein“. Ein besonderes Problem erwüchse dabei aus der Festlegung auf den sechssemestrigen Bachelor. „Die Folge ist ein völlig überfrachtetes Studium“, so Müller in der Zeit. Es fehle an Grundlagenwissen und den Studenten würde durch die knappe Studienzeit ein Auslandsaufenthalt verwehrt.

Tatsächlich gehen nur 15 Prozent der Bachelor-Studenten ins Ausland. Der Anteil unter der Gesamtheit der Studenten beträgt 30 Prozent. An der Uni Heidelberg wolle man sich daher bemühen, die Ausslandsstudienmöglichkeiten im bestehenden System zu fördern, erklärt Prof. Thomas Pfeiffer, Prorektor für Lehre: „Außerdem ist es ja weiterhin möglich, sich für ein Auslandsstudium beurlauben zu lassen.“

Doch was ist mit der „Überfrachtung des Studiums“, die Müller-Michaels anmahnt? Besonders im Angesicht der Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre. Hochschulexperten fürchten, zu Studienbeginn würden dadurch Grundlagen fehlen, welche die Uni dann zusätzlich vermitteln müsse. Die Uni Lüneburg hat sogar eine fächerübergreifende, zweisemestrige Eingangsphase eingeführt, um den Wissensmangel zu kompensieren. In Heidelberg ist das alles noch kein Thema. „Zudem“, hält Pfeiffer den Bedenken entgegen, „wurde die Schulzeit in den meisten Bundesländern verkürzt, um die Ausbildungszeiten dort zu straffen, wo dies am besten möglich ist. Man mag darüber streiten, ob dies richtig war, aber das Ziel war klar: Verjüngung der deutschen Absolventen, um ihre Berufschancen im internationalen Vergleich zu erhöhen und um mehr Raum für lebenslanges Lernen zu schaffen – was ein Gebot der sich schnell ändernden Welt ist.“

Auf die Verkürzung der Schulzeit nun mit einer Verlängerung der Studienzeit reagieren zu wollen, hielte er daher für absurd und politisch nicht vertretbar. Zudem habe noch niemand umfassende Erfahrungen mit dem achtjährigen Gymnasium.

Auch die Forderung, den Bachelor auf vier Jahre zu verlängern, hält Pfeiffer für Unsinn: „Die Folge wären grundlegende Umstellungen der Studienorganisation, also ein erheblicher Aufwand für die Universität.“ Das Curriculum sämtlicher Bachelor- und Masterstudiengänge müsste neu geschrieben werden. „Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass dies an der Universität Heidelberg jemand in der nächsten Zeit ernsthaft befürwortet.

von Paul Heesch
   

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