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 Hochschule
13.11.2007

Wer zuckt, wird Tutor

StudiengebĂĽhren sorgen fĂĽr Hiwi-Hype

Seit Einführung der Studiengebühren hat sich die Zahl der Tutoren- und Hiwi-Stellen um 246 erhöht. Damit arbeiten insgesamt 1918 Hilfswissenschaftler an der Uni Heidelberg, die 410 Stellen davon aus Studiengebühren finanziert. Doch steigern diese neu geschaffenen Stellen auch die Qualität?

Seit Einführung der Studiengebühren hat sich die Zahl der Tutoren- und Hiwi-Stellen um 246 erhöht. Damit arbeiten insgesamt 1918 Hilfswissenschaftler an der Uni Heidelberg, die 410 Stellen davon aus Studiengebühren finanziert. Doch steigern diese neu geschaffenen Stellen auch die Qualität?

Die Anzahl der Hilfswissenschaftler variiert zwischen den Instituten. An erster Stelle liegt die Fakultät für Physik- und Astronomie, die in diesem Wintersemester 54 Stellen vergeben hat. „Wir hatten schon immer viele Hiwis. Seit den Studiengebühren sind es noch ein paar mehr geworden“, erklärt Hans Christian Schultz-Coulon, Studiendekan der Physik und Astronomie.

Die Hiwi-Stellen schossen nach den eingeführten Studiengebühren wie Pilze aus dem Boden. Doch verbessern die im Schnellverfahren eingestellten Kräfte auch die Qualität der Lehre? Gerade Tutoren sind dabei ein sensibles Thema, vermitteln diese doch den Anfängern das wichtige Grundwissen. Um die Wissensvermittlung in den Tutorien zu gewährleisten, tendieren einige Institute zu Qualitätskontrollen. So prüft das Institut für Politische Wissenschaft (IPW) die Teilnehmerzahlen einzelner Tutorien zu Semesterbeginn und gegen Ende.

Viele Dozenten aber wählen ohnehin bevorzugt Studierende aus, die in Seminaren bereits gute Leistungen erbracht haben. „Ich würde keinen Tutor nehmen, den ich nicht kenne“, erklärt IPW-Leiter Uwe Wagschal. Ebenso halten es auch die Dozenten der Fakultät für Physik und Astronomie. „Wer sich nicht anstrengt, bekommt auch keinen Hiwi-Job“, versichert Schultz-Coulon. Trotz der vielen neu geschaffenen Hiwi-Stellen gebe es mehr Bewerber als freie Stellen.

Um angehende Tutoren auf ihre Aufgaben vorzubereiten, bietet die Abteilung zur Vermittlung von Schlüsselkompetenzen (SLK) spezielle Kurse an. Hier können Tutoren ihre didaktischen Lücken füllen. Anhand von Rollenspielen, Supervision und der Vermittlung relevanter Lehr-Lern-Konzepte soll das sichere Auftreten im Seminar gefördert werden.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Tutoren würden ins kalte Wasser geworfen, macht SLK-Leiter Dietmar Chur mit seinen Seminarteilnehmern eher positive Erfahrungen: „Zwar fehlt es manchen Tutoren an inhaltlicher und auch didaktischer Orientierung, aber nicht an Motivation.“

Neben der Frage nach dem Qualitätsverlust bringen die vielen neuen „Kopier-Hiwis“ einen negativen Beigeschmack mit sich. Manche Lehrstühle gehen dazu über, für einfache Schreibtätigkeiten und Verwaltungsaufgaben gleich mehrere Hiwi-Stellen zu schaffen. Dabei ist fraglich, ob die aus Studiengebühren finanzierten Kopierkräfte tatsächlich die Lehre verbessern. Einige Mitglieder der Fachschaftskonferenz sind da anderer Meinung: Nur wenige Dozenten haben einen eigenen „Kopier-Hiwi“. In der Germanistik sei das nicht der Normalfall, meint Michael Hanstein, studentisches Mitglied der Studiengebührenkommission Germanistik: „Es werden eher projektbasierte Hiwi-Stellen finanziert, so dass das vorhandene Geld sinnvoll in die Verbesserung der Lehre gesteckt wird.“

Doch verbessern nicht alle neuen Hiwi-Stellen die Lehre so, wie es gedacht war. So hat das Historische Seminar ein Mentorenprogramm geschaffen, um Studierenden im Grundstudium eine bessere Orientierung zu bieten. Statt voller Arbeitsräume mangelt es dem Programm bisher an Teilnehmern. „Gerade Erstsemester sehen sich einem Überangebot an Veranstaltungen ausgeliefert“, erklärt Werner Bomm, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Historischen Seminars. Unter dem Strich ziehen jedoch fast alle Beteiligten eine positive Bilanz. Trotz „Tutoren- und Hiwi-Schwemmen“ könne man nicht automatisch von einem Qualitätsverlust ausgehen. Ganz im Gegenteil: „Junge Leute, die Tutorien leiten, sind meistens motivierter als ihre Dozenten“, findet Schultz-Coulon. Dass die Tutorien eine sinnvolle Sache sind, bestätigt auch Uwe Wagschal: „Jeder, der den wissenschaftlichen Ritt wagen will, sollte zur Übung einmal ein Tutorium geleitet haben.“

von Claudia Tupeit, Stephanie Uhter
   

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