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 Hochschule
15.07.2013

Brauchen wir Theologie? Nein.

Ist es Aufgabe des Staates, Forschung und Lehre √ľber Religion zu finanzieren?

Foto: privat.

Theologie geh√∂rt seit jeher zu den klassischen Fakult√§ten einer Universit√§t. Ein weltanschaulich neutraler Staat m√ľsse Religion Privatsache sein lassen, fordern Laizisten. Adrian Gillmann, Sprecher des Arbeitskreises der Laizist*innen der SPD Heidelberg, bef√ľrwortet laizistische Politik.

NEIN! Eine theologische Fakult√§t in der jetzigen Fassung, die strukturell eine Anbindung an eine Sozialform "Kirche" nicht blo√ü bedingt, sondern diese voraussetzt, ist eine privilegierte Finanzierung von Religion, die nicht Aufgabe eines s√§kularen Staates sein sollte. heologie ist derzeit, gleich wie autonom sie sich gibt, immer Strukturanteil von katholischer, evangelischer oder anderen Kirchen. Der Staat subventioniert damit in- bis direkt bestimmte Religionen. Mit Blick darauf, dass eine kulturwissenschaftliche und komparatistische Religionswissenschaft nur mit bis zu einem Dutzend Lehrst√ľhlen in Deutschland vertreten ist, w√§hrend die Theologien hunderte von Lehrst√ľhlen besetzen, geht es nicht um kleine Summen. In Heidelberg kommen auf circa 700 Studierende theologischer F√§cher 13 Professoren. Andere F√§cher k√∂nnen von einer derartigen Versorgung und Betreuungsrelation nur tr√§umen. Weshalb leistet sich der Staat konfessionelle Theologie? Eine andere theologische Forschung, die √ľberkonfessionell oder interreligi√∂s gedacht wird, steht auf einem anderen Blatt. Weshalb finanzieren die Religionsgemeinschaften ihre Theologien nicht selbst oder wird nicht √ľber kooperative Modelle nachgedacht, die diesen Namen auch verdienen? Was macht Theologie mehr als Altphilologie, Geschichte und Religionswissenschaft? Geht es allein um die Versorgungsanspr√ľche von Akademikern, die eine gute Lobbyarbeit betreiben? Religionen stehen unter dem Generalverdacht der Radikalisierung oder des Fundamentalismus, wenn sie ohne eine staatlich finanzierte Theologie oft als unf√§hig betrachtet werden den eigenen Glauben zu reflektieren. Der Staat wird zum Finanzier eines Anspruches an Wissenschaft und Methode, der in den Religionen grunds√§tzlich nicht zu finden sein soll. Ohne staatliche Theologie keine staatskonforme Religion? Dies geht oft nahtlos in eine funktionalistische Sichtweise √ľber, wenn theologischen Fakult√§ten die alleinige Kompetenz im Umgang mit Religionen zugesprochen wird. Die theologische Forschung wird auf Ethik, Dialogtheologie und einen vermeintlich sozialen Nutzen reduziert. Theologie wird zudem zum vermeintlichen Hort bis Wertstoffhof besonderen kulturellen Gedenkens, wenn Europ√§ische Religionsgeschichte auf Christentums- bis Kirchengeschichte verengt wird und die eigene Nation wie Kultur(en) unter eine solche Deutung gestellt werden. Nicht zuletzt schl√§ft es sich besser, gerade in Rechts- wie Medizinwissenschaft, wenn die Theologie noch ein wenig den Glauben an eine transzendente oder metaphysische Ordnung aufrecht erhalten darf. Wird das der theologischen Forschung und den Wissenschaftlern gerecht? Mit der staatlichen Finanzierung von strukturell-konfessioneller Theologie wird diese doppelt korrumpiert: Auf der einen Seite m√ľssen staatliche Anspr√ľche erf√ľllt werden, auf der anderen Seite regieren die Religionsgemeinschaften und vor allem die Amtskirchen

mit hinein in die Universit√§t. Das bekommen Theologen mitunter am eigenen Leib zu sp√ľren, wenn es um die Besetzung von Lehrst√ľhlen geht, siehe Hasenh√ľttl und L√ľdemann. Die Politik ist da schnell mit dem Latein am Ende, verbleibt eben bei dem Verdacht, dem Funktionalismus und dem schlechten Gewissen. Laizisten kritisieren diese Verh√§ltnisse und fordern das Ende dieser staatlich gef√∂rderten Korruption von Religion wie Wissenschaft. Eine staatliche Finanzierung von Theologie ist dann Staatstheologie oder Ideologie, wenn nicht auch die wissenschaftliche Lobbyarbeit, die Versorgungsinteressen bis hin zu Religionslehrern und die negativen Folgen f√ľr das Arbeitsrecht und die Arbeitsverh√§ltnisse kritisch betrachtet werden. Staatsaufgabe ist es p√§dagogische, kulturelle und wissenschaftliche Arbeit zu finanzieren, aber nicht religi√∂se Strukturen. Nicht einmal Wissenschaftsreligi√∂se! Die Entscheidung in Bezug auf die Einrichtung von theologischen Zentren f√ľr Islamische Studien setzt diese problematischen Verh√§ltnisse nur fort. Jeder Religion oder Weltanschauung eine Theologie auf Staatskosten? Das w√§re wenigstens fair, aber eine s√§kulare, multireligi√∂se und plurale Gesellschaft sollte mehr Vertrauen, Autonomie der √úberzeugungen und der Wissenschaft ‚Äď kurz laizistische Politik ‚Äď wagen.

   

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