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 Feuilleton
15.07.2013

Eine Kohlr√ľbe f√ľr Emil Gumbel?

Der Heidelberger NS-Gegner und Mathematiker Emil Julius Gumbel droht, in Vergessenheit zu geraten. Eine Gruppe will das nun ändern

Studenten wollen ihm ein Denkmal setzen: Emil Gumbel. / Foto: Universitätsarchiv Heidelberg Signatur: UAH Pos I 01131, Jahr und Fotograf unbekannt.

Am 25. August 1933 war der j√ľdisch-st√§mmige Mathematiker Emil Julius Gumbel auf der ersten Ausb√ľrgerungsliste des NS-Regimes. Der Grund war sein politisches Engagement, sicherlich aber auch, dass er nach der Nazi-Rassenlehre ein Jude war.

Unter anderem hat er in seinem Werk "Vier Jahre politischer Mord" nachgewiesen, dass auf linker Seite zwischen 1918 und 1922 von 22 Morden 18 bestraft wurden, auf rechter Seite hingegen blieben von 356 Morden von Rechts 324 ungeahndet. Es folgten drei Verfahren wegen Landesverrats 1922, die 1924 eingestellt wurden. Am 27. Mai 1932 sagte Gumbel, dass eine Kohlr√ľbe ein besseres Denkmal f√ľr die Gefallenen des 1. Weltkrieges sei, als eine leicht bekleidete Jungfrau mit einer Siegespalme in der Hand. Im Winter 1917/18 war die Kohlr√ľbe das Hauptnahrungsmittel, als 700.000 Deutsche dem Hungertod zum Opfer fielen. Auf Druck rechter Studenten wurde er daraufhin entlassen. Gumbel begab sich noch im selben Jahr nach Frankreich. 1940 emigrierte er nach Amerika. Er entging so seiner Ermordung, als in seiner Abwesenheit 1933 sein Haus gepl√ľndert wurde. 

Nach dem Krieg bem√ľhte sich Gumbel vergeblich um eine Stelle in Heidelberg, obwohl er die entsprechende Qualifikation hatte: Von 1930 bis 1932 war er au√üerplanm√§√üiger Professor in Heidelberg. So erklagte er sich 1956 die Rente eines Ordinarius. In dem Verfahren √ľberzeugte er den Kultusminister Baden-W√ľrttembergs, dass er ohne die NS-Zeit auch berufen worden w√§re. Als Wissenschaftler rehabilitiert wurde er erst 25 Jahre nach seinem Tod auf einer Gedenktagung 1991.

An der Universit√§t Heidelberg findet aber jemand, der von Gumbel noch nichts geh√∂rt hat, keinen Hinweis auf ihn. Von dem nationalsozialistischem Nobeltreistr√§ger und Begr√ľnder der "Arischen Physik" Philipp Lenard hingegen h√§ngt in der Alten Universit√§t ein Bild. Seine dunkle Vergangenheit wird aber erw√§hnt. Auf einer Gedenktafel f√ľr Heidelberger Wissenschaftler, die von den Nationalsozialisten vertrieben wurden, fehlt Gumbels Name.

Im Januar fragten wir daher beim Rektorat an, ob man 80 Jahre nach seiner Ausb√ľrgerung die Erinnerung an Gumbel beispielsweise durch ein Denkmal bewahren m√∂chte. Damals hie√ü es, man wolle es nicht von oben vorgeben. Es m√ľsse aus der Mitte der Universit√§t kommen. Auf eine andere Weise w√ľrde man Gumbel nicht gerecht werden. 

Inzwischen setzt sich eine Gruppe von Studierenden der Fachschaften Philosophie und MathPhys daf√ľr ein: "Gumbel hat in den R√§umen des heutigen Philosophischen Seminars Statistik gelehrt, daher m√∂chten wir in der Philosophie und in der Mathematik H√∂rs√§le nach ihm benennen, um die Studierenden auf ihn aufmerksam zu machen", so Cornelia Domino. "Am 9. Juli hatten wir sehr positive Gespr√§che mit dem Heidelberger Kulturamt, um f√ľr ihn ein Denkmal zu errichten oder eine Plakette an einem historisch relevanten Ort anzubringen", erg√§nzt Erkut Ercetin (beide Fachschaft Philosophie). Die Studierenden wollen solche Orte recherchieren. Das Kulturamt wird die formalen Fragen kl√§ren und in einem Wettbewerb ausschreiben, wer das Denkmal oder die Plakette anfertigt. 

F√ľr die Umbenennung der H√∂rs√§le und der interfakult√§ren Tagung m√∂chten sie nun mit der Universit√§t und den Fakult√§ten Kontakt aufnehmen. Die Fachschaft MathPhys schl√§gt zudem eine interfakult√§re Tagung vor.

von Ziad-Emanuel Farag
   

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