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 Feuilleton
03.06.2013

Lebendig vom Tod erzählt

Ausstellung in der Unibibliothek zeigt, wie sich die Anatomie in Heidelberg von der Fr√ľhen Neuzeit bis zur Gegenwart entwickelt hat

Historischer Anatomieatlas aus dem Bestand der Universit√§tsbibliothek: Tafel aus Friedrich Tiedemanns ‚ÄěTabulae arteriarum corporis humani‚Äú, 1822. / Foto: Universit√§tsbibliothek Heidelberg.

"Schwarzer Jonas" ist sein Name, und zu Lebzeiten hat er an der Seite des R√§uberhauptmanns "Schinderhannes" Angst und Schrecken verbreitet. Nun ist der "Schwarze Jonas" ein Skelett und zusammen mit rund 140 anderen Exponaten in einer Ausstellung der Universit√§tsbibliothek Heidelberg und dem Institut f√ľr Anatomie und Zellbiologie zu bestaunen.

√Ąhnlich ereignisreich wie das Leben des 1803 hingerichteten Verbrechers verlief auch die Geschichte der Anatomie. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts etablierte sich die Lehre vom menschlichen K√∂rper an der Seite der modernen Naturwissenschaften in Heidelberg. Der erste Lehrstuhl entstand 1805. Zu dieser Zeit lehrte der Ordinarius Jacob Fidelis Ackermann noch in einem Dominikanerkloster, bevor das Anatomische Institut 1849 in die Innenstadt und mehr als hundert Jahre sp√§ter ins Neuenheimer Feld umzog. Seine und die Ver√∂ffentlichungen anderer Institutsleiter bilden einen wesentlichen Teil der Sammlung.

Ackermann war es auch, der den "Schwarzen Jonas" mit einem Seziermesser pr√§parierte. Heutzutage haben Elektronenmikroskopie und Computertomographie den Erkenntnisstand der Forschung ma√ügeblich erweitert. In Erfahrungsberichten erz√§hlen Medizinstudenten von ihrer Ausbildung und vom Umgang mit Leichen ‚Äď f√ľr manche die erste Begegnung mit dem Tod.

Betrachten kann der Besucher zudem Feuchtpr√§parate von der Niere bis zum Gehirn. Dank der freiwilligen K√∂rperspende, die Mitte der 1960er Jahre eingef√ľhrt wurde, ist es f√ľr Mediziner heute vergleichsweise einfach, an die ben√∂tigten Organe zu gelangen. Dass dies nicht immer der Fall war und der Anatomie noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein schlechter Ruf anhaftete, ist in der Ausstellung ausf√ľhrlich thematisiert.

So wurden einst die sterblichen Überreste jener Menschen zu Studienzwecken zerlegt, die sich am Rande der Gesellschaft bewegten: Kriminelle, Obdachlose, Selbstmörder. Da der Großteil der Bevölkerung abergläubisch war und an ein Leben nach dem Tod glaubte, hatte die Anatomie als Lehre einen schweren Stand.

Dabei war das Interesse am menschlichen K√∂rper bedeutend fr√ľher geweckt und zu Papier gebracht worden. Verdeutlicht wird das an einer Reihe anatomischer Illustrationen von da Vinci bis hin zu Borgery, beide Pioniere auf dem Gebiet der Humanforschung. "Hier freut sich der Tod, dem Leben zu helfen. Die Anatomie in Heidelberg gestern und heute" informiert anschaulich √ľber ein ebenso faszinierendes wie sensibles Thema, das dem Besucher trotz des unmittelbaren Bezugs oft fremd ist.

 


"Hier freut sich der Tod, dem Leben zu helfen. Die Anatomie in Heidelberg gestern und heute."

Universitätsbibliothek Heidelberg

Noch bis 16. Februar 2014

Eintritt frei

von Christina Mikalo
   

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