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 Feuilleton
14.06.2013

√úbersetzen? ...Das ist doch einfach!

Die √úbersetzertage zeigen, wie wichtig der Mensch in der √úbersetzung ist

Automatisierte √úbersetzungsdienste bieten meist Anlass zur Erheiterung, aber selten korrekte √úbersetzungen. / Screenshot: Paul Eckartz.

Als Student des Instituts f√ľr √úbersetzen und Dolmetschen muss man sich leider immer wieder anh√∂ren, wie einfach das √úbersetzen doch sei. Die 9. Baden-W√ľrttembergischen √úbersetzertage haben wieder einmal bewiesen, dass es nicht so ist und dass √úbersetzer auch in Zukunft nicht von einer Maschine ersetzt werden k√∂nnen.

"Achtung Wortwechsel" war das diesj√§hrige Motto der Baden-W√ľrttembergischen √úbersetzertage, die vom 12.-17. Mai mit zahlreichen Veranstaltungen in Heidelberg aufwarteten. Organisiert wurden sie vom Institut f√ľr √úbersetzen und Dolmetschen (I√úD), der Stadtbibliothek und dem Freundeskreis literarischer und wissenschaftlicher √úbersetzungen.

Was macht die Qualität einer guten Übersetzung aus?

T√§glich wurde sie von ihren √úbersetzern kontaktiert, weil W√∂rter wie "Maultaschen" oder "Pipikram" erkl√§rt werden mussten. Die Krimiautorin Ingrid Noll und zwei ihrer internationalen √úbersetzer diskutierten unter anderem die Frage, inwieweit der Text der Zielkultur angepasst werden muss. Der Text darf auf keinen Fall zu weit hergeholt werden, dennoch muss ihn die fremde Kultur verstehen k√∂nnen.

Die Qualit√§t einer √úbersetzung h√§ngt au√üerdem davon ab, ob der Sinn des Originaltextes vermittelt wurde. Des Weiteren muss man auf Vollst√§ndigkeit achten, nah am Ausgangstext bleiben, die Form und den Zweck ber√ľcksichtigen, die Stilebene beibehalten und genau arbeiten. Selbst wenn beim √úbersetzen immer etwas verloren geht, so k√∂nne eine tolle √úbersetzung oft besser als das Original sein, sagte Norbert Greiner, √úbersetzungswissenschaftler und ehemaliger Prorektor der Universit√§t Heidelberg.

Welche Schwierigkeiten treten beim √úbersetzen auf?

Er √ľbersetzt Comics vom Franz√∂sischen ins Deutsche und ist seit 2004 der offizielle √úbersetzer von "Asterix und Obelix": Klaus J√∂ken sprach in seinem Vortrag √ľber die Besonderheiten bei der √úbertragung von Comic-Texten von Albert Uderzo. Besonders schwierig ist es, die zahlreichen Gags zu √ľbersetzen. Auch wimmelt es nur so von Zitaten aus Kunst und Kultur, Anspielungen auf bekannte Gem√§lde, Filmszenen und historische Pers√∂nlichkeiten. Eine Anspielung findet sich zum Beispiel beim Dorf-H√§uptling Majestix. Er nimmt die Haltung von Ludwig XIV. ein und sagt: "Das Dorf bin ich."

Studenten des I√úD trafen die Berliner Illustratorin Aisha Franz. Sie unterhielten sich √ľber die Herausforderungen, denen ein √úbersetzer gegen√ľbersteht, wenn er ihre Graphic Novel "Alien" √ľbersetzt. Da w√§re zum Beispiel die Lautmalerei. Das Lachen im Spanischen klingt anders als im Deutschen, spanische Tierlaute unterscheiden sich von deutschen Tierlauten. Hinzu kommt, dass die Worte in die Sprechblase passen m√ľssen.

Warum wird immer wieder neu √ľbersetzt?

Der "Medlar tree" (Mispelbaum). "Medlar" klingt wie "meddle" im Englischen und dieses Wort bedeutet "rumknutschen" oder "rumfummeln". Wenn also gesagt wurde: "Du John, ich habe gestern deinen Bruder unterm 'Medlar tree' gesehen", dann war klar, was damit gemeint war. Diese Wortspiele ins Deutsche zu √ľbersetzen, kann einem Kopfschmerzen bereiten. Seit den 1970er Jahren √ľbersetzt Frank G√ľnther das Gesamtwerk von Shakespeare. In seinem Vortrag zeigte er dem Publikum, wie er arbeitet und wie viel Geschick und Nervenzellen es braucht, um Shakespeare, der viel versauter ist, als wir angenommen haben, ins Deutsche zu √ľbersetzen. Der erste √úbersetzer der Shakespeare-Dramen, Christoph Martin Wieland, zog es vor, viele Fu√ünoten hinzuzuf√ľgen, in denen er darauf hinwies, dass er die ordin√§re Sprache von Shakespeare nicht √ľbersetzen k√∂nne und deshalb einige Ausdr√ľcke weglasse. Fu√ünoten sind heutzutage verp√∂nt, und wenn man den Drang nach solchen Auslassungen versp√ľrt, dann nennt man das in √úbersetzerkreisen "den Wieland machen."

"Romeo ist das größte Ferkel der Weltgeschichte", kommentierte Greiner. Aber weil Übersetzungen immer dem Design der Kultur unterliegen, wurde Romeo eben zum braven Romantiker. Übersetzungen sind auch immer subjektiv und zeitgebunden, gerade deshalb gibt es immer wieder neue Übersetzungen.

Welche Bedeutung haben √úbersetzer in unserer Kultur?

Eine gute Übersetzungsleistung hat so manchen Text zum Klassiker gemacht, der es vorher nicht war und vielleicht nicht geworden wäre. Trotzdem merkt man sich nur selten den Namen des Übersetzers.

√úbersetzer bauen Br√ľcken zwischen Kulturen, Br√ľcken von der Fremdsprache zur Muttersprache und Br√ľcken zwischen Autoren und Lesern. Doch obwohl √úbersetzer im Zentrum des kulturellen Geschehens stehen, wird ihre Arbeit oft schlecht bezahlt. Vor allem Literatur√ľbersetzer sind am Anfang weit unten auf der Gehaltsliste zu finden. Ganz anders sieht die Bezahlung im wirtschaftlichen oder technischen Bereich aus. Hat man sich auf einen dieser Bereiche spezialisiert, kann man damit durchaus eine Familie ern√§hren.

Schlie√ülich kann man sagen, dass √úbersetzer und vor allem Literatur√ľbersetzer auch in Zukunft nicht von Maschinen ersetzt werden k√∂nnen, auch wenn die √úbersetzungstechnik schon weit fortgeschritten ist. 

Auf spannende Weise konnten die √úbersetzertage eines zeigen: Es geh√∂rt viel dazu, wenn man professionell √ľbersetzen will. Der Arbeit von √úbersetzern mehr Wertsch√§tzung entgegenzubringen, das war die Botschaft der √úbersetzertage, die Andrew Jenkins, Dozent am I√úD in einem gelungenen wilhelmischen Reim zusammenfasste: "Wer in Dorfe oder Stadt einen Dolmetschauftrag hat, der vergebe ihn an Profis, weil alles andere doof ist!"

von Sandra Hadenfeldt
   

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