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 Heidelberg
29.04.2011

Hosianna in der Höhe

Zweiter Teil der ThingstÀtten-Historie

Steil und wasserarm ist der Heiligenberg. Dennoch lebten jahrtausendelang Menschen auf diesem Berg. Die zu drei Seiten abfallenden HĂ€nge bieten Schutz vor Angreifern und ideale Voraussetzungen fĂŒr eine Befestigung.

Erstmals erschienen am 16. Juni 2003, in der ruprecht Ausgabe 84

Steil und wasserarm ist der Heiligenberg. Das weiß jeder, der schon einmal die Heerscharen junger Menschen zur Walpurgisnacht mit ihren GetrĂ€nkekisten zum Gipfel pilgern sah. Und dennoch lebten jahrtausendelang Menschen auf diesem Berg. Die zu drei Seiten abfallenden HĂ€nge bieten Schutz vor Angreifern und ideale Voraussetzungen fĂŒr eine Befestigung.



Nicht nur die Kelten wussten die exponierte Lage zu nutzen. Auch in den folgenden Jahrhunderten kam dem Heiligenberg besondere Bedeutung zu. „Mercuriusberg“ nannten die Römer den Heiligenberg nach ihrer KultstĂ€tte, dem Tempel zu Ehren des Gottes Merkur auf der hinteren Kuppe. Mit den Römern verschwand auch der Name des Berges. Um den Tempel herum entstand im frĂŒhen Mittelalter die Karolingische „Aberinsburg“ auf dem nun als „Aberinsberg“ bekannten Heiligenberg.

Mit der Schenkung des Berges samt dem Königshof an die Benediktinerabtei Lorsch im Jahre 882 wurde die Burg zu einer Kirche ausgebaut. Der Erzengel Michael wurde zum Patron der Kirche, die 1025 mit einem weiteren Umbau zum St. Michaelskloster wurde. Im 13. Jahrhundert ĂŒbernahm der Mainzer Erzbischof die Macht ĂŒber die Abtei Lorsch und besetzte St. Michael mit PrĂ€monstratensern von Allerheiligen im Schwarzwald. So wurde aus dem „Aberinsberg“ der „Allerheiligenberg“, woraus der Name „Heiligenberg“ entstand.

Die letzten drei Mönche von St. Michael sollen 1503 von einem umstĂŒrzenden Glockenturm erschlagen worden sein. Das Kloster ging in die HĂ€nde der UniversitĂ€t ĂŒber, die es 1589 zum Abbruch frei gab. Bei Bauarbeiten im September 1968 kratzten die Arbeiter eine Bleikapsel aus den Fugen der Klostermauer und warfen sie achtlos weg. SpaziergĂ€nger entdeckten das unscheinbare StĂŒck und öffneten es. Im Inneren funkelten acht GoldmĂŒnzen.

Auf der vorderen Kuppe des Berges zeugen die Ruinen des Klosters St. Stephan vom Leben der Mönche. Bei AufrĂ€umarbeiten im Jahre 1932 entdeckte man hier das Grab der Hazecha wieder. Ihr Mann, der Ritter Ricfried, hatte dem Kloster einen Großteil seines Besitzes ĂŒbergeben, bevor er zu einem Kreuzzug aufbrach. Vermutlich kehrte er nicht zurĂŒck. Zum Dank fĂŒr seine Spende erhielt seine Witwe ihr Grab im Westchor der Kirche.

Den Grundstein fĂŒr das Kloster legte im Jahre 1090 der Benediktinermönch Arnold. Er erbaute eine kleine Klause mit Kapelle und stiftete ihr seinen Grundbesitz. Abt Anselm aus Lorsch unterstĂŒtzte diese NeugrĂŒndung und ließ sie zu einem Kloster ausbauen. Doch wie beim Großen Bruder St. Michael schwand auch hier Mitte des 16. Jahrhunderts das Leben aus den alten Mauern. Als letzter Mönch wird 1550 ein Bruder Moritz genannt.

Danach dienten die Mauern von St. Stephan als Baumaterial fĂŒr andere GebĂ€ude. Mit dem Ende der Klosterzeit kehrte vorlĂ€ufig Ruhe auf dem Heiligenberg ein. Bis in die Neuzeit sind die Klosterruinen und die von den Nationalsozialisten erbaute ThingstĂ€tte beliebte Ausflugsziele.



von Rahel BrÀuer
   

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