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 Feuilleton
03.05.2010

„Meister und Margarita“ als Denkanstoß

Eine BrĂĽcke zwischen Stalinismus und deutscher Jetztzeit

Die Vorstellung findet in einem kargen Lkw statt, das Publikum sitzt anstelle von bequemen Stühlen auf Pappkartons – Anspielung auf die Enge und Wohnungsnot im stalinistischen Moskau und im heutigen Heidelberg.

Die Vorstellung findet in einem kargen Lkw statt, das Publikum sitzt anstelle von bequemen Stühlen auf Pappkartons – Anspielung auf die Enge und Wohnungsnot im stalinistischen Moskau und im heutigen Heidelberg.

Regisseur Michael Schwyter schafft es, in seinem Figurentheater nach Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“ eine BrĂĽcke zwischen dem Russland des Stalinismus und unserer Zeit zu schlagen.

Sein 1966 erschienener Roman, übt scharfzüngige Kritik an den damaligen Zuständen. Mehrere Handlungsstränge, eine Neuinterpretation der Jesusgeschichte und eine Teufelsgeschichte sind ineinander verwoben. Schwyter verbindet Autobiographie, Magie und Geschichte sind miteinander und erzählt eine subtile Satire des damaligen Russland.

Diese vielschichtigen Handlungsebenen sowie die überbordende Themen- und Charaktervielfalt in Bulgakows Roman zwangen Schwyter dazu, anstelle eines Ensembles mit Puppen zu arbeiten. Doch gerade die Puppen ermöglichen es, die phantastische Erzählweise des Romans zu transportieren und verleihen dem Ausdruckskraft.

Thematisch traf Schwyter eine kluge Auswahl und konzentrierte sich auf den Meister als SchlĂĽsselfigur, den er auch selbst auf der BĂĽhne darstellt. Des Meisters Roman ĂĽber die Kreuzigung Jesu trifft im sowjetischen Moskau auf Ablehnung. Der Meister wird unheilbar geisteskrank. Einzig seine Geliebte Margarita hält zu ihm. Der Teufel Voland - als Anspielung auf Goethes Faust gedacht - mischt die starre Sowjet-BĂĽrokratie auf und verhilft dem Meister zur erneuten Freiheit. Die psychische Krankheit hat den Meister jedoch im Griff, sodass er ein gebrochener Mann bleibt.

Die Frage, die auch Bulgakow Zeit seines Lebens beschäftigte, ist für Schwyter Schnittstelle zwischen damaliger UdSSR und heutigem Deutschland: Wenn es Gott nicht gibt, wer zieht dann in unserem Leben die Fäden?

Trotz der ernsthaften Thematik kitzelt Schwyter oft genug Lacher aus dem Publikum. Die Inszenierung bliebt stets heiter-surreal. Das Stationen-Theater im zweiten Akt, bei dem das Publikum hinter der BĂĽhne durch das Opernzelt gefĂĽhrt wird, bindet den Zuschauer in das StĂĽck mit ein. Die Inszenierung von „Meister und Margarita“ bleibt nicht bei einem bloĂźen TheaterstĂĽck, sondern wird zum Erlebnis.



Weitere Vorstellungstermine sind am 3. und 11. Mai 2010 im Heidelberger Opernzelt

von Fiona Byrne
   

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