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12.12.2011

Es war einmal ... der Ziehank

Nachruf auf eine Universitätsbuchhandlung

Screenshot von www.ziehank.de

Die gute alte Universitätsbuchhandlung gibt es nicht mehr: Was ehemals „Ziehank“ war, nennt sich nun vertrauenswürdig-grün „lehmanns media“, und es müssten schon Wunder geschehen, wenn mit den Buchstaben über der Tür nicht auch die guten alten Zeiten verschwänden. 

Das Gute bleibt? Das war zu hoffen, schließlich gehört die ehemalige Qualitätsbuchhandlung schon seit einigen Jahren zum Buchmarktriesen. Doch mit dem Umbau folgte der Tragödie zweiter Teil: Die alte Theke ist jetzt ein „Counter“, durchs Angebot schwirren „E-Books“ und „E-Journals“, und der Kunde, austauschbar wie das neue Design, sammelt fleißig Premium-Treue-Super-Mega-Bonus-Punkte.

Doch wollen wir nicht in allgemeinen Kulturpessimismus verfallen. Schließlich kennen wir die Ursachen dieser scheußlichen Entwicklung: It’s the economy, stupid! Man muss eben mit der Zeit gehen (grün), dem Fortschritt folgen (Öffnungszeitenverkürzung), die Massen bedienen (Jura-Ecke). Wir hätten es wissen müssen: Immer fängt es mit einer harmlosen Verkaufsflächenminimierung an – und am Ende sieht doch alles aus wie bei Thalia.

Noch drei Wochen, und die Regale zieren Plüschhäschen und Aloe-Vera-Seifen ... Oh, die gibt es ja schon. Doch seien wir ehrlich: Einmal muss es vorbei sein. Und so wollen wir uns einreden: Da war nichts mehr zu machen, lange schon krankte der Patient, das Ende war absehbar. Vielleicht ist es sogar besser so! – Ruhe in Frieden, Universitätsbuchhandel – Vergangenheit, seit 2011. Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir abzusehen.

von Kai Gräf
   

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