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 Feuilleton
15.12.2012

Der Alltag als Inspiration

Auf Weihnachtslesereise mit dem Autor und Kolumnisten Jan Weiler

Jan Weiler: „Ich bin nie im Off-Modus.“ / Foto: Enno Kapitza

AnlĂ€sslich seiner Lesung in der Alten Feuerwache sprachen wir mit Jan Weiler, Autor von „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ und ehemaliger Chefredakteur des SZ-Magazins, ĂŒber seine Inspirationsquellen, die Zukunft der Zeitung und frittierte Marsriegel.

Das GesprĂ€ch fĂŒhrten Anna Vollmer und Vanessa Romanowski

Herr Weiler, auf Ihrer Lesereise sind Sie stÀndig in anderen StÀdten. Verhalten sich die Menschen von Region zu Region im Weihnachtsrausch unterschiedlich?

Nein, gar nicht. Das liegt daran, dass man heutzutage ĂŒberall die gleichen Ladenketten findet. In der Mannheimer Innenstadt kannst du den gleichen Kram kaufen wie in Koblenz, Jena oder Pinneberg. Sonst gibt es immer noch das Internet. Damit kann ich mir selbst auf der SchwĂ€bischen Alb Hipster-American-Apparel-Klamotten bestellen.


In Ihrer Lesung geht es auch um „Trends“ auf WeihnachtsmĂ€rkten. Was ist denn aktuell angesagt?

In Bremen und Erfurt habe ich frittierte Marsriegel gesehen. Das schmeckt angeblich super. Ich weiß, dass es das in Amerika auch gibt, da frittieren sie sogar Butter. Wenn man dann in die Butter mit frittiertem Mantel beißt, lĂ€uft einem das geschmolzene Zeug entgegen.


Sie haben einen Blick fĂŒr ungewöhnliche Kleinigkeiten, die Sie in Ihren Kolumnen verarbeiten. Sehen Sie die Welt stĂ€ndig als potentielle Geschichte?

Ja, das ist ganz schön anstrengend. Ich bin nie im „Off-Modus“. Eigentlich mĂŒsste ich mir morgen frĂŒh die Lokalzeitung kaufen und sie beim FrĂŒhstĂŒck lesen, da fĂ€nde sich mit Sicherheit etwas Komisches, worĂŒber man schreiben könnte.


Empfinden Sie die kreative Freiheit als Autor im Vergleich zu Ihrer frĂŒheren Arbeit als Chefredakteur beim Magazin der SĂŒddeutschen Zeitung als Erleichterung?

Ja, absolut. Ich wĂŒnsche es mir nicht anders. Ihr im Journalismus habt die schwere Aufgabe, wenigstens an der Wahrheit entlang zu schreiben. Ich kann mit meinen Figuren machen, was ich will: Ich kann sie umbringen, zu Königen machen, ich kann sie Humor haben oder miesepetrig sein lassen, wie es mir gefĂ€llt. Das ist ein ganz großes Privileg. Ich kann nur jedem dazu raten, es auszuprobieren. ErzĂ€hle eine Geschichte und erzĂ€hl sie gut, darauf kommt es an. Ich erzĂ€hle ja auch nicht von mir, sondern von meiner fiktiven Familie.


Trotzdem verwechseln viele Leser Ihre fiktive Familie mit Ihrer echten.

Klar, aber das stört mich nicht. Die Leute sitzen in der Lesung und denken sich: „Hey, das ist ja wie bei uns!“. Dadurch fĂŒhlen sie sich unterhalten, das ist der Sinn der Sache.


In unserer aktuellen Ausgabe beschÀftigen wir uns unter anderem mit Printmedien. Wie wichtig ist Ihnen die Zeitung?

Die Zeitung finde ich essentiell. Zum einen glaube ich wirklich, dass es sich lohnt, Sachen auf Papier zu lesen, weil man dafĂŒr eine andere WertschĂ€tzung hat als fĂŒr rein digitale Dinge. Zum anderen ist es so, dass wir alle von dem, was wir machen, leben mĂŒssen. Die Dinge lassen sich auf Papier entschieden besser verkaufen, da man fĂŒr Gedrucktes traditionell Geld zahlt. Ich kann mein Zeug nicht verschenken, deshalb schreibe ich keinen Blog. Wenn ich Texte, an denen ich sehr lange sitze, im Internet gratis zur VerfĂŒgung stelle, verrate ich meinen Beruf.
Ich verschenke nichts, was mit meinem Job zu tun hat.


Wie wichtig ist Ihnen die Zeitung abgesehen vom finanziellen Aspekt?

Ich komme nicht von der Holzindustrie. GĂ€be es ein gutes Verwertungsmodell fĂŒr digitale Medien, hĂ€tte ich auch kein Problem damit, wenn es in 25 Jahren keine Zeitungen mehr gĂ€be. Trotzdem mag ich persönlich Zeitungen. Ich raschle gerne damit rum, lese sie auf der Couch, und wenn der Stapel auf dem Boden immer grĂ¶ĂŸer wird, ist das doch großartig.


Eine letzte Frage noch: Was sind Ihre LieblingsplÀtzchen?

Ich bin ein großer Fan von Zimtsternen und Vanillekipferln.

   

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