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 Leserbriefe
16.12.2012

ÔÇ×Der Wirtschaft ist nicht gedientÔÇť

Leserbrief zu 17-J├Ąhrigen an der Universit├Ąt in Ausgabe 141

Montagmorgen, 10 Uhr: Ich sitze in meinem kleinen Zimmer im Studentenwohnheim und ├╝berlege mir, in welche Vorlesungen ich heute gehe, aus welchem Fachbuch ich lerne und was ich heute Abend kochen werde.

Doch lie├če man mir wirklich die hoch angepriesene Freiheit meines neuen Lebens, w├╝rde ich gerade in der Mathestunde sitzen, mit meiner Banknachbarin ├╝ber den s├╝├čen Typ aus der Stra├čenbahn kichern, mein Textreferat f├╝r das Fach nach der Pause vorbereiten, Apfelschorle trinken und auf die entnervte Frage meines Lehrers ÔÇ×Vielleicht kann uns ja die Fiona sagen, was da rauskommt?ÔÇť lachend antworten: ÔÇ×Ich muss jetzt aber das Referat machen, sehen Sie dochÔÇť, und nach einem kurzen Blick auf die Tafel, ÔÇ×Die L├Âsungen sind eins und vier.ÔÇť

Mit dem Beginn des Studiums ist alles Vertraute auf einmal verschwunden: Man lebt nicht mehr bei den Eltern, die besten Freunde wohnen hunderte Kilometer entfernt und die Rolle, die man in der Schule innehatte und die man ohne Anstrengungen spielte, ist zerfallen. Stattdessen kann oder muss man nun alles selbst entscheiden, sich aus 30.000 potenziellen Freunden die richtigen aussuchen und nebenher auch noch gewaltige Mengen an Stoff lernen.

Und das ausgerechnet in einem Alter, in dem man nicht nur f├╝r Kleinigkeiten wie den Bibliotheksausweis die Unterschrift der Eltern braucht und im Allgemeinen nicht als m├╝ndig gilt, sondern in dem auch die eigene Identit├Ąt noch nicht gefestigt und man st├Ąndig auf der Suche nach sich selbst ist. 

Ich wei├č schon jetzt, dass ich mein Studienfach, f├╝r das ich mich w├Ąhrend meines Abiturs, also mit 16 Jahren, entschieden habe, wechseln werde. Denn meine Werte und Vorstellungen, die ich von meiner eigenen Zukunft habe, meine Interessen, sie alle ├Ąndern sich jeden Tag. Zwar nicht immer so grundlegend wie im Bereich meines Studienfachs, aber doch stetig. Die Annahme, es w├Ąre m├Âglich, das Studium, f├╝r das man sich im Alter von 16 Jahren entschlossen hat und das man mit 17 beginnt, mit 22 genauso gl├╝cklich und ├╝berzeugt abzuschlie├čen, wie man sich daf├╝r entschieden hat, ist meiner Meinung nach eine ├Ąu├čerst absurde Idealvorstellung.

Au├čerdem sollte man anf├╝gen, dass das Abitur mit 16 oder 17 Jahren meist nicht grundlos erfolgt: Es handelt sich um Jugendliche, die vielseitig interessiert sind, h├Ąufig sehr gute Noten haben, ein ehrgeiziges Elternhaus besitzen und/oder selbst sehr wissbegierig sind. Dies alles spricht daf├╝r, dass ein Gro├čteil von ihnen und ich schlie├če auch mich selbst nicht aus, durchaus in Betracht ziehen d├╝rfte, nach dem ersten Studium ein zweites zu absolvieren.

Mit 17-J├Ąhrigen an der Universit├Ąt ist damit in meinen Augen der Wirtschaft nicht gedient. Ob ein Studium dennoch sinnvoll ist, h├Ąngt dabei sicherlich von dem individuellen jungen Menschen ab.

von Fiona Rupprecht (17 Jahre)
   

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