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 Leserbriefe
28.11.2012

Gender sells!?

Leserbrief zu "Gendern: Muss das sein?" in Ausgabe 140

Vielen Dank an Herrn Farag und Herrn Gr√§f f√ľr die in ihren Artikel gemachten Aussagen. Wir, die uns f√ľr eine deutschlandweite Initiative der "Hochschulsekret√§rinnen" engagieren, m√∂chten diese Vorlagen nicht ungenutzt lassen. 

 Herr Farag erw√§hnte in seinen drei Beispielen f√ľr einen typisch weiblichen und schlecht angesehenen Beruf die "Sekret√§rin". Sekret√§rin ist keine Berufsbezeichnung, sondern die Beschreibung einer Position innerhalb einer Gemeinschaft. Als diese Position seinerzeit eher noch von M√§nnern besetzt wurde, war sie auch hoch angesehen.

Die Liste der Clich√©s, die dieser jetzt fast exklusiven weiblichen T√§tigkeit immer noch anhaften, kommt direkt aus den 1950er Jahren und ist im kollektiven (Un)Bewusstsein tief verankert: doof, h√ľbsch und tippend mit lackierten N√§geln. Oder ins Alter gekommen, dann ist sie eher ein unbewegliches unfreundliches Monster mit riesiger Brille √† la Mona in dem Disney-Pixar-Film "Monster AG", das immer an die als unn√∂tig und sinnlos empfundenen Vorschriften (Berichte!) erinnert. 

Wie diskriminierend und einfach an der Arbeitswirklichkeit vorbei diese Verallgemeinerungen sind, wird hingegen selten mal angesprochen. Aber damit nicht genug. Versuchen sie einmal in die Suchmaschine Ihrer Wahl "Sekret√§rin" und "Video" und dann "Sekret√§r" und "Video" einzugeben (Anm. d. Red.: Wir haben der Einfachheit halber Google genommen). In einem Fall kommen pornografischen Seiten heraus, in dem anderen Fall wird √ľber Management-Kompetenzen informiert. Ja tats√§chlich, ein Sekret√§r ist sofort "Generalsekret√§r" zumindest aber doch ein mit unglaublich wichtigen Kompetenzen ausgestatteter Managementassistent. 

Schauen Sie sonst, in Fernsehzeitschriften zum Beispiel, in welchem Kontext das Wort "Sekret√§rin" erscheint, wenn bei der Zusammenfassung der Filme eine als Protagonistin erw√§hnt wird! F√ľr "Sekret√§r" gibt es √ľbrigens auch noch weitere Begriffe, da w√§ren ein seltener Vogel und ein M√∂belst√ľck. Daher vielen Dank f√ľr die Erw√§hnung, dass die m√§nnliche und die weibliche Form nichts mit Leistung zu tun haben.

Herrn Gr√§f danken wir f√ľr seine Erw√§hnung der um 22 Prozent geringeren Bezahlung von Frauen gegen√ľber M√§nnern. Auch gerade an den Universit√§ten spiegeln sich die gesellschaftlichen Vorurteile verst√§rkt durch die nun zwar etwas modifizierte Entgeltordnung, die trotzdem noch ein Relikt aus den 1970er Jahren ist. Sie ist immer noch bewiesenerweise frauendiskrimierend (es gab wissenschaftliche Untersuchungen dazu) und wird auch zudem noch oft wegen Unkenntnis, f√ľr die jeweils Betroffene m√∂glichst ung√ľnstig ausgelegt.

Eine gendergerechte Sprache hilft bei den Ungleichheiten da auch nicht weiter. Daher auch hier vielen Dank f√ľr die Erw√§hnung dieser Tatsache. So sind es √ľber die Universit√§ten hinweg gesehen bestimmt mehr als 22 Prozent.

Wir behaupten, es gibt wenig Stellen, die so viel √Ąnderungen in den letzten 30 Jahren erfahren haben, wie die der "Hochschulsekret√§rin". Nicht nur die Einf√ľhrung von modernen Techniken (Computer ...), sondern auch die Dezentralisierung, die ansteigende Einwerbung und damit h√∂here Arbeitsbelastung in der Verwaltung von Drittmitteln haben die Arbeitsverteilung innerhalb der Einrichtungen und besonders die Arbeitsschwerpunkte der dezentralen Verwaltungsangestellten komplett ge√§ndert. Umso mehr als sie oftmals eine der wenigen, wenn nicht die einzigen Kontinuit√§ten an einer Forschungseinheit sind.

Es sind aber genau diese st√§ndigen √Ąnderungen und die Aufgabenvielfalt, die den enormen Reiz dieser Arbeit ausmachen - trotz allem und nicht minder, weil wir auch direkt in Kontakt mit Ihnen stehen, liebe Studierenden.

von Tanja Pfeffer-Eckel, Uni Marburg und Catherine Proux-Wieland, Uni Heidelberg
   

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