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28.01.2013

Experimente an Herz und Nieren

Tierversuche für die Wissenschaft unterliegen strengen Auflagen

Studenten am Zoologischen Institut untersuchen das Herz-Nerven-System eines Frosches. / Foto: Xiaolei Mu.

Auch an der Ruprecht-Karls- Universität gibt es Tierversuche. Durchgeführt werden sie an der Interfakultären Biomedizinischen Forschungseinrichtung in enger Zusammenarbeit mit Tierschutzbeauftragten. Entlaufene Katzen sucht man hier also vergebens.

„Probleme mit Tierschützern hatten wir an der Interfakultären Biomedizinischen Forschungseinrichtung (IBF) noch nicht“, so Frau Dr. Chourbaji, eine der Tierschutzbeauftragten an der Universität Heidelberg. „Nur einmal wollte jemand wissen, wo denn die Katze seines Nachbarn sei.“

Doch diese Frage kann hier auch keiner beantworten: Denn zum einen gibt es an der IBF weder Hunde, noch Katzen oder Affen, zum anderen ist es verboten, Tiere aus „freier Wildbahn“ zu entnehmen.

Die IBF, die es mittlerweile seit zehn Jahren gibt, befindet sich im Neuenheimer Feld. Hier finden Tierversuche statt. Beschäftigt sind circa 60 Mitarbeiter, die sich hauptsächlich aus Tierpflegern, Technischen-  und Büroangestellten sowie Reinigungskräften zusammensetzen, auch gibt es Tierärzte und Biologen.

Viele von ihnen kommen mit den eigentlichen Tierversuchen gar nicht in Berührung und haben im Übrigen oft selbst Haustiere. Auch führt die IBF nicht etwa selbst Versuche durch, sondern sichert die Rahmenbedingungen. Chourbaji vergleicht sie in ihrer Funktion zum Beispiel mit einer „Bibliothek“, also einer Dienstleistungseinrichtung an der Universität, die die Wissenschaftler durch die Bereitstellung der entsprechenden Infrastruktur in ihrer Arbeit unterstützt.

Zur Zeit gibt es in der IBF rund 30?000 Mäuse, 200 bis 500 Ratten, circa 100 Frösche, etwa 20 Schweine und weniger als zehn Kaninchen. Die Mäuse werden im Haus gezüchtet, sie können auch von kommerziellen Züchtern „bestellt“ werden. Schafe und Schweine bezieht die IBF im Auftrag der Experimentatoren von Züchtern aus dem Rhein-Neckar-Kreis. Sofern die Tiere, wie Schafe oder Schweine nach den Versuchen schmerzfrei weiterleben können, werden sie nach einem Beobachtungszeitraum, der bis zu drei Jahre betragen kann, auf einem Bauernhof untergebracht. Getötete Ratten und Mäuse werden, wenn möglich, dem Zoo als Futter zur Verfügung gestellt.

Die IBF bietet neun Mal im Jahr den Kurs „Versuchstierkundliche Grundlagen und Tierexperimentelle Methoden“ an, den viele Studenten wahrnehmen, 180 im Jahr ­– momentan muss man mit einer Wartezeit von sechs Monaten rechnen. Im praktischen Teil, der genauso lang wie der theoretische ist, lernt man Dinge wie den richtigen Umgang mit den Tieren, Injektionen oder Blutentnahme. Danach ist man berechtigt, in bestimmten Versuchen, für die eine Genehmigung vorliegt, mitzuarbeiten. Die Kurse werden weitestgehend von Medizinern und Naturwissenschaftlern genutzt. Darüber hinaus sind es  auch Physiker oder Chemiker und es kann auch vorkommen, dass sich Psychologiestudenten zu den Kursen anmelden, weil sie bestimmte Ergebnisse beispielsweise für ihre Doktorarbeit benötigen.

An der Universität Heidelberg gibt es mehrere Tierschutzbeauftragte, deren Aufgabe es ist, Personen, die Tierversuche durchführen, zu beraten. Momentan sind es sieben. Auch achten sie auf das Einhalten der Tierschutzvorschriften. Jedem Fachgebiet, von Anatomie und Zellbiologie über Neurobiologie bis hin zu Humangenetik und  Immunologie, aber auch Rechtsmedizin und Verkehrsmedizin, sowie sämtlichen Kliniken, ist ein Tierschutzbeauftragter mit Vertreter zugewiesen. Will jemand in Heidelberg einen Tierversuch durchführen, sind es die Tierschutzbeauftragten, die mit dem Antragssteller das Versuchskonzept hinsichtlich der Kriterien Unerlässlichkeit des Tierversuchs, Versuchsplan und der geplanten Eingriffe an den Tieren diskutieren. Abschließend erstellt der zuständige Tierschutzbeauftragte eine Stellungnahme, die zusammen mit dem Antrag an die überwachende Behörde (Stadt Heidelberg, Abteilung Veterinärwesen) und an  die genehmigende Behörde (Regierungspräsidium in Karlsruhe) weitergeleitet wird.

Dort wird dann mit Hilfe der sogenannten Paragraph- 15-Kommission, die sich aus Vertretern von Tierschutzorganisationen sowie Veterinärmedizinern, Medizinern und Naturwissenschaftlern zusammensetzt, entschieden, ob die Versuche in dieser Form stattfinden dürfen.

Der Fokus der Forschung mit Tierversuchen wird in Heidelberg auf Erkrankungen des Nervensytems, der Leber, Bauchspeicheldrüse und Niere, von Herz und Lunge, des Bewegungsapparates und verschiedene Infektionskrankheiten gelegt. Dabei spielt Grundlagenforschung eine wichtige Rolle.

Laut Chourbaji ist der Erfolg der tierexperimentellen Forschung je nach Maßstab nicht immer als direkte Anwendungsmöglichkeit erkennbar. Vielmehr lässt sich die Bedeutung der Ergebnisse gerade in der Grundlagenforschung an den vielen hochrangigen Publikationen in internationale Fachzeitschriften ablesen.

von Lea Seitz
   

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