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 Heidelberg
29.06.2013

Leben in Afrika

Zum 20. Mal finden in Heidelberg die Afrikatage statt

Der Klimawandel hat drastische Auswirkungen auf den afrikanischen Kontinent. / Foto: Sandra Hadenfeldt.

In vielen Regionen Afrikas herrscht Armut, Bildung ist keine Selbstverst√§ndlichkeit und die Einnahmen der Erd√∂lf√∂rderung machen nur die Regierung reicher. Hinzu kommt der Klimawandel, der die Symbiose von Mensch und Natur auf einem so trockenen Kontinent v√∂llig durcheinanderbringt und zur H√§ufung von Krankheiten f√ľhrt. Dem Affenbrotbaum, ein wahres Wunder der Natur, scheint all dies nichts anhaben zu k√∂nnen.

Eine Gruppe lachender Kinder spielt Fu√üball, im Hintergrund die √Ėlraffinerien von ESSO. Seit 2003 wird das schwarze Gold hier im Tschad aus dem Boden geholt. Das Tschad-Kamerun-Erd√∂lprojekt, unterst√ľtzt von der Internationalen Gemeinschaft und der Weltbank, sollte die Lebensverh√§ltnisse der Einwohner verbessern, aber es passierte genau das Gegenteil. Den Menschen wurde der Lebensraum weggenommen, f√ľr Brunnen ist kein Platz, au√üerdem ist der Boden kontaminiert. 50 Millionen Barrel √Ėl werden hier j√§hrlich gef√∂rdert, nur wo sind die Einnahmen?

Anlässlich der 20. Afrikatage in Heidelberg und Mannheim erzählen die afrikanische Anwältin und Menschenrechtskämpferin Delphine K. Djiraibé und Claudia Tatchum-Kaiser von der AG Tschad, was sich seit 2003 ereignet hat.

Als die Pipeline 2003 fertiggestellt wurde und sich die gro√üen √Ėlfirmen zu ESSO zusammenschlossen, wurden zwei Gesetze zur Verteilung der Erd√∂leinnahmen erlassen. Das erste besagte, dass f√ľnf Prozent der Erd√∂leinnahmen in die betroffene Region zur√ľckflie√üen sollen. Das zweite ordnete an, dass ein Teil der Einnahmen f√ľr die zuk√ľnftige Generation gespart werden soll, um diesen dann in Bildung, Gesundheitswesen, Infrastruktur, Fischerei und die l√§ndliche Entwicklung zu investieren. 2006 wurden diese Gesetze ge√§ndert, weil die Regierung sie nicht akzeptieren wollte. "Die Regierung kann jetzt mit dem Geld machen, was sie will", sagte Tatchum-Kaiser. Die Tschad AG konzentriert sich auf die Arbeit zum Tschad in den Bereichen Frieden, Menschenrechte und Rohstoffe. Seit 1994 arbeiten die Tschad AG und zivilgesellschaftliche Akteure aus dem Tschad zusammen an dem Tschad-Kamerun-Erd√∂lpipeline-Projekt.

Wie wappnet man sich ohne finanzielle Mittel gegen den Klimawandel?

Nicht nur die Erd√∂lf√∂rderung macht den Afrikanern zu schaffen. Seit dem 20. Jahrhundert hat sich die Weltbev√∂lkerung vervierfacht, der Energieverbrauch hat sich verdreifacht, das Weltwirtschaftswachstum ist um das 15-Fache gestiegen, und die Treibhausgasemission um das zw√∂lffache. Die damit einhergehende Klimaerw√§rmung hat drastische Auswirkungen auf den ohnehin schon trockenen Kontinent. Die Menschen in Afrika sind die Hitze zwar gewohnt, trotzdem m√ľssen sie sich vor allem zur Mittagszeit in den Schatten zur√ľckziehen und die Arbeit liegen lassen. Unproduktivit√§t ist die Folge. Des Weiteren wirkt sich die Erw√§rmung auf die Gesundheit der Menschen weltweit aus. Eine Studie von 2008 zeigt, dass vor allem die Zahl unterern√§hrter Menschen gestiegen ist. Krankheiten wie Diarrhoe und Malaria treten immer √∂fter auf und auch Verletzungen und Unf√§lle gibt es aufgrund von extremen Wetterverh√§ltnissen immer h√§ufiger.

"Dem Klimawandel entgegenzuwirken, das steht schon lange nicht mehr zu Debatte, es geht vielmehr darum, wie man sich dagegen wappnen kann", so Rainer Sauerborn, Leiter des Instituts f√ľr Public Health in Heidelberg und Mitglied des Weltklimarates IPCC in seinem Vortrag anl√§sslich der Afrikatage.

Nur wie sollen sich L√§nder wie Sambia, eines der √§rmsten L√§nder weltweit, gegen extreme Wetterverh√§ltnisse und Krankheiten wappnen, wenn ihnen die finanziellen Mittel nicht zur Verf√ľgung stehen? Wenn man ein Haus besitzt, das aus Lehmsteinen gebaut ist und bei dem sich der Wasserhahn vor der Haust√ľr befindet, dann ist das schon Luxus. Strom gibt es nicht, von 8 Uhr abends bis 6 Uhr morgens ist es dunkel. Studenten, die nach 8 Uhr noch lernen m√ľssen, k√∂nnen sich eine Lampe auf den Kopf setzen, aber selbst das k√∂nnen sich viele nicht leisten.

Bildung ist sekundär

Auch Bildung ist keine Selbstverst√§ndlichkeit in Sambia. Bildung ist sekund√§r. Dem will der Verein "Children with Future in Zambia-Deutschland e.V." (CFZD), der sich anl√§sslich der Afrikatage vorstellte, entgegenwirken. Zusammen mit der gleichnamigen sambischen NGO "Children with Future in Zambia" (CwFiZ) arbeiten sie an Projekten im Bereich Bildung. Innerhalb eines Jahres errichteten sie eine Grundschule in Kitwe und eine in Chibuluma. Es gibt drei Klassenr√§ume in jeder Schule, flie√üendes und sauberes Wasser, Strom und Schulspeisungen. Der Unterricht findet in der offiziellen Sprache Englisch statt. Insgesamt werden f√ľnf Lehrer, die pro Monat 120 Euro erhalten, besch√§ftigt. Der Normalverdienst in Sambia liegt bei 80-120 Euro pro Monat. Weil die Lebensmittelpreise im Supermarkt denen in Deutschland gleichen, kann sich fast niemand etwas von dort leisten. Viele kaufen auf M√§rkten ein, aber f√ľr eine ausgewogene Ern√§hrung reicht das Geld nicht aus.

Auch wenn es viele Probleme in Afrika gibt, so ist es doch ein einzigartiger Kontinent mit faszinierenden Kulturen und einer besonderen Beziehung zur Natur. Beispielsweise ist der Baobab oder auch Affenbrotbaum heilig, da afrikanische Ahnen in ihm wohnen. Dieser Baum braucht circa ein Jahrzehnt, bis er das erste Mal Bl√ľten treibt. Er ist etwa 40 Meter breit und 40 Meter hoch und kann bis zu 140.000 Liter Wasser speichern. Der Baum ist ein wahrer √úberlebensk√ľnstler: Wenn es trocken ist, entzieht er seinen Fr√ľchten das Wasser. Die heruntergefallenen Fr√ľchte halten sich bis zu drei Jahre. Ihr Fruchtfleisch wird nicht nur als Energielieferant genutzt, sondern auch als Arzneimittel eingesetzt. Der Baum sieht aus, als stecke er verkehrt herum im Boden. Laut einem Mythos war der Baum so erbost √ľber die Sch√∂nheit der anderen B√§ume, dass er den Kopf in den Sand steckte.

Die Afrikatage warten noch bis zum 21. Juli mit vielen Ausstellungen, Vorträgen, Konzerten und Filmen auf. Das besondere Highlight wird der Heidelberger Afrikamarkt vom 6.-7. Juli sein.

von Sandra Hadenfeldt
   

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