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 Klecks und Klang
05.03.2013

PVT – Homosapien

4 von 4 rupis: Der Mensch als Synthesizer

Von Pivot zu PVT, von Math zu Electro â€“ Australiens interessanteste Space-Combo tritt auch mit ihrem vierten Album nicht auf der Stelle.

„We are not electronica, math-rock, synth-pop or electro-rock. We are Fantasy Beat. Get it right.“ Knapp zwei Wochen nach Erscheinen ihres neuen Albums twitterten PVT, dass sie sich doch bitteschön in ihre eigene Genre-Schublade gesteckt sehen wollen. „Homosapien“ stellt erneut eine musikalische Entwicklung der drei Australier dar. Elf synth-lastige, spacige Songs umfasst das neue Album, das der Qualität der Vorgänger keinen Abbruch tut.

Schon in den ersten Sekunden merkt man, dass sich etwas grundlegend geändert hat: ruhig und intim entfaltet sich da, anstatt des bisher üblichen Ambient-Intros, ein vollwertiger Song namens „Shiver“. Die beiden Melodien, Synthesizer und Gesang, die das Album einleiten, bleiben direkt hängen und treiben immer wieder an die Oberfläche des Bewusstseins. Die Gebrüder Pike und der für die Effekte zuständige Dave Miller haben sich mit dem Album noch mehr auf's Elektronische verlegt.

 

Seltsamerweise klingen PVT trotz des bodenständigen Titels und Covers noch mehr nach Sci-Fi/Weltraum als zum Beispiel auf „O Soundtrack My Heart“. Allerlei Blips und Blups durchziehen die Songs. “Electric” parodiert sich schon fast selbst mit dem Grundgerüst aus motorischem Beat und wabernder Bassline. Der Refrain setzt dem Ganzen die Kraftwerk-Krone auf: „I am electric“, wiederholt Richard Pike, während hohe Synthmelodien die „Aah!“s nachahmen. Das Highlight „Cold Romance“ schließt direkt daran an, treibt sowohl das Bassgewaber und die Effekte als auch den wortlosen Gesang noch weiter.

 

Beim ersten Hören scheinen die elf Songs ruhiger als das Material von „Church With No Magic“. Frieden herrscht hier jedoch auch nicht wirklich – das Unbehagen ist nur unterschwelliger. Die ersten beiden Alben waren rockiger, „Church With No Magic“ stellenweise regelrecht aggressiv. „Homosapien“ ist zwar ähnlich unruhig, doch gleichzeitig wärmer. Der Post/Math Mix der frühen Alben ist mit Ausnahme von „Casual Success“ und vom Titeltrack weitestgehend verschwunden, stattdessen hört man jetzt durchgehend von New Wave beeinflussten Electro Rock. Oder, nun ja, Fantasy Beat. Das trifft den Nagel eigentlich auf den Kopf, denn auch im Vergleich mit dem New Wave der 80er hört man deutliche Unterschiede: „Homosapien“ ist introvertierter, die Synths klingen angenehmer und in Gedanken ist die Band schon im übernächsten Jahrhundert.

 

„Ziggurat“ endlich ist dann eins dieser Outros, die von den einen als unnütze Warteschleifenmusik abgetan und von den anderen – dazu zähle ich – als stimmiger Abschluss angesehen werden. Ein Zikkurat ist ein mesopotamischer Tempel, also eigentlich etwas Grundsolides und so überhaupt nicht zur spacigen Atmosphäre der Musik passend. Aber auch der bis zum Himmel reichende Turm zu Babel war so ein Tempel. Das Lied klingt jedenfalls mehr nach dem Versuch, den fantastischen Klang des Wortes mit Synthesizern umzusetzen. Ein gutes Outro ist „Ziggurat“ trotzdem.

 

Auf die Gefahr hin, die Qualität der anderen Alben zu relativieren: „Homosapien“ ist PVT's bestes Album. Es ist ausgeglichen, kein Song ist größer als die Band, wie das bei „Light Up Bright Fires“ der Fall war. Trotzdem sind die Lieder im besten Sinne aufregend und, wichtigste Neuerung, sie besitzen eine größere Palette an Emotionen! „Cold Romance“ und „Vertigo“ erzielen dadurch eine unglaubliche Sogwirkung. Der Gesang, der auf „Church With No Magic“ erstmals zum Einsatz kam, ist hier eins der wichtigsten und besten Elemente: Pike singt immer passend, jedoch nie eintönig. Von Dave Gahan („Electric“) bis hin zu gelegentlichem Matthew Bellamy („Love & Defeat“) ist alles dabei. Das macht „Homosapien“ zu so einem guten Album: Hinter dem außerirdischen Sound verbirgt sich tatsächlich ein durch und durch menschliches Album.

 


Das Video (mit Sogwirkung!) zur ersten Single "Vertigo" seht ihr hier:

 

von Philipp Fischer
   

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