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 Interview
11.02.2008

„Lieber lass ich mich von einer Schlange fressen“

Rick Kavanian spricht über seine Karriere, Formate wie „Ich bin ein Star holt mich hier raus“ und politisches Kabarett.

Der aus der Bullyparade bekannte Rick Kavanian tourt derzeit mit seinem Solo-Programm „Kosmopilot“ durch ausverkaufte Hallen. Wir sprachen mit dem symphatischen Comedian nach seinem zweistündigen Auftritt im Karlstorbahnhof.

ruprecht: Hellas!- Wie viele Leute sagen das zu Dir auf der StraĂźe?

Rick Kavanian: Ich habe noch nicht nachgezählt. Es gibt Leute die "Hellas", aber auch „Was’n hier los sagen“. Aber „Hellas“ ist schon ein kleines  Erkennungszeichen geworden. Ich habe das groĂźe GlĂĽck, dass die Leute mir sehr offen und freundlich gegenĂĽber treten. Ich habe also nicht das GefĂĽhl, dass sie mir wie einem Wirtschaftsboss gegenĂĽber treten, der gerade einige hundert Leute entlassen hat. Die sagen Hey, wie geht’s? oder eben auch Hellas.

Gibt es diesen Griechen Dimitri aus der Bullyparade wirklich?

Ja, das Ist ein guter Kumpel von mir. Der lebt aber leider jetzt schon seit 2000 in Athen. 

Wie schwer war es fĂĽr Dich in der Comedy-Branche FuĂź zu fassen? 

Diese Frage stellt sich erst im Nachhinein. Ich habe 1990 Abitur gemacht und wollte damals Kinderarzt werden. Dafür jedoch leider mein Abi viel zu schlecht, weshalb ich dann erstmal in München neun Semester Politik studiert habe. Während der Studienzeit habe ich dann mit Bully beim Radio angefangen. Das hat mir einfach mehr Spaß gemacht. Dabei habe ich gespürt, dass ich gerne mehr Radio machen wollte, als in die Uni zu gehen.

Du hast dann die Uni abgebrochen und hast Dein Hobby zum Beruf gemacht?

Nein, ganz so leicht war es dann doch nicht. Ich habe das Studium wie gesagt nach neun Semestern abgebrochen und bin dann fĂĽr ein Jahr nach New York auf die Schauspielschule gegangen. Dort habe ich dann gemerkt, dass ich zur Schauspielerei und Comedy tauge, mich da wirklich zu Hause fĂĽhle. Von jetzt auf nachher ergab sich dann 1996 die Idee zur Bullyparade mit der wir im Mai 1997 dann auch auf Sendung gegangen sind. 

In der Bullyparade gibt es sehr viele Charaktere. Habt ihr die selber entwickelt oder hat sich jeder seine eigenen ausgedacht?

Wir haben die schon zusammen entwickelt. Viele hatten wir aber auch schon zu unseren Radiozeiten vorbereitet gehabt. Unser großes Glück beim Fernsehen war es, dass wir die Dinge komplett selber schreiben durften und uns da niemand gesagt hat: „Das müsst ihr jetzt so oder so machen“. Wir durften alles selber machen und uns ausprobieren.

Rick Kavanian wurde 1971 In München geboren. Bekannt wurde er durch seine Zusammenarbeit mit Michael „Bully“ Herbig bei der Bullyparade.

Seine Karriere begann als Radiomoderator fĂĽr die MĂĽnchener Kult-Radioshow „Langemann und die Morgencrew“. Nach Abbruch seines -Studiums  der Politikwissenschaft zog es Kavanian fĂĽr ein Jahr nach New York, wo er auf die Schauspielschule ging. ZurĂĽck in Deutschland setzte er 1996 die Zusammenarbeit mit Herbig mit der erfolgreichen Bullyparade und der Serie „Bully & Rick“ auf ProSieben fort.

Zudem ist Kavanian auch als Solo-Comedian und Synchronsprecher erfolgreich. Als Schauspieler kann man ihn aus den Herbig-Produktionen „Der Schuh des Manitu“ (2000) oder „(T)raumschiff Suprise“ (2004) mit. 

Aktuell ist er im Til-Schweiger-Film „Keinohrhasen“ als cholerischer Chefredakteur einer Boulevardzeitung zu sehen.

Derzeit tourt er mit seinem Solo-Programm „Kosmopilot“ durch ausverkaufte Hallen.


Wie kam es dann dazu, dass die Bullyparade quasi vom Radio ins Fernsehen kam? 

Als ich in New York war, hatte Bully bereits bei dem Münchner Lokalsender TV München angefangen. Dort ist dann Pro Sieben auf ihn aufmerksam geworden. Als ich dann aus den USA zurück kam, hatte Bully Christian Tramitz kennen gelernt, der mein Nachfolger beim Radio war. Die beiden haben sich sehr gut verstanden. Dann hat uns Bully erzählt, dass Pro Sieben ihn gefragt hatte ob wir für die Sketche produzieren können. Dann haben wir also damit angefangen, sind schlicht ins kalte Wasser gesprungen und das funktionierte dann.

Was ist besser: Fernsehen oder Radio?


Was ich am Radio liebe, ist diese Unmittelbarkeit. Du bist live auf Sendung, hast eine Idee und bläst sie raus. Wenn sie geil ist flippen alle aus und wenn nicht, dann versendet sich das halt. Das ist so ähnlich wie „live“ spielen. Auch da siehst Du sehr schnell die Reaktionen vom Publikum. Im Fernsehen ist das anders. Dort schreibst Du etwas, musst es von der Redaktion absegnen lassen, dann wird gedreht, geschnitten und erst dann irgendwann gesendet. In der Zwischenzeit sind dann Jahre vergangen. Im Film dauert das ganze dann noch länger. 

Wo siehst du persönlich die Grenze zwischen Witz und Beleidigung?

Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Ich habe es beispielsweise im Umgang mit Ausländern leichter, weil ich selber Ausländer bin. Als Kind habe ich erfahren, was es bedeutet, wenn man in Deutschland dunkle Haare und dunkle Augen hat. Deswegen fĂĽhle ich mich eher als eine Art Sprachrohr und Mittler. 

Ich sehe das so: Wenn ich Jemandem etwas gerne sagen will, dann sage ich es ihm lieber ins Gesicht. Das geht natürlich nicht immer. Jemandem in seiner Abwesenheit ins Gesicht schlagen finde ich blöd. Wenn man aber etwas beobachtet und das dann mit ein wenig Fingerspitzengefühl geschmackvoll präsentiert, dann finde ich das in Ordnung. Natürlich gibt man dabei hin und wieder mit manchen Dinge vielleicht zu weit. Ich finde es wichtig, sich dann danach auch bei dem einen oder anderen auch zu entschuldigen. Meine Absicht ist es nie jemanden zu verletzen, weil ich selbst oft genug verletzt worden bin.

Du hast im Laufe Deiner Karriere schon viel ausprobiert: Schauspielerei, Radio, Fernsehen und Synchronsprecher. Was war davon bisher das Beste fĂĽr Dich?

Momentan ist es das Größte fĂĽr mich, das ich mehrere Sachen zugleich machen kann. Zur Zeit mache ich die Tour, danach mache ich dann wieder einen Kinofilm. Der Wechsel zwischen Schreiben und Spielen macht mir enormen SpaĂź. Aber ich kann jetzt nicht sagen, was mir davon am meisten bedeuten wĂĽrde. Was mich auch wahnsinnig freut, ist dass auf der BĂĽhne eine neue Heimat finde und natĂĽrlich, dass die Leute SpaĂź haben, wenn ich etwas alleine mache. Also dann wenn ich quasi unmaskiert und unverkleidet bin. 

Bei deinem heutigen Auftritt hast Du ja auch viele politische Anspielungen angebracht. Reizt es Dich auch mal politisches Kabarett zu machen?

Ja, das ist die hohe Kunst! Aber da ich erst 37 bin, denke ich, dass ich das auch später noch machen kann. Momentan will ich mich erst selber auf der BĂĽhne etablieren und das GefĂĽhl bekommen: „Hey ich bin hier alleine und mache was alleine“. Wenn dabei ein oder andere Gag mal mehr Politik enthält, finde ich das Ok. 

Vor kurzem endete die zweite Staffel der RTL-Show „Ich bin ein Star holt mich hier raus. Hatte die Dich auch gefragt, ob Du mitmachen würdest?

Nein. Ich kann so etwas auch ĂĽberhaupt nicht. Ich hätte das GefĂĽhl, dass ich mich dadurch meiner eigenen GlaubwĂĽrdigkeit berauben wĂĽrde. Ich kann ja nicht auf eine BĂĽhne gehen und ähnliche Sachen parodieren, wenn ich da selber mitmache. Ich wäre da auch völlig fehl am Platz. Uaaahh! (schĂĽttelt sich) Das wäre echt nicht mein Ding! Aber ich respektiere das. Die Leute sollen das ruhig machen. Das ist ja auch extrem unterhaltsam, nur wäre ich da der totale Fremdkörper. Da fehlen mir ein bisschen die Gene dazu. 

Was ist mit „Big Brother“?

Oh, um Gottes Willen. Da wĂĽrde ich mich lieber von einer Schlange auffressen lassen. Diesem Container nähere ich nicht einmal auf 50 Kilometer, da wĂĽrde nicht mal dran vorbeifahren. 

Welche Projekte stehen in Zukunft an?


Dieses Jahr mache ich mit Till Schweiger noch einen Film und im nächsten Jahr bin ich wieder mit meinem Solo-Programm „Kosmopilot“ auf Tour. Ich kann mir wie gesagt auch politisches Kabarett vorstellen, also ein ganzes Programm zu machen oder eine Stunde - so eine aktuelle Stunde. Ich kann mir aber auch vorstellen mal etwas Ernstes zu spielen. Comedy ist zwar die Königsdisziplin, aber was Ernstes wäre auch nicht schlecht. 

Vielen Dank für das Gespräch.

von Elena Eppinger, Reinhard Lask
   

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