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 Heidelberg
29.01.2008

Heidelberger Verh├╝llung

1969 verpackte Christo das DAI und musste bald einpacken

Im Mai 1969 gab es in Heidelberg eine lang vergessene Premiere: Der Verpackungsk├╝nstler Christo verh├╝llte das Deutsch-Amerikanische Institut. Seine erste Geb├Ąudeverh├╝llung war ebenso umstritten, wie die des Berliner Reichstags.

Ende der 60er Jahre fand in Heidelberg eine mittlerweile in Vergessenheit geratene Premiere statt: Der Verpackungsk├╝nstler Christo verh├╝llte im Mai 1969 das Deutsch-Amerikanische Institut (DAI) in der Sophienstra├če. Der geb├╝rtige Bulgare ist in Deutschland eher durch seine Reichtagsverh├╝llung 1995 bekannt. Die DAI-Aktion war jedoch seine erste Geb├Ąudeverh├╝llung, die ebenso umstritten war wie jene in Berlin.

Ebenso wie der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl wehrte sich die Stadt Heidelberg lange gegen das Projekt, ein altehrw├╝rdiges Bauwerk zu verh├╝llen. Christos ersten Vorschlag, den Glockenturm des Heidelberger Schlosses zu verh├╝llen, lehnte der Gemeinderat kategorisch ab. Der "junge Wilde" musste sich eine Alternative suchen. So kam es am 15. Mai 1969 im Rahmen der vom Heidelberger  Kunstverein organisierten Alternativveranstaltung Intermedia 69, zur Verh├╝llung des DAI.

Doch die k├╝nstlerische Premiere stand unter keinem guten Stern. Der damals noch unbekannte Christo war auf ehrenamtliche Helfer angewiesen, die das Haus in einer 24-Stunden-Aktion verh├╝llen sollten. Zwar hatten sich fast 30 Studenten auf seinen Aufruf gemeldet, am entscheidenden Tag jedoch erschienen lediglich f├╝nf. Die meisten Beteiligten glaubten, dass Aktion scheitert, doch Christo blieb entspannt. Zu Recht, wie sich bald herausstellte. Wenige Stunden sp├Ąter hatte sich eine Schulklasse mit ihrer Lehrerin in der Sophienstra├če eingefunden, um f├╝r die treulosen Studenten einzuspringen.

Eine nicht ungef├Ąhrliche Arbeit, da die meisten Sch├╝ler ungesichert auf dem Dach der Villa herumkletterten. Erst im Nachhinein fiel den Veranstaltern auf, wie fahrl├Ąssig die Aktion auch f├╝r das DAI war: Die Dachverkleidung hielt dem 24-Stunden-Dauereinsatz der Sch├╝ler nicht stand. Das Herumlaufen mit normalem Schuhwerk besch├Ądigte die Dachverkleidung und verursachte letztlich mehrere tausend D-Mark Sachschaden. Allen Widrigkeiten zum Trotz hatten Christo und seine Helfer die Villa mit mehr als 1900 Metern schwerentflammbaren Gitterfolienbahnen eingeh├╝llt und diese mit Nylonseilen und Spezialklebeband stabilisiert.

Die Nacht-und-Nebel-Aktion zog mehrere hundert Schaulustige an, die am Tag danach vor dem wei├č verh├╝llten Geb├Ąude ├╝ber den Sinn der Verh├╝llung diskutierten. Viele verglichen diese ÔÇô nicht ganz unberechtigt ÔÇô mit einem auf die Schnelle angelegten "Notverband". Die heftigste Kritik kam ├╝berraschenderweise nicht von alteingesessenen Heidelbergern, sondern von Studenten. Kurz nach Vollendung beschmierten einige die wei├če Folie mit Parolen wie "Amis raus aus Vietnam". Dabei kam es sogar zu Handgreiflichkeiten zwischen Studenten und DAI-Angestellten, weshalb Christo die Aktion bereits nach drei Tagen beendete.

Auch die Feuerwehr konnte nach drei Tagen Dauereinsatz aufatmen. Diese hatte anfangs mit dem Schlimmsten gerechnet und daher mehrere Wasserrohre im Inneren des Geb├Ąude verlegt. Bis heute spricht Perfektionist Christo ungerne ├╝ber die v├Âllig chaotische abgelaufene Aktion, die Kenner seiner Arbeit als die schlechteste Verh├╝llung seiner Karriere bewerten.

von Elena Eppinger
   

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