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 Heidelberg
15.12.2009

Der Geschwister wegen sparen

Landeshochschulgesetz rei├čt L├Âcher in Institutskassen

Im Sommer wollten die Politiker an den Hochschulen Baden-W├╝rttembergs ein Zeichen setzen: Die neue Geschwisterregelung befreit seit dem Sommersemester alle Studierenden mit zwei oder mehr Geschwistern den Studiengeb├╝hren. 

In diesem Sommer wollten die Politiker an den Hochschulen Baden-W├╝rttembergs ein positives Zeichen setzen: Die neue "Geschwisterregelung" trat im Sommersemester in Kraft und befreit seitdem alle Studierenden mit zwei oder mehr Geschwistern von den 500 Euro Studiengeb├╝hren.

Doch wo sich einerseits Studierende und Eltern mehrk├Âpfiger Familien ├╝ber dieses Geschenk freuen, verzweifeln die Institute an dem daraus folgenden Geb├╝hrenausfall. So kostete diese Regelung 36 Prozent des Etat der Fakult├Ąt f├╝r Physik und Astronomie. Das Institut profitiere zwar von einer Reserve der Studiengeb├╝hren aus dem Jahr 2007, "diese werden jetzt aber trotz Sparma├čnahmen rasch abgebaut", prognostiziert Werner Aschbach-Hertig, Studiendekan der Fakult├Ąt f├╝r Physik und Astronomie. Gestrichen seien unter anderem die Diplomantenfonds, die zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei den Abschlussarbeiten beigetragen haben und auch der Veranstaltungsfond wird drastisch reduziert.

Besonders hart treffe es Aschbach-Hertig zufolge, den Etatposten "Innovation", der sehr hoch sei und vorher "nutzbringend" eingesetzt werden konnte. Das Geld sei hier nun so knapp, dass der Ausbau im Rahmen der neuen Pr├╝fungsordnung f├╝r angehende Gymnasiallehrer im Bereich der Fachdidaktik nicht mehr m├Âglich sei. Auch ein neues Astrophysik-Praktikum musste gestrichen werden.

Mehr als 30 Prozent weniger Studiengeb├╝hren verzeichnen auch die Institute Soziologie und Politische Wissenschaft sowie die Neuphilologischen Fakult├Ąt. Gerade bei den Neuphilologen k├Ânnen daher die durch Studiengeb├╝hren finanzierten Mitarbeiterstellen nicht verl├Ąngert und m├╝ssen Parallelkurse gestrichen werden. W├Ąhrend Professor Aurel Croissant, Leiter des Instituts f├╝r Politische Wissenschaft (IPW), im vergangenen Wintersemester noch 231.000 Euro zur Verf├╝gung standen, kann er im laufenden Semester nur noch auf 148.000 Euro zur├╝ckgreifen.

Die Konsequenzen seien K├╝rzungen, die bereits im Sommersemester dieses Jahres vollzogen wurden, sagt Croissant. Professuren seien nicht betroffen, jedoch mussten ihm zufolge zwei volle Stellen mit einem Lehrdeputat von insgesamt zwanzig Semesterwochenstunden gestritten werden. Einschnitte g├Ąbe es auch bei der Bezuschussung von Lehrmaterial sowie bei den Mitteln f├╝r externe Vortr├Ąge. "Da das IPW konservativ budgetiert und keine langfristigen Verpflichtungen eingegangen ist, trifft uns das zwar schmerzhaft, bleibt aber steuerbar", sagt Croissant weiter.

Die Geschwisterregelung ist eine notwendige Entlastung vieler Studierender und deren Familien ÔÇô das steht au├čer Frage. Fraglich bleibt jedoch, warum die Politik nicht von der Einf├╝hrung allgemeiner Studiengeb├╝hren 2007 an eine "entsch├Ąrfte" Geschwisterregelung einf├╝hrte. So m├╝ssen die Institute nun nach zweij├Ąhrigem Ausbau der Lehre, die durch Studiengeb├╝hren finanzierten Lehrmittel wieder streichen. F├╝r IPW-Leiter Croissant steht fest: "Es leidet genau jenes Ziel, dass mit den Studiengeb├╝hren erreicht werden soll: die Verbesserung der Lehre gegen├╝ber dem Status vor Einf├╝hrung der Studiengeb├╝hren."

von Ronja Ritthaler
   

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