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 Hochschule
17.06.2009

Stimmen zum Bildungsstreik

Nachdem tausende Studenten in ganz Deutschland auf die Stra├če gingen, hat sich auch die Politik zu Wort gemeldet. Der ruprecht hat die Kommentare von Bundes- und Landespolitikern zum bisherigen Verlauf des Bindungsstreiks gesammelt.

Annette Schavan, Bundesbildungsministerin (CDU):

"Die Proteste sind, was die Ziele angeht, zum Teil gestrig. Ich bin sehr einverstanden, wenn sich Sch├╝ler und Studenten mit dem Bildungssystem besch├Ąftigen.
Aber wer streikt, muss auch Fakten zur Kenntnis nehmen. Wer sagt, wir m├╝ssen Bachelor- und Masterstudieng├Ąnge wieder abschaffen, der nimmt nicht zur Kenntnis, dass Deutschland Teil des europ├Ąischen Bildungsraums ist."

Interview im Deutschlandfunk


Margret Wintermantel, Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz:

"Es ist schwer nachzuvollziehen, wie manche Studierende und Professoren derzeit die eigene Hochschulbildung schlecht reden."

Sie r├Ąumte Vers├Ąumnisse bei der Hochschulreform ein und k├╝ndigte sie an, Studieng├Ąnge zu ├╝berpr├╝fen. Sie ├Ąu├čerte Verst├Ąndnis f├╝r die Anliegen der Studierenden, die ihren Bildungsstreik an zahlreichen deutschen Hochschulen fortsetzten.



Rolf Dobischat, Pr├Ąsident des Deutschen Studentenwerks:

"Die Unruhe nimmt zu, viele, auch Lehrende, haben die Faxen dicke. Wer Schule und Uni vor 30 Jahren kennen gelernt hat, der w├╝rde sich heute wundern. In einige, auf sechs Semester komprimierte Bachelor-Studieng├Ąnge wurden ganze Diplom-Studieng├Ąnge gepresst. An den Schulen wird die Zeit bis zum Abi verk├╝rzt. Es gibt Indizien, dass Einkommensschw├Ąchere genau so reagieren und eine Berufsausbildung bevorzugen. Was dann die sp├╝ren, die 'nur' einem Haupt- oder Realschulabschluss haben. Fr├╝her brachte ein Studium fast automatisch eine hohe Bildungsrendite. Bis vor zwei Jahren war das noch so. Aber diese Zeiten sind vorbei. Heute gibt es Historiker, die in ihren Jobs mit 1600 Euro netto nach Hause gehen. Und diese Entwicklung geht vermutlich weiter."

Quelle: Der Westen

Pressemitteilung Deutscher Lehrerverband:

Es sei gut erkennbar, "was die Streikinitiatoren anstreben: ein nach unten nivelliertes Bildungswesen, in dem die Prinzipien Leistung und Eigenverantwortung einer Gleichmacherei und einer Vollkaskomentalit├Ąt geopfert werden sollen".



Stefan M├╝ller, Bildungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag (CSU)

"Entlarvend sind die Aufrufe linker Studentenverb├Ąnde und Gewerkschaften zu Bildungsstreiks. Mit Musikfestfestivals, Partys und vorget├Ąuschten Bank├╝berf├Ąllen wollen sie Studierende und Sch├╝ler zu 'Bildungsstreiks' anlocken und damit von ihrer Ausbildung abhalten. 
Wem wirklich an der Bildung gelegen w├Ąre, der m├╝sste derzeit gegen die Pl├Ąne des rot-roten Berliner Senates aufbegehren, Schulpl├Ątze k├╝nftig nicht mehr nach Leistung sondern per Los zu vergeben. Bei solchen Demos d├╝rfte allerdings niemandem zum Feiern zumute sein."



Patrick Meinhardt, Bildungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion:

"Wenn Sch├╝ler und Studenten f├╝r ihre Interessen und f├╝r eine bessere Bildung auf die Stra├če gehen, dann ist dies ├╝berf├Ąllig. In diesem ÔÇ×BildungsstreikÔÇť werden jedoch die Sch├╝ler und Studenten missbraucht und vor den falschen Karren eines linken Aktionsb├╝ndnisses gespannt. Wir brauchen mehr Geld f├╝r die Bildung - aber nicht, um die falschen Bildungsforderungen umzusetzen. Wir brauchen ein gegliedertes Schulsystem und keine Einheitsschulen, um Begabungen richtig f├Ârdern zu k├Ânnen."



Klaus-Peter Hammer, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW):

"Wenn Bildung das h├Âchste Gut ist, dann muss auch in sie investiert werden." 

Er forderte bei einer Kundgebung, dass der Staat mehr f├╝r Bildung ausgeben m├╝sse. Seit Einf├╝hrung der Studiengeb├╝hren seien die Staatsausgaben aber immer weiter gesunken.



Andreas Pinkwart, Wissenschaftsminister Nordrhein-Westfalen (FDP):

"Dass man f├╝r eine bessere Bildung demonstriert, finde ich in Ordnung." In NRW sieht er wenig Grund f├╝r Proteste. Die Studiengeb├╝hren, gegen die ebenfalls protestiert wird.

Auf einer Diskussion mit Studenten, dass es auch zu seiner Zeit schon ├╝berf├╝llte H├Ârs├Ąle gegeben h├Ątte. Auf die Frage warum sich dann bis heute nichts ge├Ąndert habe, blieb Pinkwart konkrete Antworten schuldig. Die Herausforderungen an das heutige Studium seien viel gr├Â├čer seien als fr├╝her, r├Ąumte Pinkwart ein. 

Ausf├╝hrliches Interview mit Andreas Pinkwart



Christian Lindner, FDP-Generalsekret├Ąr in Nordrhein-Westfalen:

"Im Bildungsstreik haben sich linken Gruppen verbunden, um in neuer Form uralte Forderungen zu erheben. Sch├╝ler und Studenten sollten sich nicht vor den Karren dieser abgehobenen Ideologen spannen lassen. Wer beim Bildungsstreik mitmacht, besch├Ądigt seine eigenen Zukunftschancen. Mit einem leistungslosen und von der Arbeitswelt abgekoppelten Bildungssystem verteidigen wir unseren Wohlstand n├Ąmlich nicht."

Er rief Sch├╝ler und Studenten auf, sich nicht am Bildungsstreik zu beteiligen.



Doris Ahnen, Bildungsministerin Rheinland Pfalz (SPD)

"Ich habe Verst├Ąndnis daf├╝r, dass sich Studierende sowie Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler f├╝r ihr unmittelbares Lebensumfeld in Hochschule und Schule einsetzen und gehe davon aus, dass die Aktionen im rechtlich zul├Ąssigen Rahmen bleiben. Chancengleichheit f├╝r Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler sowie Studierende sind gleicherma├čen ein zentrales Ziel der Landesregierung! In Rheinland-Pfalz sind viele der im so genannten Bildungsstreik erhobenen Forderungen wie die gegen Studiengeb├╝hren, gegen eine fl├Ąchendeckende und f├╝r alle verpflichtende Schulzeitverk├╝rzung auf dem Weg zum Abitur oder aber f├╝r eine Weiterentwicklung des gegliederten Schulsystems bereits erf├╝llt. Die Landesregierung hat keine Studiengeb├╝hren eingef├╝hrt und will dies auch nicht tun, die Verk├╝rzung der Schulzeit bis zum Abitur ist in Rheinland-Pfalz ein Angebot und wird nur auf Wunsch sowie in Verbindung mit einem echten Ganztagsschulkonzept umgesetzt und die beschlossene Schulstrukturreform im Land erm├Âglicht ein l├Ąngeres gemeinsames Lernen."

Ein ausf├╝hrliches Statement findet sich auf bildungsklick.de



Michael H├Ârter, Innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz:

Er sprach von einer linksautonomen Unterwanderung der Demonstration, auf die die Einsatzplanung des Innenministeriums nicht ausreichend vorbereitet gewesen sei. An der CDU-Ausstellung ┬ź20 Jahre friedliche Revolution┬╗ seien mehrere Bilder beschmiert und Ausstellungsgegenst├Ąnde entwendet worden, darunter eine alte DDR-Schreibmaschine. Die CDU-Fraktion werde das Thema deshalb am Donnerstag in der Sitzung des Innenausschusses zur Sprache bringen.



Dieter Lenzen, Pr├Ąsident der Berliner Freien Universit├Ąt:

Er gab seinen Studenten f├╝r den heutigen Tag "streikfrei".



 

 

Bernd Huber, Rektor der Ludwig-Maximilian-Universit├Ąt M├╝nchen:

"Ich kann das gut verstehen, dass sie mit den Bedingungen an Hochschulen nicht zufrieden sind. Unsere Uni ist seit Jahren vollkommen ├╝berlastet. Eigentlich haben wir nur Kapazit├Ąten f├╝r rund 25 000 Studenten, im Moment sind es aber 40 000." 

Das Betreuungsverh├Ąltnis sei schlecht, und Seminarr├Ąume st├Ąndig ├╝berf├╝llt. 

Hubert Lepperdinger, Ministerialbeauftragte f├╝r die Gymnasien in Schwaben (Bayern):

"Das sind v├Âllig leere Versprechungen."

Die Teilnehmer der Sch├╝lerdemo am Vormittag bezeichnete er als "m├╝de Truppe". An den Gymnasien habe es keine gr├Â├čeren Ausf├Ąlle gegeben. In vielen Schulen gab es strenge Anwesenheitskontrollen. Dort soll in den kommenden Tagen gekl├Ąrt werden, welche Sch├╝ler aus welchen Gr├╝nden nicht da waren. 

Er billigt zwar nicht, dass Sch├╝ler f├╝r den Bildungsstreik schw├Ąnzen. In der Sache gibt er den Demonstranten aber Recht. F├╝r mehr Lehrer, kleinere Klassen und eine bessere Ausstattung zu k├Ąmpfen, sei "ein lohnendes Ziel". Es gebe kein Recht auf Streik in der Schule. Wer unentschuldigt fehle, begehe eine klare Pflichtverletzung.

von Reinhard Lask
   

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