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29.06.2009

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3 von 4 Rupis - √úberzeugendes Deb√ľt

Was hier als Komödie beginnt, schlittert unerbittlich in die Katastrophe: Ursula Meier erzählt in ihrem ersten Langfilm mit kargen, kraftvollen Bildern von einer modernen Vertreibung aus dem Paradies.

Kurz vor den Sommerferien kommen die Teermaschinen, dann Bautrupps, die Leitplanken montieren und wei√üe Spurmarkierungen aufmalen. Dann die ersten Autos der Pendler. Und mit dem Beginn der Ferien endlose Blechlawinen, die in der Gluthitze im Stau steckenbleiben. Damit ist es endg√ľltig vorbei mit der Ruhe f√ľr die f√ľnfk√∂pfige Familie, die das alte Haus am Rand der Autobahn bewohnt. Ein ewiges Provisorium, das zum Zuhause geworden ist.

Die Autobahn, die zehn Jahre lang auf ihre Er√∂ffnung gewartet hat ‚Äď wom√∂glich wegen politischer Rangeleien, so genau erf√§hrt man das nicht ‚Äď ist nicht l√§nger Spielplatz, Vorgarten, Rollschuhbahn und Terrasse f√ľr Julien, Marion, Judith und ihre Eltern, sondern entpuppt sich als Eindringling mit ungeahnter Zerst√∂rungskraft, der nun ohne Unterlass an den Nerven der Familie zerrt.

Mit kargen, eindrucksvollen Bildern schildert Regisseurin Ursula Meier in ihrem ersten Langfilm, wie die Familie sich vor dem Unausweichlichen zu verschlie√üen versucht und dabei in den Abgrund taumelt.

Grotesk und surreal sind die Reaktionen ihrer Helden, die im Grunde wissen, dass sie ihr Haus verlassen m√ľssen, und sich statt dessen noch enger daran binden: W√§hrend der Vater eilig die W√§nde mit Glaswolle zu d√§mmen versucht, verlegt die Mutter die Schlafzimmer in die der Stra√üe abgewandte H√§lfte des Hauses. Marion z√§hlt mit wissenschaflichem Eifer Fahrzeuge, sammelt Feinstaub von den Gr√§sern entlang der Autobahn, und erwartet eher gespannt als √§ngstlich die von ihr prophezeiten gesundheitlichen Folgen von L√§rm und Abgasen.

‚ÄěHome‚Äú ist eine Metapher f√ľr die Gefangenschaft der Psyche, f√ľr ein alles √ľbert√∂nendes Bed√ľrfnis nach Befreiung, das selbst das gro√üe, einzige Hindernis auf dem Weg in die Freiheit ist. Alle Schutzschilde vor L√§rm, Abgasen und den Blicken der Vorbeifahrenden, die vor allem Marion und die Eltern aufbauen, beschneiden letztlich nur die Lebensf√§higkeit der Familie. Am Ende sind Fenster und T√ľren des Hauses vermauert, die Familie in Hilflosigkeit erstarrt.

von Helga Rietz
   

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