Dies ist ein Archiv der ruprecht-Webseiten, wie sie bis zum 12.10.2013 bestanden. Die aktuelle Seite findet sich auf https://www.ruprecht.de

ruprecht-Logo Banner
ruprecht/Schlagloch-doppelkeks-Jubiläum
Am 13.10. feiern wir 25 Jahre ruprecht/Schlagloch und 10 Jahre doppelkeks [...mehr]
ruprecht auf Facebook
Der aktuelle ruprecht
ruprecht vor 10 Jahren
Andere Studizeitungen
ruprechts Liste von Studierendenzeitungen im deutschsprachigen Raum
ruprecht-RSS
ruprecht-Nachrichten per RSS-Feed
 Wissenschaft
30.05.2009

Streit um Open Access

Zwischen Illegalit├Ąt und Notwehr

Mit seinem "Heidelberger Appell f├╝r Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte" hat der Heidelberger Germanistik-Professor Roland Reu├č in ein Wespennest gestochen und eine Grundsatzdebatte entfacht.

Mit seinem "Heidelberger Appell f├╝r Publikationsfreiheit und die Wahrung der Urheberrechte" hat der Heidelberger Germanistik-Professor Roland Reu├č in ein Wespennest gestochen und eine Grundsatzdebatte entfacht.

In dem Appell spricht er sich f├╝r die Freiheit f├╝r Forschung und Lehre aus und ruft die Bundesregierung auf, das Urheberrecht zu verteidigen, das durch massives Scannen wissenschaftlicher Publikationen durch Google bedroht werde. Viele prominente Autoren und Verleger haben unterzeichnet, so etwa Daniel Kehlmann, G├╝nter Grass und Herausgeber-ZEIT Michael Naumann.

Was harmlos klingt, emp├Ârt derzeit die meisten Wissenschaftler. Denn Reu├č wendet sich nicht nur gegen Google, sondern auch gegen die "Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen", der alle gro├čen Geldgeber der Forschung, wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) angeh├Âren. Ihm zufolge zwinge die Allianz Forscher zur Publikation im Internet, indem sie Projekte angeblich nur dann finanzieren, wenn die Ergebnisse online ver├Âffentlicht werden. In dieser Praxis sieht Reu├č eine Gefahr f├╝r das herk├Âmmliche Verlagswesen: "Wer w├╝rde noch einen Text drucken wollen, den es bereits frei im Internet gibt?", fragt sich Reu├č. Zwar bef├╝rworten Wissenschaftsorganisationen tats├Ąchlich die kostenlose Online-Publikation von Fachtexte, jedoch leiden nicht alle Forscher unter der als Open Access bekannten Praxis. Von der schnelleren und aktuelleren Kommunikation im Netz profitieren zumindest Naturwissenschaftler, deren Ergebnisse international relevant sind.

F├╝r Reu├č ist die freie Online-Publikation schlicht rechtswidrig. Er verweist auf Paragraf 12, Absatz 1 des Urhebergesetzes: "Der Urheber hat das Recht zu bestimmen, ob und wie sein Werk zu ver├Âffentlichen ist." Im Gespr├Ąch mit dem ruprecht stellt Reu├č klar, wie er sich verhalten w├╝rde: "Wenn die Forderung, online zu publizieren, an mich gestellt werden w├╝rde, w├╝rde ich einen Rechtsanwalt holen." Die Open-Access-Politik ist ihm zufolge nichts anderes als ein von Technokraten angetriebenes Programm das deutsche Verlagswesen zu zerschlagen.

Die Wissenschaftsorganisationen sehen das anders und haben im April ├╝ber ihr Aktionsb├╝ndnis "Urheberrecht f├╝r Bildung und Wissenschaft" dazu Stellung bezogen: Open Access sei "aus der Not geboren" und richte sich in erster Linie gegen die Kostenexplosion bei den gro├čen Verlagskonzernen, beispielsweise dem Springer-Verlag Heidelberg, erkl├Ąrt B├╝ndnissprecher Harald M├╝ller. Sowohl die Autoren als auch die Bibliotheken mussten in den letzten Jahren immer horrendere Preise bezahlen, um Einblick in die Forschung zu bekommen. Daher tritt das Aktionsb├╝ndnis f├╝r eine ├änderung des Urheberrechts ein: K├╝nftig sollen die Nutzungsrechte, die bisher meist bei den Verlagen blieben, nach sechs Monaten an den Autor zur├╝ckfallen, schl├Ągt M├╝ller vor. So k├Ânnte jeder Forscher seinen Text ein zweites Mal publizieren - zum Beispiel online.

M├╝ller r├Ąumt jedoch ein, dass die DFG und Max-Planck-Gesellschaft ÔÇ×einen gewissen DruckÔÇť auf die Forscher aus├╝ben, das digitale Publikationsmodell der gedruckten Ver├Âffentlichung vorzuziehen. Um die Verlage tut es M├╝ller jedenfalls nicht leid: "Wenn sich klassische Verlagsmodelle als ├╝berholt erweisen, muss man sie nicht k├╝nstlich am Leben erhalten."



Open Access bedeutet kostenfreier Online-Zugriff auf Fachtexte. Die Preise f├╝r Fachzeitschriften sind in den letzten Jahren stark angestiegen. Immer mehr Bibliotheken sehen sich gezwungen, ein Abo nach dem anderen zu k├╝ndigen und begr├╝├čen daher den freien Zugriff auf Fachtexte. So hat auch die UB Heidelberg mit dem Server HeiDOK eine eigene Open-Access-Plattform. Die deutschen Wissenschaftsorganisationen wie die DFG wollen mit Hilfe von Open Access die ├╝berzogene Preispolitik international agierender Verlagskonzerne stoppen. Auch sollen die Autoren die Rechte an ihren Texten nicht mehr an die Verlage abtreten m├╝ssen. Kritiker sehen allerdings die Autorenrechte und das Verlagswesen durch Open Access gef├Ąhrdet.

von Cosima Stawenow
   

Archiv Wissenschaft 2021 | 2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004