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 Wissenschaft
04.05.2010

Der Blick nach vorne

Wie der Klimawandel Heidelberg ver├Ąndern k├Ânnte ÔÇô eine Vision

Nichts ist spannender als die eigene Zukunft. Selbst die Bibel hat ihr mit der Apokalypse ein ganzes Kapitel gewidmet. Der ruprecht hat in die Ferne geschaut und wollten wissen: Wie sieht Heidelberg im Jahre 2100 durch die Folgen der Erw├Ąrmung aus?

Nichts ist spannender als die eigene Zukunft. Selbst die Bibel hat ihr mit der Apokalypse ein ganzes Kapitel gewidmet. Der ruprecht hat in die Ferne geschaut und wollten wissen: Wie sieht Heidelberg im Jahre 2100 durch die Folgen der Erw├Ąrmung aus?

Uwe-Konrad Walter hat es getan: Er hat das geerbte Elternhaus im romantischen Heidelberg verkauft. F├╝r schlappe 40.000 Euro. Mehr wollte keiner zahlen. Nat├╝rlich konnte der klotzige Lkw-Fahrer, Mitte 40, dies nie und nimmer mit seinem Gewissen vereinbaren. Doch der Trend wollte es so. Was blieb ihm denn anderes ├╝brig? Uwe-Konrad Walter, gr├╝ne tief sitzende Kappe, Schnauzer, sitzt am Fr├╝hst├╝ckstisch auf dem Balkon. Die Sonne streichelt sein Gesicht, die V├Âgel zwitschern, auf dem Tisch liegt eine ausgebreitete Tageszeitung und eine ge├Âffnete Flasche Heidelberger Bordeaux. Wir schreiben das Jahr 2100. 

Die Blicke des bulligen Mannes schweifen ├╝ber das Neckartal. Alles, aber auch alles, hat sich ver├Ąndert. Vor rund hundert Jahren diskutierten die Menschen ├╝ber die Folgen des Klimawandels, stellten Szenarien auf. Die Antwort folgte fast ein Jahrhundert sp├Ąter. 

Hitzerekorde dominieren die Sommer-Monate. Die ├Ąchzenden Bewohner verstecken sich tags├╝ber in gut isolierten H├Ąusern und B├╝ros. Die Krankenh├Ąuser und das Altenheim stehen in k├╝hleren Randlagen der Stadt, da f├╝r viele Patienten die Hitze in den jahrzehnte alten Bauten unertr├Ąglich wird. Auch die flei├čigen Krankenpfleger in ihren wei├čen Kitteln schwitzen sich bei der Arbeit zu Tode. Der Heidelberger Stadtrat entschied sich vor 40 Jahren dem zunehmend hitzigen Klima zu begegnen, und beauftragte Politiker und Architekten die Stadt umzukrempeln. 

Walter musste das Elternhaus zwangsl├Ąufig verkaufen, da Mama und Papa das Bauwerk nicht saniert hatten. Die W├Ąrme war irgendwann unertr├Ąglich. Der Verkauf war die beste L├Âsung. ÔÇ×Verzeiht mir, Vater und MutterÔÇť, sagt Walter. Der Baustil der Geb├Ąude am Neckar hat sich ma├čgeblich ge├Ąndert. Kleine Fenster, die den Bauten in Spanien gleichen, sch├╝tzen die B├╝rger vor der Hitze. Kletterrosen und Efeuranken die Hausw├Ąnde empor, w├Ąhrend bepflanzte D├Ącher die Stadtansicht in ein Gr├╝n mit bunten Blumen verwandeln.

Landesweit l├Ąuft bereits seit Jahren eine Infokampagne, wie man sich am besten vor Hagelst├╝rmen, vor Hitze oder vor drohenden ├ťberflutungen im Winter sch├╝tzt. Besonders im Sommer freut sich Uwe-Konrad Walter ├╝ber das begr├╝nte Dach, das ihm die Dachdecker-Firma angedreht und gegen das er sich anfangs gewehrt hatte. Schlie├člich mag er keine Pflanzen. Nun sch├╝tzt die Wiese auf dem Flachdach vor zu hei├čen Tagen. 

All diese Ma├čnahmen, die Politiker, Handwerker und Forscher aufgestellt haben, sch├╝tzen den Menschen vor den Folgen des Klimawandels. Das Konzept spart Geld ein und h├Ąlt die Sch├Ąden der Witterung gering. Seither gleicht 
Heidelberg eher einem zivilisierten Dschungel, wo die Tiere, die Natur und der Mensch so dicht zusammenleben wie einst Adam und Eva, ehe sie aus dem Paradies verbannt wurden. Heidelberg wird insgesamt mit vielen Parks ausgedehnt und breiter gebaut, sodass die Stadt nachts abk├╝hlen kann. 

Nur ├╝ber die umgest├╝rzten B├Ąume, die ein Orkan aus dem Boden gerissen hat, wodurch die wei├č gestrichenen Au├čenw├Ąnde einen Schaden bekommen haben, ├Ąrgern sich die Bewohner. Eigentlich wollte Uwe-Konrad Walter keine B├Ąume vor seinem Haus, doch die Stadt hat sich daf├╝r entschieden: Jeder Hausbesitzer muss mindestens zwei B├Ąume pflanzen, je nach Breite des Anwesens. 

Der Regen f├Ąllt in dieser Region mittlerweile st├Ąrker aus. Gerade an der Bergstra├če finden die Menschen H├Ąuser, die flutbare Keller besitzen oder auf das unterirdische Stockwerk ganz verzichten. Selbst der Umweltschutz hat seine Ziele neu festgelegt: Statt die ├╝brig gebliebenen Tiere in der Region zu retten, die vom Klimawandel betroffen sind, entschied sich die Politik daf├╝r, die neuen Arten zu f├Ârdern.

Obwohl extreme Hitzemonate f├╝r die Heidelberger mittlerweile zur Norm z├Ąhlen, traut sich Uwe-Konrad Walter gerne nach drau├čen. Wenn es ihm zu warm wird, setzt er sich einfach an einen Tisch in eines der Lokale mit Sonnendach. Fast die ganze Stra├če ist voll von diesen Konstrukten. Heidelberg geht es gut, denn w├Ąhrend andere St├Ądte ihr Grundwasser von Speicherseen transportieren m├╝ssen, k├Ânnen die B├╝rger auf nat├╝rlich vorhandenes 
Grundwasser zur├╝ckgreifen.

So k├Ânnte Heidelberg nach Erkenntnissen von Forschern und Handwerkern im Jahre 2100 aussehen. Nat├╝rlich zeigt die ganze Geschichte nur ein Szenario von vielen. Das hei├čt: Es kann auch anders kommen. Was den Namen 
unserer erfundenen Hauptfigur, Uwe-Konrad Walter, betrifft; seine Initialen stehen f├╝r ÔÇ×unvorhersehbarer KlimawandelÔÇť.

von Christian Schmied
   

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