Dies ist ein Archiv der ruprecht-Webseiten, wie sie bis zum 12.10.2013 bestanden. Die aktuelle Seite findet sich auf https://www.ruprecht.de

ruprecht-Logo Banner
ruprecht/Schlagloch-doppelkeks-Jubiläum
Am 13.10. feiern wir 25 Jahre ruprecht/Schlagloch und 10 Jahre doppelkeks [...mehr]
ruprecht auf Facebook
Der aktuelle ruprecht
ruprecht vor 10 Jahren
Andere Studizeitungen
ruprechts Liste von Studierendenzeitungen im deutschsprachigen Raum
ruprecht-RSS
ruprecht-Nachrichten per RSS-Feed
 Hochschule
22.06.2011

Unternehmen mögen den Bachelor

Studie attestiert Bachelor-Absolventen gute Berufschancen

Laut einer Studie des Stifterverbands fĂŒr die Deutsche Wissenschaft ist der Bachelorabschluss beim Berufseinstieg besser als sein Ruf. Die Ergebnisse offenbaren Chancen und Probleme des Bachelor-Abschlusses.

Bislang galten in der öffentlichen Diskussion die Berufseinstiegschancen fĂŒr Bachelor-Absolventen als schlecht. Das hat sich scheinbar geĂ€ndert: Der Stifterverband fĂŒr die Deutsche Wissenschaft hat im Mai eine Studie veröffentlicht, laut der die Berufseinstiegschancen fĂŒr Bachelorstudenten viel besser sind, als vermutet. Befragt wurden rund 4?800 Studierende, 4.500 Absolventen und 1.600 Unternehmen. Untersucht wurden die ÜbergĂ€nge in den Arbeitsmarkt von Bachelor-Absolventen sowie ihre Karriereperspektiven. 

Ein Jahr nach Berufseintritt seien die Berufseinsteiger mit Aufstiegsmöglichkeiten und Bezahlung zufrieden. Die Absolventen seien ĂŒberwiegend adĂ€quat beschĂ€ftigt, das heißt Bezahlung und Aufgabengebiet entsprechen ihren Qualifikationen. Die Ergebnisse unterscheiden sich nach FĂ€chergruppen und Hochschultyp. Insgesamt gaben ungefĂ€hr die HĂ€lfte aller FH- und Uni-Bachelor-Absolventen an, angemessen beschĂ€ftigt zu sein. Gleichzeitig gaben 19 Prozent der Sprach- und Kulturwissenschaftler ein Jahr nach ihrem Bachelorabschluss an, keine geeignete Stelle gefunden zu haben. 

Auch in der Bezahlung gibt es Unterschiede. FH-Bachelor erzielen allgemein bessere EinstiegsgehĂ€lter als Uni-Bachelor; die höchsten EinstiegsgehĂ€lter erzielen FH-Ingenieurswissenschaftler (37?600 Euro), die niedrigsten die Sprach- und Kulturwissenschaftler (24.900 Euro). Immerhin rund ein FĂŒnftel der Uni-Bachelor-Absolventen geben an, ein Jahr nach ihrem Abschluss mit ihrer BeschĂ€ftigung unzufrieden zu sein. 

Insgesamt fangen nur etwa ein viertel der Uni-Bachelor und knapp die HÀlfte der FH-Bachelor direkt zu arbeiten an. Meist wird erst ein Master angeschlossen. Dies liege, so die Studie, an der UnterschÀtzung der eigenen Berufschancen mit dem Bachelor.

80 Prozent aller befragten Unternehmen sind prinzipiell bereit, Bewerber mit Bachelor einzustellen. Sie gaben an, dass Bachelor prinzipiell die gleichen Karrierepositionen offen stĂŒnden wie Absolventen mit höheren AbschlĂŒssen wie Master oder Diplom. Gefordert seien TeamfĂ€higkeit, Auslandserfahrung, Praktika und gute Fremdsprachenkenntnisse.

Kritisiert wurde von Unternehmensseite, dass es vielen Einsteigern an Praxiserfahrung fehle. Es wurde jedoch anerkannt, dass die mangelnde Praxiserfahrung auch der Bachelortruktur geschuldet sei. Laut Kristina Biebricher, Leiterin des Career Service der UniversitĂ€t Heidelberg, fĂŒhre die verkĂŒrzte Studienzeit dazu, dass viele Studierende lieber die Regelstudienzeit von sechs Semestern einhalten anstatt Praxisphasen einzulegen. Sie empfiehlt jedoch eben diese Praxisphasen nicht nur zur beruflichen Qualifikation sondern auch zur beruflichen Orientierung zu nutzen. Bei Einstellungen wĂŒrde die Regelstudienzeit weniger gewichtet als die Praxiserfahrung. 

Biebricher bestĂ€tigt die positiven Karrierechancen fĂŒr Bachelor-Absolventen, nennt aber auch die Unterschiede in den FĂ€chergruppen: Es sei nach wie vor fĂŒr Absolventen der Wirtschafts-, Natur-, Mathematik- und Ingenieurswissenschaften einfacher, auf Anhieb passende Stellen zu finden. Deswegen sei es fĂŒr Sprach- und Kulturwissenschaftler besonders wichtig, sich wĂ€hrend des Studiums schon frĂŒhzeitig „ein klares berufliches Kompetenzprofil zu erarbeiten.“ 

Auch wenn die Studie viele Schwarzmalereien der letzten Jahre zu entschĂ€rfen scheint, zeigen sich Defizite in der Bolognareform, zum Beispiel der mangelnde Praxisbezug im Bachelorstudium. Auch hat die Reform nicht wie geplant zu einer höheren AuslandsmobilitĂ€t beigetragen. 

Dazu offenbart sich hinsichtlich des Berufseinstiegs Verbesserungspotenzial: ein FĂŒnftel der Absolventen gab an, mit ihrem Beruf nicht zufrieden zu sein. Und auch das FĂŒnftel der Sprach- und Kulturwissenschaftler, die ein Jahr nach Bachelor-Abschluss keine adĂ€quate Stelle finden, ist kritisch zu sehen. So erklĂ€ren die Autoren der Studie im Fazit, die Ergebnisse seien zwar â€žĂŒberraschend positiv, aber dennoch ausbaufĂ€hig“.

von Madalina Draghici und Frederik Görtelmeyer
   

Archiv Hochschule 2021 | 2020 | 2019 | 2018 | 2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 | 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004