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 Hochschule
12.12.2012

Kuschelnoten an der Uni?

Studie kritisiert Notenvergabe

Der Wissenschaftsrat, Deutschlands wichtigstes wissenschaftliches Beratergremium, hat deutliche Kritik an der Notengebung der Hochschulen im Land geĂŒbt. Die Noten seien tendenziell zu gut, außerdem stark vom Studienfach abhĂ€ngig, bemĂ€ngelt er.

Zum einen, heißt es, gĂ€ben die Professoren in Deutschland zu gute Noten, eine Tendenz, die zunehme. So wurden in vier von fĂŒnf bestandenen Bachelor-PrĂŒfungen die Noten „gut“ oder „sehr gut“ vergeben. UniversitĂ€ten erlĂ€gen „dem Anreiz, ihren Absolventinnen und Absolventen ĂŒber gute PrĂŒfungsnoten bildungsbiografische Vorteile zu verschaffen“, zum Nachteil der Absolventen jener Hochschulen, die leistungsgerecht bewerten, so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Wolfgang Marquardt.

Unumstritten ist die Behauptung nicht: So fanden nur diejenigen Eingang in die Statistik, die bestanden hatten – alle anderen sind gar nicht berĂŒcksichtigt. In Mathematik, fĂŒr das die Studie je nach Studiengang Schnitte zwischen 1,6 und 2,5 ermittelt hat, brechen achtzig Prozent ihr Studium vorzeitig ab.

Der zweite Kritikpunkt betrifft die Unterschiede zwischen den FĂ€chern. So haben im Bachelor Biologie 84 Prozent der Absolventen eine eins oder zwei, im seltenen  Jura-Bachelor 37. Noch grĂ¶ĂŸer ist der Unterschied in den alten StudiengĂ€ngen: Im Biologie-Diplom sind es 98 Prozent, im Staatsexamen Jura nur sieben. Die Fachschaft Jura kann die strenge Notenvergabe bestĂ€tigen. Das Notenspektrum, heißt es hier, werde praktisch nie ausgeschöpft: „Zur Benotung steht bei uns ein Spektrum von 0 bis 18 Punkten zur VerfĂŒgung, wobei das Erreichen der Note ,Sehr gut‘ (16 bis 18 Punkte) quasi unmöglich ist, insbesondere im Examen.“ Allerdings ist Heidelberg da keine Ausnahme. Der Anteil derjenigen, die mit „sehr gut“ abschließen, liegt seit Jahren im einstelligen Promillebereich. Doch auch wenn einem durch schlechte Noten keine Nachteile erwachsen – auf Dauer  seien sie „frustrierend“, heißt es.

In Biologie dagegen wehrt man sich gegen den Vorwurf, zu gut zu benoten. So verweist die Fachschaft auf die hohe, aber unberĂŒcksichtigte Vorabselektion. Auch Michael Wink, Studiendekan der FakultĂ€t fĂŒr Biowissenschaften erklĂ€rt: „Von 1500 Bewerbern jĂ€hrlich nehmen wir ĂŒberhaupt nur 500 auf.“ Die Notenvergabe entspreche internationalem Standard.
Im Übrigen sieht auch die UniversitĂ€t die guten Noten positiv und so keinen Regulierungsbedarf. Auch die Fachschaft Biologie verweist auf die Selektion: „In einem solchen Fall auf einem Ausschöpfen des Notenspektrums zu bestehen, wenn der Punkteunterschied beispielsweise nur fĂŒnf Punkte betrĂ€gt, wĂ€re vollkommen hirnrissig.“

Tatsache ist: Die Notengebung variiert je nach Fach und UniversitĂ€t. Sicher ist aber auch: Ob das an vermeintlich zu guten Noten liegt, ist Ă€ußerst fraglich. Anlass zur Diskussion besteht jedenfalls.

von Michael Abschlag
   

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