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 Hochschule
03.02.2012

Eine Frage der (L)ehre

Hat das Rektorat seine Uni noch im Griff?

Im Heidelberger Rektorat war die Überraschung groß: Die Mediziner hatten ihren Antrag auf eigene Faust eingereicht. / Foto: Wikicommons, Beckstet (CC BY-SA 3.0)

Nach den bundesweiten Bildungsprotesten haben Bund und LĂ€nder die QualitĂ€tsoffensive zur Verbesserung der Lehre gestartet. Aus dem Wettbewerb, bei dem Hochschulen sich um zusĂ€tzliches Geld fĂŒr die Lehre bewerben konnten, ging vor Ort ein ĂŒberraschender Gewinner hervor.

An der Uni Heidelberg setzte Prorektorin Friederike NĂŒssel einen universitĂ€tsweiten Prozess in allen wichtigen Gremien in Gang, an dem auch die Studierenden beteiligt waren. Der Plan versprach viel: Das Studium der Zukunft sollte kein bloßes Detailwissen vermitteln, sondern auch fachĂŒbergreifende Kompetenzen im Umgang mit Forschungsfragen. Dieses universitĂ€tsweit erarbeitete Konzept fĂŒr Lehren und Lernen sollte dann baldmöglichst umgesetzt werden. Ebenfalls sollten die ĂŒberfrachteten Studienordnungen entschlackt und den neuen Studieninhalten entsprechend ĂŒberarbeitet werden.

Doch im Dezember kehrte ErnĂŒchterung ein: Der Antrag fĂŒr die GesamtuniversitĂ€t Heidelberg wurde abgelehnt. Überraschenderweise jedoch wurde der Antrag der Medizinischen FakultĂ€ten Heidelberg und Mannheim bewilligt.
Noch ĂŒberraschender: Keiner wusste von diesem Antrag. Die Wettbewerbsstrategie war darauf ausgerichtet, dass Heidelberg mit nur einem Antrag am Wettbewerb teilnimmt. „Das Rektorat hatte keine Kenntnis von dem Verbundantrag der Medizin“, rĂ€umt NĂŒssel ein. „Dies wĂ€re jedoch fĂŒr eine gemeinsame Strategie fĂŒr ein erfolgreiches Abschneiden beider AntrĂ€ge wĂŒnschenswert und notwendig gewesen.“ NĂŒssel will nun klĂ€ren, wie die Kommunikationswege so gesichert werden können, dass Rektorat und die Gremien rechtzeitig beraten und entscheiden können. „Der Rektor vertritt die UniversitĂ€t laut Hochschulgesetz des Landes nach außen und muss in jedem Fall informiert werden“, betont NĂŒssel.

Die Medizin bestreitet den Vorwurf, das Rektorat ĂŒbergangen zu haben. „Der Verbundantrag wurde in Absprache mit Verwaltungs-Dezernat fĂŒr Studium und Lehre transparent erarbeitet“, so Jana JĂŒnger, Leiterin des Kompetenzzentrums der Medizin Heidelberg: „Wir freuen uns ĂŒber die zusĂ€tzlichen Mittel, auch wenn wir bedauern, dass der andere Antrag der UniversitĂ€t nicht befĂŒrwortet wurde. Gerne bieten wir jedoch bei kĂŒnftigen AntrĂ€gen der UniversitĂ€t wie bisher unsere Hilfe an.“

Der ehemals dafĂŒr zustĂ€ndige Dezernatsleiter Andreas Barz ist nicht mehr in Heidelberg. Stattdessen leitet er seit dem Regierungswechsel 2011 die Zentralstelle des Landeswissenschaftsministeriums.
Vorerst unbeantwortet bleibt die Frage, wieso die Verwaltung vom Medizinerantrag wusste, aber nicht das Rektorat. 

Selbst innerhalb der Medizin soll die Kommunikation misslungen sein. So erklĂ€rt die Fachschaft auf Anfrage, dass dies weder in den zustĂ€ndigen Gremien – FakultĂ€tsrat wie Studienkommission – noch anderweitig kommuniziert wurde. Auch sie erfuhren davon erst durch eine entsprechende Pressemitteilung des Ministeriums.

Was wird nun aus den Studierenden, die keine Medizin und teilweise unter schlechten Bedingungen studieren? „Es gilt nun innerhalb der gesamten UniversitĂ€t den mit dem Antrag begonnenen Prozess fortzufĂŒhren“, sagt NĂŒssel. „Uns ging es von Anfang an nicht nur darum, Geld einzuwerben, sondern wir wollten diesen Wettbewerb zum Anlass nehmen, uns ĂŒber wichtige Fragen der Verbesserung von Studium und Lehre universitĂ€tsweit zu verstĂ€ndigen.” Der Prorektorin zufolge sind FakultĂ€ten und Dekanate in dem gemeinsamen Prozess eine Selbstverpflichtung eingegangen, die nun gemeinsam unabhĂ€ngig vom Ausgang des Wettbewerbs umgesetzt werden muss.

Die Heidelberger Studierendenvertretung sieht das Kompetenzgerangel jedoch gelassen. „FĂŒr uns ist wichtig, dass die Uni den eingeschlagenen Weg weitergeht und Ziele wie ein universitĂ€res Lehr-Lern-Konzept wirklich angeht“, sagte ein Vertreter der Fachschaftskonferenz (FSK). „Was in den FakultĂ€ten bisher unter dem Stichwort Reformen lĂ€uft, ist allenfalls auf dem Umweg dorthin.“ 

Ob nun Umweg oder nicht: Der Weg sollte in jedem Fall gemeinsam gegangen werden.

Update 15. Februar 2012: Inzwischen hat der ruprecht erfahren, dass der Senat die Einsetzung einer Untersuchungskommission mit dem Altrektor Hommelhoff als Vorsitzenden beschlossen hat. 
 

von Ziad-Emanuel Farag
   

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